Landgericht Munitionsausgabe bei KSK basierte auf Vertrauen

Soldaten des Kommandos Spezialkräfte stürmen 2014 auf dem Kasernengelände während einer Übung ein Fahrzeug.
Bei Übungen sei der Munitionsvorrat nicht überprüft worden, sagte ein Oberstleutnant vor dem Landgericht. Bildrechte: dpa

Im Prozess um das Waffenversteck eines Ex-Elitesoldaten aus Sachsen hat ein Stabsoffizier Unregelmäßigkeiten bei der Munitionsausgabe eingeräumt. Bei Gefechtsübungen des Kommandos Spezialkräfte (KSK) sei die vorgeschriebene Trennung zwischen dem Leitenden der Übung und dem Herausgeber der Munition augenscheinlich nicht erfolgt, sagte ein Oberstleutnant des KSK als Zeuge vor dem Landgericht Leipzig aus.

Munition gutgläubig ausgegeben

Bei speziellen Gefechtsübungen, die über Stunden und auch Tage gingen, habe sich jeder Soldat so viel Munition genommen, wie er zu brauchen glaubte. Zuvor hatten Soldaten des KSK mehr als 50.000 Munitionsartikel abgegeben, die sie gehortet oder möglicherweise gestohlen hatten. Es gebe keine Erkenntnisse woher diese stammen, sagte der Oberstleutnant.

Vertrauenssystem

Der Zeuge - als Offizier beim KSK für Waffenbewirtschaftung zuständig - betonte, dass die Gefechtsübungen beim KSK deutlich komplexer gewesen seien als bei herkömmlichen Schießübungen der Bundeswehr. So sei sehr viel mehr Munition verschossen worden - bei einwöchigen Übungen auch schon mal im sechsstelligen Bereich. Anschließend sei nicht überprüft worden, wie viel jeder einzelne Soldat verschossen hatte. Das System habe auf Vertrauen basiert und in der Verantwortung des Leitenden der Schießübungen gelegen, der sich an die Vorschriften zu halten habe, sagte der Oberstleutnant. Alle Soldaten seien aber darüber belehrt worden, dass Verstöße mit Freiheitsstrafen geahndet werden können. Geheime Munitionskisten habe es seiner Kenntnis nach nicht gegeben, betonte der 44-Jährige, der aber erst seit 2019 in der Einheit tätig ist.

Ein Angeklagter steht in einem Saal des Landgerichts.
Der Elitesoldat aus Collm soll jahrelang Munition gehortet und in seinem Garten vergraben haben. Bildrechte: dpa

Munition gehortet

Vor dem Landgericht muss sich ein 46 Jahre alter Ex-Elitesoldat der Spezialeinheit wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz verantworten. Bei einer Durchsuchung seines Grundstücks in Collm (Landkreis Nordsachsen) hatten die Ermittler im vergangenen Mai unter anderem zwei Kilogramm Sprengstoff sowie Schriften mit rechtsextremen Inhalten entdeckt. Zudem hatte der Soldat im Garten mehrere Tausend Stück Gewehr- und Pistolenmunition, ein Sturmgewehr AK47, eine Armbrust, eine Nebelhandgranate sowie Schusswaffen und Waffenteile vergraben. Der Angeklagte war jahrelang Leitender bei Schießübungen des KSK.

Straffreiheit zugesichert

Der Fall ist auch politisch brisant, nachdem bekannt geworden war, dass die Elitesoldaten von März bis Mai vergangenen Jahres gehortete oder womöglich auch gestohlene Munition abgeben konnten, ohne dass Konsequenzen drohten. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer prüft wegen der Unregelmäßigkeiten im Umgang mit Munition beim KSK ein gerichtliches Disziplinarverfahren gegen den Kommandeur. Dieser hatte die straffreie Sammelaktion für Munition am 1. April 2020 eigenständig durch mündlichen Befehl angeordnet.

Quelle: MDR/dpa/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.03.2021 | 22:00 Uhr in den Nachrichten

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