Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben
Die Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen reichen bis tief in das 19. Jahrhundert zurück. Nach zwei Weltkriegen und der DDR-Zeit hat die US-Vertretung seit 1992 ihren Sitz wieder in Leipzig. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Jubiläum30 Jahre US-Konsulat in Leipzig

von MDR SACHSEN

Stand: 17. Mai 2022, 10:13 Uhr

Neun US-Konsulate gab es bis zum Ersten Weltkrieg in Sachsen. Das erste davon in Leipzig. Nach dem Mauerfall nahm die US-amerikanische Vertretung 1992 ihre Arbeit in der Messestadt wieder auf. Zum 30. Jubiläum schaute Konsul Kenichiro Toko auf eine bewegte Geschichte zurück.

Am Montag hat das Konsulat der Vereinigten Staaten von Amerika in Leipzig sein 30-jähriges Bestehen gefeiert. Dazu gab es am Nachmittag ein Empfang.

Beziehungen stärken und vertiefen

"In den letzten 30 Jahren hat sich viel verändert, aber unsere Hauptaufgabe ist immer noch dieselbe", sagt Ken Toko, der seit August 2020 im Amt ist. "Es geht um die Stärkung und Vertiefung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Mitteldeutschland", ergänzt Toko.

Der gebürtige New Yorker Kenichiro Toko ist seit August 2020 im Amt. Er ist damit der der elfte US-Konsul in Leipzig seit 1992. Zuvor war er in China, Taiwan, Japan und der Ukraine im diplomatischen Einsatz. Bildrechte: dpa

Heute ist das US-Generalkonsulat Leipzig für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt heute auf der Förderung des Austauschs in den Bereichen Politik, Bildung und Kultur, heißt es in einer Mitteilung des Konsulats.

Vielfältige Zusammenarbeit in den Region

Unter anderem unterstützt das Konsulat eigenen Angaben zufolge in Leipzig das DOK Filmfestival und die Christopher-Street-Day-Paraden. Beim Gesprächsformat "MeetUS" haben Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit mit US-Amerikanern in Dialog zutreten. Generalkonsul Toko sei im diesem Rahmen bereits an rund 50 Schulen in ganz Mitteldeutschland gewesen. Das Konsulat arbeite auch eng den Industrie- und HAndelskammer zusammen, um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und der Region zu vertiefen.

Konsul: "Verbindungen im Osten nicht so etabliert"

Vor allem auf dem Gebiet der ehemaligen DDR seien die Verbindungen zwischen den USA und den hier lebenden Menschen aus "historischen Gründen" nicht so etabliert. Das sei immer noch eine Herausforderung und die Beziehungen, sowohl auf gesellschaftlicher wie auch auf wirtschaftlicher Ebene, müssten weiter vertieft werden, so Toko.

Ukraine-Krieg aktuell im Mittelpunkt

Gegenwärtig beschäftigt der russische Angriffskrieg in der Ukraine den Alltag von Konsul Toko. "Der Krieg ist das Hauptthema in meinen Gesprächen." Auch wenn ihn die Herzenswärme der Menschen gegenüber den Geflüchteten sehr beeindrucke, gäbe es immer noch Skepsis gegenüber der Nato und den USA. "Hier müssen wir weiter im Gespräch bleiben", betont er.

Neun Vertretungen der Vereinigten Staaten gab es bis 1900 in Sachsen. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Erstes Konsulat bereits 1826 in Leipzig

Die Geschichte der US-Konsulate in Sachsen reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Am 22. Mai 1826 wurde das erste US-Konsulat in Leipzig eröffnet. Wegen seiner wirtschaftlichen Bedeutung als Handelszentrum wurde die Messestadt als erster Standort gewählt. Um 1900 gab es dann neun amerikanische Konsulate in Sachsen: Neben Konsualtn in Leipzig und Dresden gabe es auch Vertretungen in Chemnitz, Glauchau, Eibenstock, Annaberg, Plauen, Markneukirchen und Zittau. Zwei Weltkrieg und die DDR-Zeit hatten diese Verbindungen unterbrochen. Erst 1992 wurde das Konsulat in Leipzig wiedereröffnet.

Fakten zur Geschichte der US-Konsulate in MitteldeutschlandDie meisten Konsuln der Anfangszeit waren eingebürgerte Amerikaner deutscher Abstammung. Ein bekannter Vertreter war Friedrich List, der von 1834 bis 1839 Konsul in Leipzig war und sich für den Bau der ersten deutschen Eisenbahnstrecke zwischen Leipzig und Dresden einsetzte.

Insgesamt waren bis zur Jahrhundertwende amerikanische Regierungsvertreterinnen und -vertreter in vierzehn Städten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aktiv.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges kamen die diplomatischen Beziehungen zum Erliegen und am 7. Februar 1917 wurden alle US-Konsulate in Mitteldeutschland geschlossen. 1921 eröffneten die Standorte in Leipzig und Dresden als einzige verbleibende US-Konsulate wieder, bis sie 1941 aufgrund des Zweiten Weltkrieges erneut schließen mussten.

Im März 1991 nahmen amerikanische Diplomatinnen und Diplomaten ihre Arbeit in Leipzig erneut auf. Ein Jahr später wurde das Konsulat am heutigen Standort im Leipziger Musikviertel offiziell wiedereröffnet.

MDR (mar/ine dippmann/volker insel)

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 16. Mai 2022 | 19:00 Uhr