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Die öffentlichen Verkehrsmittel werden von den Fußballfans in Leipzig rege genutzt. Bildrechte: MDR/Adam Beyer

Bahn und ÖPNVKritik an EM-Organisation: Trifft das auch auf Leipzig zu?

25. Juni 2024, 10:08 Uhr

In Deutschland ist das Fluchen auf die Deutsche Bahn fast schon zum Volkssport geworden. Dank der Fußball-EM mischen jetzt auch verstärkt Gäste aus dem Ausland dabei mit. Verspätete Züge, ausgefallene Züge, überfüllte Züge: Deutsche Bahn und der ÖPNV haben bei den Fans schon für viel Ärger gesorgt. Britische Fans mussten etwa in Gelsenkirchen stundenlang warten, um mit Straßenbahnen den Rückweg antreten zu können. Aus dem Spielort Leipzig hört man das nicht. Till Ganswindt hat nachgefragt, woran das liegt.

Die Leipziger City ist an diesem Montag fest in kroatischer Hand. Die Fans haben das Spiel gegen Italien im Kopf, nicht den deutschen ÖPNV. Ivica und Markus aus München haben auch schon von den Problemen während dieser EM gehört. Zu spüren sei davon in Leipzig aber nichts. Wie sie gekommen sind, will ich wissen

Nach Leipzig seien sie mit dem Auto gereist, in der Stadt nutzen sie die Tram: "Genau, die Nummer 11 und die war pünktlich und ist genau vorm Hotel gefahren. Raus aus dem Hotel, in die Tram, herfahren, am Hauptbahnhof aussteigen und wir sind da. Also es hat alles super funktioniert mit den ÖPNV-Möglichkeiten."

Volle Bahnen in anderen deutschen Großstädten

Aus München war zum Auftakt anderes zu Hören. Selbst die immer gut gelaunten Schotten hatten sich über zu volle Straßenbahnen beschwert, ähnliches war aus Köln zu hören. Die schlechten Erfahrungsberichte sind so zahlreich, dass die "New York Times" anrät, alles zu vergessen, was man über die Deutschen zu wissen glaubt. Effizienz, Verlässlichkeit, Funktionalität suche man vergeblich. In Leipzig allerdings hört man nichts von dieser Kritik. Woran das liegen könnte beantwortet Marc Backhaus, Sprecher der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB).

Die LVB würden an diesen Spieltagen alles auf die Schiene setzen, was Räder hat. "Das bedeutet in Zahlen ungefähr 50 bis 60 mehr Fahrzeuge, die unterwegs sind, 250 zusätzliche Abfahrten zum üblichen Linienverkehr." Dadurch verlaufe die Anreise insgesamt entspannt, auch weil Sonderlinien die Menschen von den Park-and-ride-Parkplätzen zum Stadion bringen.

Stadion in Zentrumsnähe

Allerdings habe Leipzig auch einen großen Vorteil den anderen Städten gegenüber, sagt Backhaus. Das Stadion sei schließlich direkt im Zentrum. Fans könnten also auch zu Fuß zur Arena gehen. "Wir haben aber auch eine sehr gute Straßenbahnanbindung und gute Erfahrungen mit Blick auf die Vergangenheit, sportlich gesehen. Und wir sehen, dass die Fans, die hier zur EM anreisen, sehr frühzeitig anreisen, [...] die Stadt damit schon entdecken und dann relativ einfach zum Stadion kommen."

Die Nähe des Stadions zur Innenstadt sorgt dafür, dass sich zahlreiche Fans zu Fuß zum Spiel begeben. Bildrechte: MDR/Adam Beyer

Investitionen in Infrastruktur verschlafen

Dass das andernorts ganz und gar nicht so gut funktioniert, ist für Karl-Peter Naumann wenig verwunderlich. Naumann sitzt im Bundesvorstand des Fahrgastverbandes ProBahn. "Also mit dem ÖPNV können wir in Deutschland wirklich kein Ruhmesblatt gewinnen. Es gibt punktuell gute Sachen, aber insgesamt ist er seit Jahrzehnten unterfinanziert und man hat ihn zu wenig ausgebaut, sodass dieses einen eigentlich nicht wundern darf."

Im Vorfeld hätte massiv investiert werden müssen, so Naumann. Das sei aber nicht geschehen. Auch dass die Bahn pro Spieltag 10.000 zusätzliche Sitzplätze anbiete, reiche bei 50.000 Stadionbesuchern aufwärts nicht aus. Mit Blick auf die stundenlangen Wartezeiten in Gelsenkirchen sagt er: "Normalerweise haben wir eben sehr viel Busverkehre noch und vor allen Dingen eben auch individuelle Parkplätze. Gerade die individuellen Parkplätze sind jetzt bei der EM weggefallen."

Nach dem EM-Spiel zwischen Serbien und England in Gelsenkirchen mussten einige Fußballfans lange warten, ehe sie die Heimreise antreten konnten. Bildrechte: picture alliance/dpa | Friso Gentsch

Es könne also niemand mit dem Bus oder dem eigenen Auto anreisen. Dass ein reines Straßenbahnsystem da schnell an seine Grenzen kommt, ist laut Naumann nicht verwunderlich.

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MDR (mst)

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