Brisante Kampfmittelbeseitigung Munition wird aus Luppe bei Schkeuditz geborgen - A9 weiter offen

Munitionszerlegung
Wieviel Munitionsreste und Granaten liegen wirklich im Schlamm der Wilden Luppe bei Schkeuditz und Kleinliebenau? (Symbolfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

An der Autobahn 9 bei Schkeuditz hat am Montag die Bergung von Weltkriegsmunition aus dem Flüsschen Wilde Luppe begonnen. Die A9 soll nach bisheriger Planung nicht gesperrt werden. "Es wird einen fließenden Übergang geben von den Probeschürfungen zur eigentlichen Bergung", sagte Andreas Weiner vom Polizeiverwaltungsamt. Wie viele Tage die Aktion dauern werde, sei noch unklar.

Bergungsaktion mit vielen Unbekannten

Kampfmittelbeseitiger vermuten Munition im Flussbett, die zum Ende des Zweiten Weltkrieges dort versenkt worden sein könnte. Laut Polizeiverwaltungsamt sei es 1945 üblich gewesen, Munitionsreste von der Autobahnbrücke ins Wasser zu werfen. "Wir gehen von Munition für Handwaffen und kleineren Granaten aus, deren Sprengkraft nicht so groß ist. Es wurde aber eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der A9 in diesem Bereich eingerichtet", erklärte Weiner, schränkte aber ein:

Noch wissen wir nichts über die Munitionsmengen.

Andreas Weiner Polizeiverwaltungsamt

Mehr als 100 Meter Fluss werden abgebaggert

Bach im Auwald
Nicht immer war es so idyllisch wie heute an der Luppe bei Leipzig. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs soll dort Munition im Wasser versenkt worden sein, nach der nun gesucht wird. Bildrechte: NABU-Regionalverband Leipzig/Ursula Dauderstädt

Im Sommer 2019 war der Fluss fast ausgetrocknet und gab einen Munitionsrest frei. Daher vermuteten Experten weitere Munition im Schlamm der Wilden Luppe. Die Suche danach und die Bergung sollten schon im Mai 2020 stattfinden. Wegen der Corona-Pandemie verzögerten sich die Vorbereitungen immer wieder. Nun soll auf einer Länge von mehr als 100 Metern die Luppe abgesucht und beräumt werden. Spezialisten sollen Munition aus dem Flussbett holen und für den Transport vorbereiten. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst Sachsen übernimmt dann den Abtransport. In der Kampfmittelzerlegeeinrichtung in Zeithain soll die Munition fach- und umweltgerecht vernichtet werden.

7 Gründe, warum das Projekt so aufwändig ist

  • Die Wilde Luppe in der Nähe der Ortschaft Kleinliebenau fließt unter der viel befahrenen Autobahn 9 hindurch.
  • Der gesamte Umfang der verkippten Geschosse ist unklar. Keiner weiß, wieviel Weltkiegsschrott im Schlamm liegt und wie gefährlich der ist.
  • Der Flussabschnitt verläuft fast genau auf der Landesgrenze zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt. Dadurch sind Behörden beider Bundesländer zuständig, was den Abstimmungsbedarf im Vorfeld erhöhte.
  • Die Landestalsperrenverwaltung musste erst eine Baustraße zur Räumstelle ans Flussbett der Wilden Luppe bauen.
  • Splitterschutz aus rund 100 leeren Transport-Containern musste an der Autobahn aufgebaut werden. Die Beschaffung war laut Polizeiverwaltungsamt in Dresden "nicht so einfach".
  • Schließlich brachte die Corona-Pandemie die Zeitpläne durcheinander.

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 19.10.2020 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.10.2020 | ab 06:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

1 Kommentar

Harka2 vor 40 Wochen

Erschwerend kommt hinzu, dass Gewehrmunition zum Ende des zweiten Weltkrieges auf deutscher Seite häufig aus Stahl gefertigt werden musste, weil man mangels Kupfer und Zinn kein Messing mehr herstellen konnte. Die Patronen rosten nun (was schon im Krieg ein Problem war).

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