14.05.2019 | 16:18 Uhr Universitätsklinikum Leipzig sorgt sich um Hebammen-Ausbildung

Ab dem kommenden Jahr sollen angehende Hebammen ein Studium absolvieren. So will es ein EU-Beschluss. Noch ist unklar, wer künftig in Sachsen ausbilden wird. Das Uniklinikum Leipzig fürchtet nun um seine traditionelle Hebammen-Ausbildung und warnt vor Personalmangel.

Seit über 200 Jahren werden an der Leipziger Hebammenschule Geburtshelferinnen ausgebildet. Im September dieses Jahres beginnt womöglich eine der letzten Klassen ihre Lehre, die direkt am Universitätsklinikum angeschlossen ist. Denn bereits ab dem kommenden Jahr soll die schulische Ausbildung für Hebammen in ein Studium überführt wird. Eine Mammutaufgabe, bei der es im Freistaat Sachsen noch viele Fragezeichen gibt. Bis jetzt ist noch nicht klar, ob es am Leipziger Uniklinikum überhaupt ein solches Studium geben wird.

Uniklinikum beklagt fehlende Planungssicherheit

Am Universitätsklinikum Leipzig will man auf die Geburtshelferausbildung nicht verzichten. "Für uns ist es ein absolut undenkbares Szenario, weil uns die Hebammenschule bei der klinischen Tätigkeit im Kreissaal extrem hilft", sagt der Direktor der Geburtsmedizin, Prof. Holger Stepan. "Das Ende der Ausbildung hier in Leipzig würde für unsere Klinik bedeuten, dass wir ein aktues Nachwuchsproblem mit erheblichen Konsequenzen hätten." Zwar sei das Uniklinikum bereit, einen Studiengang für Hebammen zu entwickeln, allerdings kostet das viel Geld. Deshalb hoffe man auf finanzielle Mittel aus Dresden.

Hier geht es um Personal, um Stellen und Ressourcen und es ist so geregelt, dass das Land die Kosten übernimmt. Aus eigener Kraft kann das die Universität nicht.

Prof. Holger Stepan Direktor der Geburtsmedizin am Uniklinikum Leipzig

Ministerin: Für Zukunftsplanungen fehlt ein Bundesgesetz

Von den Vorwürfen über fehlende Finanzierungszusagen und Planungssicherheit ist Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange überrascht. Auf Nachfrage von MDR SACHSEN erklärt sie, dass es noch keine bundesgesetzliche Regelung gibt. "Momentan ist nicht klar, in welchen Einrichtungen die Hebammen-Ausbildung zukünftig stattfinden wird." Diskutiert werde aktuell eine dual orientierte Akademisierung an Fachhochschulen und der sächsischen Berufsakademie. "Mit dem Gesetz muss auch klar werden, was mit den aktuellen Fachschulen für die Hebammen-Ausbildung passiert. Die können ja nicht von heute auf morgen geschlossen werden", so Stange.

Die Ministerin hoffe deshalb, dass Fachhochschulen und Berufsakademie mit den bestehenden Fachschulen zusammenarbeiten werden. "Natürlich können wir uns auch vorstellen, dass an den medizinischen Fakultäten der Universitätskliniken die Ausbildung stattfindet, aber das werden nicht die einzigen Standorte sein." Darüber hinaus erwartet die sächsische Wissenschaftsministerin, dass es eine Übergangsfrist gibt, in der schulische und akademische Ausbildung nebeneinander stattfinden werden. Wenn die gesetzlichen Grundlagen gelegt sind, würden auch Landesmittel für die Einrichtung der Studiengänge zur Verfügung gestellt.

Sächsischer Hebammenverband begrüßt Studium

Obwohl sich eine problematische Umstellung von schulischer auf akademische Ausbildung abzeichnet, begrüßt der Verband sächsischer Hebammen grundsätzlich die Pflicht zum Studium. "Studieren heißt ja auch, dass wir gemeinsam in einem Hörsaal sitzen. Zumindest die ersten Semster", sagt die Verbandsvorsitzende Stephanie Hahn-Schaffarczyk. Die Hebammen wären dann auf dem gleichen Stand und würden im Berufsleben Gleiches umsetzen. Außerdem gebe ein Studium auch Hoffnung, besser bezahlt zu werden.

Wer akademisiert ist, bekommt einen anderen Lohn und ich denke, das macht auch zufriedener.

Stephanie Hahn-Schaffarczyk Vorsitzende des sächsischen Hebammenverbandes

Das könnte möglicherweise auch für die bereits ausgebildeten Hebammen interessant werden, denn es sollen auch berufsbegleitende Weiterbildungsstudiengänge auf den Weg gebracht werden.

Quelle: MDR/cg/dh

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.05.2019 | 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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