Deutscher Alpenverein Verkauf des Steinbruchs Holzberg bei Böhlitz geplatzt

Ein eigener Berg: Davon hat die Sektion Leipzig des Deutschen Alpenvereins geträumt. Ein passendes Objekt war schnell gefunden: Der Holzberg bei Thallwitz, ein beliebtes Klettergebiet im nördlichen Landkreis Leipzig. Um dort naturverträglichen Bergsport zu ermöglichen, gab es eine halbe Million Euro Fördermittel von Sachsen. Doch der Traum ist vorerst ausgeträumt.

Ein Steinbruch aus verschiedenen Blickrichtungen.
Den Steinbruch Holzberg im Landkeis Leipzig wollte die Leipziger Sektion des Deutschen Alpenvereins kaufen. Dort sollte das Areal torusitsich sanft und nachhaltig entwickelt werden. Bildrechte: Olaf Rieck

Die Zukunft des Klettergebietes Holzberg bei Böhlitz mit seinen mehr als 120 Kletterrouten ist weiter unklar. Wie der Deutsche Alpenverein (DAV) mitteilte, sind die Pläne, den Steinbruch von der Unternehmensgruppe Kafril zu kaufen, vorerst gescheitert. Das Unternehmen habe das mit einem fehlenden adäquaten Alternativstandort sowie keinerlei wirtschaftlicher Entschädigung begründet, sagte Lutz Zybell, Vorstandsmitglied vom sächsischen Landesverbandes des Deutschen Alpenvereins MDR SACHSEN. Das sei aber so nicht richtig.

Firma erkennt Ersatzstandort nicht an

Laut Zybell wurde mit Unterstützung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) ein Ersatzstandort gefunden. In den Tagebaulöchern des Vereinigten Tagebaus Schleenhain hätte die Firma künftig ihren Erdaushub verbauen können, so Zybell. Dafür habe die Mibrag, der der Tagebau gehört, schon ein Genehmigungsverfahren angestrengt. "Doch Kafril erkennt die Ersatzstandortlösung nicht an, sieht diesen als 'Zusatzstandort'", berichtet Zybell.

Doch Kafril erkennt die Ersatzstandortlösung nicht an, sieht diesen als 'Zusatzstandort'.

Lutz Zybell DAV Landesverband Sachsen

Zudem habe die Firma ihre Pläne zur Verfüllung des Holzberges wieder reaktiviert. In einem Schreiben habe das Kafril angekündigt. Damit würden die Biotope in dem Steinbruch mit knapp 260 Pflanzen- und Tierarten unwiederbringlich zerstört.

Natur und Pflanzen haben den ehemaligen Steinbruch Holzberg vereinnahmt.
Der Deutsche Alpenverein und die Bürgerinitiative Böhlitz kämpfen schon länger um den Erhalt der Biotope im Holzberg. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Betretungsverbot ab Ende April

Nicht nur, dass das Unternehmen den Steinbruch mit Erdaushub verfüllen will, es hat dem DAV noch eine weitere Botschaft mitgeteilt. Da der Nutzungsvertrag zwischen dem Alpenverein und der Firma Ende April endet, ein neuer noch nicht abgeschlossen wurde, wird ein weiteres Betreten des Geländes durch Kletterer aus Haftungsgründen untersagt. Die Nutzung eines der beliebtesten Klettergebietes Mitteldeutschlands wird also ab Ende April zunächst nicht mehr möglich sein.

Geschlagen gibt sich Lutz Zybell noch nicht. Noch fehle der Firma die rechtlichen Grundlage, den Steinbruch zu verfüllen, sagte er. Zudem werde sich der Alpenverein mit Umweltorganisationen und der Bürgerinitiative Böhlitz weiterhin dafür einsetzen, dass der Holzberg in seiner jetzigen Form erhalten bleibe und zukünftig auch wieder beklettert werden kann.

Unternehmen kritisiert falsche Darstellung

Das Unternehmen Kafril hat die Darstellung zurückgewiesen, kein Interesse mehr an dem Verkauf des Holzberges zu haben. Man sei weiter an einer Lösung interessiert, teilte Geschäftsführerin Katrin Weist MDR SACHSEN mit. Kafril habe dem DAV eine enge Zusammenarbeit bei der langfristigen Planung der Nutzung und Gestaltung des Holzberges sowie weiterer möglicher Projekte zum Natur- und Artenschutz angeboten. Dieses Angebot bestehe weiterhin, so Weist. Es setzt aber voraus, dass alle Beteiligten vertrauensvoll zusammenarbeiten, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die die jeweiligen Interessen möglichst in Einklang bringen. Gleichzeitig bestätigte sie das Betretungsverbot ab Ende April.

Wir sind weiter an einer Lösung interessiert.

Katrin Weist Unternehmensgruppe Kafril

Ein Steinbruch
120 Kletterrouten gibt es am Holzberg. Ab Ende April ist Bergsport in dem Steinbruch nach mehr als 20 Jahren aber vorerst Geschichte. Bildrechte: DAV Sektion Leipzig/ Manuel Osburg

Schreiben an DAV lässt anderen Schluss zu

In dem Schreiben an den Deutschen Alpenverein, das MDR SACHSEN vorliegt, liest sich das allerdings etwas anders. Der Verzicht auf den Holzberg sei nur möglich, wenn es entweder eine adäquate alternative Standortlösung oder eine entsprechende wirtschaftliche Entschädigung gebe. "Beides ist nicht eingetreten", heißt es da. Auch auf die von der Firma unterbreiteten Lösungsvorschläge sei nicht eingegangen worden. Daher "ist es uns leider absolut unklar, wie wir auf dieser Basis eine weitere mögliche Zusammenarbeit ausrichten und gestalten können."

Es ist uns leider absolut unklar, wie wir auf dieser Basis eine weitere mögliche Zusammenarbeit ausrichten und gestalten können.

Katrin Weist Unternehmensgruppe Kafril

Ein Steinbruch
Die Leipziger Alpinisten wollten das 50 Hektar große Areal zusammen mit der Bürgerinitiative Böhlitz und der BUND-Ortsgruppe Böhlitz zum Zwecke des Umweltschutzes und des naturverträglichen Bergsports kaufen. Bildrechte: DAV Sektion Leipzig/ Manuel Osburg

Rechtliche Grundlagen fehlen noch

Doch bevor Kafril den Holzberg verfüllen kann, müssen erst einmal die rechtlichen Grundlagen geschaffen werden. So muss das Unternehmen beim Oberbergamt eine neue bergrechtliche Genehmigung einholen. Die gibt es aber nur, wenn eine Naturschutzgenehmigung vorliegt. Das dürfte angesichts des Artenvielfalt schwer werden. Gilt der Holzberg mit seinen gut 260 Pflanzen- und Tierarten als einer der artenreichsten Hotspots in der gesamten Leipziger Region.

MDR (bb)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 13. April 2022 | 13:30 Uhr

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