Ukraine-Krieg Ukraine-Flüchtlinge: Großer Andrang bei Ankommenszentrum in Leipzig

Immer mehr Geflüchtete aus der Ukraine finden ihren Weg nach Leipzig. Die Stadt erwartet bis zu 10.000 Menschen, die aus den Kriegsgebieten in der Ukraine in die Messestadt fliehen. Um die Asylleistungen bündeln zu können, hat die Stadt im Neuen Rathaus ein Ankommenszentrum eingerichtet.

Ankommenszentrum Leipzig
Der Andrang am Ankommenzentrum im Neuen Rathaus in Leipzig ist groß. Bis zu 200 Geflüchtete können laut Stadt am Tag registriert werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Mittwoch hat das Ankommenszentrum im Neuen Rathaus in Leipzig seinen Betrieb aufgenommen. Geflüchtete aus der Ukraine, die privat oder bei Freunden und Bekannten untergekommen sind, können sich dort registrieren lassen. Menschen, die keine Unterkunft haben, müssten sich in der Erstaufnahme-Einrichtung in Mockau melden.

Jugendamt und Sozialamt unter einem Dach

Wie Stadtsprecher Matthias Hasberg im Gespräch mit MDR SACHSEN sagte, können sich rund 200 Menschen hier am Tag melden. "Wir hoffen, dass wir damit hinkommen." Im Ankommenszentrum sollen Mitarbeitende von Jugend- und Sozialamt den Menschen bei Fragen zu Schule, Kita und Gesundheitsversorgung helfen. Das wäre woanders nicht möglich gewesen, so Hasberg. Das Zentrum sei auch eingerichtet worden, damit die Bürgerämter nicht überlaufen. Zudem seien sie ortsunkundigen Menschen schlecht zu erreichen.

Ankommenszentrum Leipzig
Das Ankommenszentrum bietet Geflüchteten aus der Ukraine Hilfe, um Sozialleistungen und den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu bekommen. Bildrechte: MDR um 2

Registrierung nicht verpflichtend - häufig aber notwendig

Eine Pflicht sich registrieren zu lassen, bestünde für Geflüchtete aus der Ukraine laut EU-Beschluss nicht, erklärt Hasberg. "Wer sich jedoch nicht registrieren lässt, hat zum Beispiel keinen Zugang zum Gesundheitssystem", so Hasberg weiter. Auch für den Zugang zu Schule oder Kita sei eine Registrierung erforderlich.

Leipziger berichtet: Verzweifelte Lage in Kiew

Einer, der am Mittwoch zum Ankommenszentrum gekommen ist, ist Rainer Braun aus Leipzig. Er hatte vor einer Woche entschlossen eine Freundin sowie deren Tochter und vierjährigen Sohn aus der Ukraine geholt.

"Ich habe noch nie so viel Leid gesehen", erinnert sich Braun an die kurze Zeit in Kiew. "Ich bin selbst kein ängstlicher Typ, aber als der Luftalarm losging und wir in den Keller mussten… das werde ich nie wieder vergessen", sagt er. Die Menschen in Kiew seien verzweifelt. Viele hätten Angst zu fliehen, weil das Gerücht umgehe, dass die russischen Streitkräfte Minen verlegt hätten. Zudem hätten sie Angst beschossen zu werden.

Ankommenszentrum Leipzig
Rainer Braun aus Leipzig hat eine Freundin sowie deren Tochter und vierjährigen Sohn aus der Ukraine gerettet. Bildrechte: MDR um 2

Ich bin selbst kein ängstlicher Typ, aber als der Luftalarm losging und wir in den Keller mussten… das werde ich nie wieder vergessen.

Rainer Braun Fluchthelfer aus Leipzig

Braun und seine Mitreisenden wurden zum Glück nicht beschossen. "Gestern sind wir in nach einer Odyssee von zweieinhalb Tagen in Leipzig angekommen", so Braun. In seiner Zwei-Zimmer-Wohnung sei es zwar sehr eng, "aber besser als in der Ukraine".

Ankommenszentrum Leipzig
Vor allem Frauen und Kinder sind nach dem Angriff der russischen Armee aus der Ukraine geflohen. Für den Zugang zu Schule und Kita müssen sich die Geflüchteten registrieren lassen. Bildrechte: MDR um 2

Genau Zahl der Geflüchteten noch unbekannt

Die Schlange am Neuen Rathaus ist am Mittwoch lang. Wie viele Menschen genau aus der Ukraine in Leipzig angekommen sind, weiß Hasberg derzeit nicht. "Wir hoffen, dass wir jetzt auch verlässliche Zahlen über die Ukrainerinnen und Ukrainer in Leipzig bekommen, die privat oder bei Bekannten und Freunden untergebracht sind." Bisher hätten nur Menschen registriert werden können, die sich in der Erstaufnahmeeinrichtung gemeldet haben.

Leipzig erwartet bis zu 10.000 Geflüchtete

Die Stadt richte sich aktuell auf bis zu 10.000 Menschen ein, die nach Leipzig kommen werden. Das sind Hasberg zufolge ungefähr so viele wie 2015 und 2016. Allerdings kamen die Menschen damals in einem Zeitraum von zwei Jahren. "Das zeigt auch das Problem, vor dem wir hier gerade stehen", ergänzt der Stadtsprecher.

MDR (mar/stadler)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 09. März 2022 | 19:00 Uhr

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