Vor Prozessauftakt Hunderte Menschen demonstrieren gegen Bau der Küstenautobahn 20

Nach jahrelangen Verzögerungen verhandelt das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig anm Dienstag über den Weiterbau der sogenannten Küstenautobahn A20 in Niedersachsen. Dagegen gibt es mehrere Klagen von Umweltschützern und Landwirten, weil Flussniederungen, Moore und Wälder zerstört würden. Am Sonntag gab es in Leipzig die ersten Proteste gegen den Autobahnbau.

Teilnehmer einer Demonstration von BUND und Fridays for Future gegen den Bau der A20 in Niedersachsen und Schleswig-Holstein ziehen durch Leipzig.
Mehrere hundert Umweltschützer sind am Sonntag durch Leipzig gezogen. Hintergrund ist ein Prozess gegen den geplanten Autobahnbau in Niedersachsen. Bildrechte: dpa

Mehrere Hundert Menschen haben am Sonntag in Leipzig gegen den geplanten Bau der Küstenautobahn 20 demonstriert. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer "im unteren bis mittleren dreistelligen Bereich", die Veranstalter sprachen von rund 600. Das waren weniger als die angekündigten 1.500 bis 2.000 Demonstranten. Zu dem Protest hatten unter anderem der BUND, Extinction Rebellion und Fridays for Future aufgerufen.

Luisa Neubauer: Wenn Richter Bau der A20 nicht stoppen, "dann machen wir das"

Anlass ist eine Verhandlung am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zu den Autobahnplanungen in Niedersachsen am kommenden Dienstag. Der BUND und mehrere Landwirte haben Klage gegen ein erstes Autobahnteilstück zwischen Westerstede und Jaderberg eingelegt. Die Umweltschützer halten die insgesamt 230 Kilometer lange Trasse für überflüssig. Sie kritisieren klimaschädliche Auswirkungen der Autobahn. Sie haben rund um den Prozessauftakt Proteste angekündigt.

Luisa Neubauer, Sprecherin von Fridays for Future (FFF), erklärte die A20 zu einer Systemfrage: "Wer hat die Macht zu zerstören - und wer hat die Macht, die Zerstörung aufzuhalten?". Die A20 werde nicht kommen. Wenn die Bundesrichter den Bau nicht stoppten, "dann machen wir das", sagte Neubauer. Die Leipziger FFF-Sprecherin Charlotte Huth sprach von einem entscheidenden Prozess in Sachen Klimapolitik. "Nach den enttäuschenden Gerichtsurteilen der letzten Monate - der Dannenröder Forst muss einer Autobahn weichen, das nordrhein-westfälische Lützerath einem Tagebau - ist eines klar: Für eine sozial gerechte Verkehrswende, die es für die Einhaltung unserer Klimaziele braucht, ist eine Urteil gegen den Ausbau der Autobahn unumgänglich."

Die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer spricht auf einer Kundgebung von BUND und Fridays for Future gegen den Bau der A20 in Niedersachsen und Schleswig-Holstein vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.
Luisa Neubauer, Sprecherin von Fridays for Future, erklärte die A20 zu einer Systemfrage. Bildrechte: dpa

Sachsens BUND-Vorsitzender Mitinitiator der Klage

Felix Ekardt
Sachsens BUND-Vorsitzender Felix Ekardt pocht auf den Klima-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts. Bildrechte: Felix Ekardt

Die A20 soll einmal die Niederlande, Norddeutschland und Polen verbinden. Die vom polnischen Stettin kommende Autobahn endet bislang östlich von Bad Segeberg in Schleswig-Holstein. Mitinitiator der Klage ist Sachsens BUND-Vorsitzender Felix Ekardt. Er verweist auf den Klima-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts, wonach "maßgebliche Schritte der Treibhausgasreduktion nicht auf die Zeit nach 2030 verschoben werden dürfen". Ekardt: "Dies gilt auch für den Verkehrssektor – hier gibt es bisher kaum Reduktionen. Großdimensionierter Fernstraßen-Neubau – vor allem ohne sorgfältige Prüfung und Berücksichtigung aller klima- und umweltverträglicheren Alternativen – ist mit dem Klima-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts und damit mit Deutschlands Klimazielen nicht verträglich."

MDR (dk/dpa)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 29. Mai 2022 | 19:00 Uhr

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