Antisemitismus-Vorwurf Wochenzeitung: Weitere Zweifel an Ofarims Aussagen zu Vorfall in Leipziger Hotel

Gutachten mehren Zweifel an den Aussagen des Sängers Gil Ofarim zu angeblichen antisemitischen Beleidigungen in einem Leipziger Hotel. Wie "Die Zeit" berichtet, habe der Sänger beim Check-in mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" keine Kette mit Davidstern sichtbar getragen. Sie beruft sich auf zwei vom Hotel beauftragte Gutachten. Ofarim hatte dagegen gesagt, er sei aufgefordert worden, eben jene Kette abzunehmen. Im Raum steht nun, dass eine Warteschlange an der Hotelrezeption den Künstler verärgert haben könnte.

Gil Ofarim
Gil Ofarim stammt aus einer jüdischen Musiker-Familie. Sein 2018 gestorbener Vater Abi Ofarim war ein international erfolgreicher Künstler. Bildrechte: imago images/Future Image

Zweifel an einer angeblichen antisemitischen Diskriminierung des Musikers Gil Ofarim im Leipziger Westin-Hotel bleiben. Nach Informationen der Wochenzeitung "Die Zeit" hat keiner, der im Auftrag des Hotels von der Rechtsanwaltskanzlei Pauka & Link befragten Zeugen, eine antisemitische Beleidigung vernommen.

Laut der Zeitung spielte in dem 118-seitigen Abschlussbericht die Kette mit dem Davidstern bei dem Streit in der Hotellobby keine Rolle. Vielmehr habe sich der 39-Jährige beschwert, weil beim Einchecken andere Kunden nach seiner Auffassung vorgezogen wurden. Den Zeugenaussagen zufolge soll Ofarim zu diesem Zeitpunkt schon gedroht haben, ein Video bei Instagram hochzuladen, das "viral gehen" werde. Ofarim wollte sich auf Nachfrage der "Zeit" nicht zu den Erkenntnissen äußern. Nach Informationen der "Zeit" deckt sich die Beschreibung des Tathergangs durch das Hotelgutachten "an entscheidenden Stellen" mit dem Erkenntnisstand von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Sachverständiger: Sänger trug wahrscheinlich keine Kette im Hotel

Darüber hinaus berichtet die Wochenzeitung, der Datenforensiker George A. Rauscher habe im Auftrag der Kanzlei Pauka & Link ein Gutachten erstellt. Es komme zu dem Schluss, dass die vom Hotel vorgelegten Aufnahmen der Überwachungskameras mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht manipuliert worden seien. Mit ebenfalls an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit habe der Musiker seine Kette auf den vorgelegten Videosequenzen nicht sichtbar getragen – weder bei Ankunft vor dem Haus, noch beim Betreten der Lobby, noch an der Rezeption, noch beim Verlassen der Lobby.

Ofarim beschuldigte Hotelmitarbeiter des Antisemitismus

Der Musiker Gil Ofarim hatte in einem Video auf Instagram am 5. Oktober dem Leipziger Westin-Hotel schwere Vorwürfe gemacht. Ein Mitarbeiter des Hauses, so schilderte es Ofarim, habe ihn aufgefordert, eine Kette mit Davidstern abzunehmen – erst dann dürfe er einchecken. Der Vorwurf löste weltweit Empörung aus.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig teilte MDR SACHSEN am Mittwoch mit, sie warte unter anderem noch auf ein Gutachten zu den Überwachungsvideos und müsse die Aussagen der Zeugen auswerten. Man erwarte, dass die Ermittlungen noch mehrere Wochen dauern werden.

"Tagesspiegel": Antisemitismus-Beauftragter will Vorgang neu bewerten

Der "Tagesspiegel" berichtet, der Beauftragte der Bundesregierung für den Kampf gegen Antisemitismus Felix Klein erwäge, seine Position zum Vorfall im Leipziger Westin-Hotel zu revidieren. Auf Anfrage der Zeitung verwies Klein demnach auf die laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Er wolle deren Ergebnisse abwarten und sich nach Abschluss "gegebenenfalls im Lichte der Erkenntnisse äußern", sagte eine Sprecherin. Klein hatte sich nach dem Vorfall in Leipzig dahingehend geäußert, dass es "gut und wichtig" sei, dass Ofarim den "inakzeptablen Vorgang" öffentlich gemacht habe.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Radioreport | 27. Oktober 2021 | 18:00 Uhr

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