Freizeit am Wasser Kitesurfer kämpfen für ihren Sport

Fliegende bunte Schirme am blauen Himmel. Allein die Vorstellung zaubert Urlaubsgefühl in Köpfe und Herzen. Den Kitsurfern in Mitteldeutschland lässt diese Vorstellung eher das Herz verkrampfen. Aus einem Eldorado auf den Seen rund um Leipzig ist in den vergangenen sieben Jahren eine Kitesurf-Verbotszone geworden - zum Unverständnis der Szene.

Alexander Carot ist Kitesurfer aus Leidenschaft. Der Lübecker ist vor Jahren wegen des Sports nach Markkleeberg gezogen. Damals entstanden auf den Bergbauseen südlich von Leipzig kleine Kite-Paradise. Als im August 2014 die Sächsische Schifffahrtsverordnung in Kraft trat, erhielt sein Hobby erheblichen Gegenwind. Denn damit wurde Kitesurfen als "Gefahrengeneigte Sportart" eingestuft, deren Ausübung auf den Seen rund um Leipzig damit fast überall verboten ist.

Das Schleppen von Flugkörpern wie Flugdrachen, Drachenfallschirmen und ähnlichen Geräten, Kite-Surfing sowie Wasserskilaufen ist verboten. § 7 Abs. 3 Sächsische Schifffahrtsverordnung

Unsere Seen sind nicht mit Flüssen vergleichbar

Alexander Carot kritisiert, dass ganze Passagen des Gesetzes aus anderen Verordnungen, die beispielsweise den Verkehr auf Rhein und Main regeln, übernommen worden seien. Dort sei verständlicherweise das Kiten mit den Schirmen, die an mehr als 20 Meter langen Leinen hängen, verboten. Nicht auszudenken, wenn ein Schirm nach unten sinkt, die Leinen im Fluss liegen und sich eine Schiffsschraube darin verfängt. Aber auf dem Cospudener oder Markkleeberger See?, fragt Carot. Das sei nicht zu verstehen.

Alexander Carot, Surf- und Kiteverein Leipzig
Alexander Carot vom Surf- und Kiteverein Leipzig fühlt sich durch die gesetzliche Regelung kriminalisiert. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Die Seen sind zu voll

In der Region Leipzig gibt es rund 500 Kitesurfer, schätzt Katja Büchel, die Leiterin des Sportamtes in Leipzig. Zählt man noch Kitesurfer dazu, die von weiter her kommen, dann kann man mit gut eintausend Fans rechnen, die ihren Sport auf den Seen rund um Leipzig gern betreiben würden. Doch auch ohne die Kitesurfer sei beispielsweise der Cospuderner See schon an seiner Kapazitätsgrenze in Bezug auf die Nutzung angelangt, sagt die Sportamtschefin. Kitesurfen brauche wegen der hohen Geschwindigkeiten Platz und Sicherheitsabstände.

Schlupfloch Zwenkauer See?

Eine kleine Brise erhoffen sich die Kitesurfer jetzt am Zwenkauer See. Der unterliegt noch dem Bergrecht und damit der Lausitzer- und Mitteldeutschen-Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Für das Nordufer gebe es Nutzungsverträge mit der LMBV, sagt der Präsident des Segler-Verbandes Sachsen, Reinhard Bläser, der sich auch um die Anliegen der Kiter kümmert. Bestens geeignet sei der See: Lage, Größe und Windverhältnisse würden schon mal stimmen. Auch das Leipziger Sportamt würde dieses Ansinnen unterstützen. Die Sportler brauchten eine Perspektive, sagt Katja Büchel.

Kitesurfen
Bestes Wetter: blauer Himmel und eine gute Brise Wind. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Teure Gutachten

Das letzte Wort für die Ausnahmegenehmigung am Zwenkauer See hat die Landesdirektion Sachsen. Eine Freigabe für die Kiter sei auf alle Fälle an Auflagen gebunden und an eine naturschutzfachliche Stellungnahme, sagte deren Sprecher Holm Felber MDR SACHSEN. Letztere müsste vom Surf- und Kiteverein Leipzig erbracht werden. Eine Überarbeitung stehe aktuell noch aus, gibt Felber zu bedenken. Dabei geht es unter anderem um den Schutz der Wasservögel und deren Brutbereiche. Doch so ein Gutachten ist teuer.

Hohes Bußgeld

Bis es eine Genehmigung für den Zwenkauer See gibt, bleibt den Kitern derzeit der Hainer See nördlich von Borna oder das Merzdorfer Ufer am rund 200 Kilometer entfernten Bärwalder See in der Lausitz. An allen anderen Seen müssen die braungebrannten Sportler mit den bunten Schirmen mit Kontrollen der Wasserschutzpolizei rechnen. Das Bußgeld für das illegale Schleppen von Flugkörpern kann bis zu 200 Euro betragen.

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 15. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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