Privatkonten Sparkasse Leipzig: Negativzinsen auch für Bestandskunden

Bei immer mehr Banken und Sparkassen zahlt man fürs Geldparken – auch bei der Sparkasse Leipzig. Seit April betrifft das alle neuen Kundinnen und Kunden, die mehr als 50.000 Euro auf dem Girokonto haben. Ab September geht das Kreditinstitut auch auf die Bestandskundschaft zu.

Verbraucherzentrale in Leipzig.
Wie viele anderen Banken erhebt nun auch die Sparaksse Leipzig Negativzinsen. Das betrifft Kunden und Kundinnen mit mehr als 50.000 Euro auf dem Girokonto Bildrechte: imago/Ralph Peters

Kundinnen und Kunden der Sparkasse Leipzig, die mehr als 50.000 Euro auf ihrem Konto haben, werden bald Post bekommen. Es gibt Gesprächsbedarf, erklärt Sprecherin Barbara Bauer. Das Ziel: eine Unterschrift unter der Vereinbarung zum Verwahrentgelt. Die Sparkassenkundschaft soll quasi Strafzinsen zustimmen.

Nach eigenen Angaben sind bei der Sparkasse Leipzig zwei Prozent der Privatkundschaft davon betroffen. Ab dem Freibetrag berechnet die Sparkasse Leipzig aktuell -0,5 Prozent im Jahr. Wer also zum Beispiel 100.000 Euro Gesamtguthaben hat, muss dafür jährlich 250 Euro zahlen. Laut der Sparkassensprecherin soll es soweit aber gar nicht kommen.

Andere Möglichkeiten zur Geldanlage

"Ziel ist es natürlich die Abbuchung von Verwahrentgelten für die betroffene Kundengruppe zu vermeiden", sagt Bauer. "Deswegen werden wir Möglichkeiten aufzeigen, wie sie ihr Geld anlegen können, um Verwahrentgelte nicht zahlen zu müssen."

Wenn sie Geld auf Girokonten parken und das gar keinen Ertrag bringt, dann ist das weder im Sinne unseres Kunden noch im Sinne unserer Sparkasse.

Barbara Bauer Sprecherin Sparkasse Leipzig

Ralph Wefer, Finanzexperte beim Vergleichsportal Verivox, empfiehlt bei diesen Gesprächen wachsam zu sein. Nach Anlagemöglichkeiten zu suchen, sei grundsätzlich eine gute Idee, aber häufig würden natürlich die Produkte der eigenen Bank empfohlen. "Da nutzt man die Negativzinsen unter Umständen als Vehikel, um weiter Geschäfte zu machen", so Wefer.

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Symbolbild Negativzinsen 5 min
Bildrechte: imago images/Michael Weber

Jede dritte Bank verlangt Negativzinsen

Laut dem Vergleichsportal Verivox weist aktuell knapp jede dritte Bank Negativzinsen aus. Tendenz steigend. Unter den 25 größten Sparkassen kostet das Geldparken momentan bei zwölf Häusern Verwahrentgelt. Laut Sprecherin Bauer landet immer mehr Geld bei der Sparkasse Leipzig. "Das führt zu einer Einlagenflut und verursacht für unser Haus immer höhere Kosten bei der Europäischen Zentralbank", sagt sie. "Diese Kosten müssen wir begrenzen, weil wir wirtschaftlich handeln wollen und müssen."

Verbraucherzentrale hält Negativzinsen für unzulässig

Martina Schröder von der Verbraucherzentrale Sachsen hält das wirtschaftliche Argument oft für vorgeschoben. Letztlich hätten die Banken große Freibeträge bei der Europäischen Zentralbank. "Und sie lassen sich natürlich nicht in die Karten gucken, inwiefern sie denn überhaupt Negativzinsen an die Zentralbank zahlen müssen", sagt Schröder.

Wir sagen: Negativzinsen sind unzulässig, insbesondere für Bestandskunden, die in der Regel ja eine Kontoführungsgebühr zahlen und das wäre eine Doppel-Bepreisung. 

Martina Schröder Verbraucherzentrale Sachsen

In einem Urteil stellte das Landgericht Leipzig diesen Sommer klar, dass Banken Negativzinsen erheben dürfen. Die Verbraucherschützerin rät, das Geld daher zu verteilen oder mit der Bank zu verhandeln, ob die Freigrenze individuell angepasst wird. "Das hängt natürlich ganz stark davon ab, welche Kundenbeziehung in welcher Art vorhanden ist", so Schröder. "Natürlich ist es so: Wenn die Bank kein Interesse an dem Kunden hat, dann wird sie ihre Geschäftspolitik umsetzen."

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 06. August 2021 | 06:53 Uhr

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