Konzept-Entwicklung IHK verlangt frische Brise für Tourismus im Leipziger Neuseenland

Am Markkleeberger See hatte die Industrie- und Handelskammer am Freitag Unternehmen der Region zu einem Workshop eingeladen. Es ging um die touristische Entwicklung des Neuseenlandes. Die Kammer hat - nicht nur wegen Corona - eine Art Stillstand ausgemacht. Was die Wirtschaftsvetreter konkret bemängeln und welche Forderungen sie stellen, Lars Tuncay hat für MDR SACHSEN zugehört.

Segelboote, unterwegs auf dem Leipziger Neuseenland
Nicht nur für Segel- und Kitesurf-Fans hakt es im Leipziger Neuseenland. Viele Projekte stocken. Das liegt nach Angaben der IHK nicht nur an der Corona-Krise. Mehrere wichtige Vorhaben hätten sich im Aktendickicht verloren oder seien gar nicht angefasst worden worden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Leipziger Neuseenland: Touristenmagnet und Wirtschaftsfaktor in der Region. Die ehemalige Bergbaulandschaft hat sich in den vergangenen 30 Jahren zu einem beliebten Naherholungsziel entwickelt. Zu verdanken ist das einem Zusammenspiel von vielen verschiedenen Behörden und Gewerbetreibenden in Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Die Industrie- und Handelskammer zu Leipzig (IHK) koordiniert seit 2008 diese länderübergreifende Arbeit. Doch seit einiger Zeit staut es sich im Neuseenland: Genehmigungen für die Weiterentwicklung des Gebiets fehlen, einige große Bauprojekte gehen nicht voran, zählt Gerd Ziener von der IHK Leipzig auf.

Stadt Leipzig besser an Seen anbinden

Die Stadt Leipzig soll besser an die Seen angebunden sein. "Ob das jetzt der Harthkanal oder die schnelle Inbetriebnahme der Schleuse am Markkleeberger und am Störmthaler See, also die Kanuparkschleuse und den Störmthaler Kanal, sind. Sie alle sind sehr essentiell", sagt Ziener. "All diese Schlüsselprojekte sind ins Stocken geraten." Es bedürfe eines progressiveren Behördenhandelns.

Daher lud die IHK zum Austausch mit Gewerbetreibenden an den Markkleeberger See. Herausgekommen ist ein Forderungspapier, das nun an die Entscheidungsträger geschickt werden soll. Eine zentrale Forderung dabei ist: mehr Geld.

von rechts nach links: Dr. Reinhard Bläser (Präsident Sächs. Seglerverband); Jana Thomas (Bürgermeisterin Stadt Markkleeberg), Holger Schulz, (Bürgermeister Stadt Zwenkau), Dr. Gert Ziener (Geschäftsführer Grundsatzfragen IHK zu Leipzig), Friedrich Richter, (Präsident Landesverband Sächsischer Angler e.V.), Claus Mann (Entwicklungsgesellschaft für Gewerbe und Wohnen Wachau mbH)
Wollen mit voller Kraft den Tourismus anschieben (v. re. n. li.): Seglerverbandschef Reinhard Bläser, Markkleebergs Bürgermeisterin Jana Thomas, Zwenkaus Stadtoberhaupt Holger Schulz, IHK-Geschäftsführer Gert Ziener und der Präsident der sächsischen Angler, Friedrich Richter sowie Claus Mann von der Entwicklungsgesellschaft für Gewerbe und Wohnen Wachau. Bildrechte: IHK zu Leipzig

"Wir stehen vor dem neuen Folgeabkommen bei der Braunkohle, das Bund und Land finanzieren und die finanzielle Ausstattung ist einfach zu gering, um diese Projekte zu Ende zu bringen, die von großer gewässertouristischer Bedeutung sind", betont Ziener.

Kite-Surf-Erlaubnis auf den Seen gefordert

Aber auch konkrete Punkte stehen auf dem Forderungspapier, etwa die Nutzung der Seen für Kite-Surfing , erzählt der Präsident des Seglerverbands Sachsen, Reinhard Bläser. "Wir haben in Sachsen schätzungsweise 1.000 Kiter, die in die Illegalität getrieben sind, weil wir auf den Seen das nicht gestatten", sagt er. "Ich wünsche mir, dass man von den Behörden mehr Hand in Hand befindet und mehr pragmatisch und nicht nach Aktenlage."

Die Einen träumen vom Kite-Surfing auf dem Markkleeberger See. Die anderen von einer Durchquerung der Leipziger Wasserwege vom Lindenauer Hafen bis zum Störmthaler See. Einen wichtigen Schritt dahin sieht Gerd Ziener in der Öffnung der Seen für die Schifffahrt.

Schiffbarkeit für gesamte Seen essentiell

"Wichtig und ganz essentiell ist, dass wir für diese Seen eine Schiffbarkeitserklärung bekommen", sagt er. "Wir hangeln uns durch diverse Mastergenehmigungen von einem Jahr ins nächste." Die müssten immer neu beantragt werden. "Wir brauchen eine Schiffbarkeit für die gesamten Seen", so Ziener.

Ziener hofft auf die Übertragung der Eigentumsrechte von der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) ans Land Sachsen. Aber auch hier gebe es bislang nicht mehr als eine Absichtserklärung.

MDR (al,lt)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 29. April 2022 | 16:30 Uhr

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