Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben

AntisemitismusvorwürfeFall Ofarim: Leipziger Westin-Hoteldirektor schätzt Schaden auf mindestens 100.000 Euro

von MDR SACHSEN

Stand: 06. Mai 2022, 18:17 Uhr

Nach den Antisemitismusvorwürfen des Sängers Gil Ofarim durchlebte das Team des Westin-Hotels in Leipzig im Herbst 2021 eine schwere Zeit. Im Gespräch mit MDR SACHSEN denkt Hoteldirektor Andreas Hachmeister an die dramatischen Stunden zurück. Er schildert eindringlich, wie er und seine Mitarbeiter die Situation erlebten und welcher finanzielle Schaden seinem Haus durch die Vorwürfe und die weltweiten Schlagzeilen bisher entstanden ist.

Die Antisemitismusvorwürfe des Sängers Gil Ofarim haben das Hotel "Westin Leipzig" im Herbst 2021 weltweit in Schlagzeilen gebracht. Im Interview mit MDR SACHSEN hat Hoteldirektor Andreas Hachmeister jetzt erstmals beziffert, welcher Schaden dem Haus dadurch entstanden ist:

"Wir haben eigene Kosten gehabt, die weit über 100.000 Euro lagen. Allerdings sind das nur direkte Kosten, die für Anwälte und die Betreuung der Mitarbeiter angefallen sind", sagte Hachmeister und fügte an: "Wir sind gerade dabei zu eruieren, wie hoch der Imageschaden ist, den wir erlitten haben."

Das Unternehmen denkt nach eigenen Angaben darüber nach, diese Kosten in einem Zivilverfahren von Gil Ofarim zu fordern. Fest steht das aber noch nicht. "Wir haben uns noch nicht entschieden, wie wir eventuell gegen Herrn Ofarim zivilrechtlich vorgehen", erklärte Andreas Hachmeister.

Wir haben uns noch nicht entschieden, wie wir eventuell gegen Herrn Ofarim zivilrechtlich vorgehen.

Andreas Hachmeister | Hoteldirektor des Westin Leipzig

Staatsanwaltschaft erhebt Ende März Anklage

Ende März hatte die Staatsanwaltschaft Leipzig Anklage gegen Gil Ofarim erhoben - wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung. Das Landgericht Leipzig muss nun über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden.

In einem Video auf Instagram hatte Gil Ofarim seine Antisemitismusvorwürfe geäußert. Bildrechte: dpa

Zuvor hatte der Musiker einem Hotelmitarbeiter antisemitische Äußerungen vorgeworfen. Die Ermittlungen gegen den Mitarbeiter hat die Staatsanwaltschaft Leipzig inzwischen eingestellt.

Hoteldirektor fällt "ein Stein vom Herzen"

Als diese Entscheidung Ende März bekannt wurde, fiel Hoteldirektor Andreas Hachmeister "ein Stein vom Herzen". Es sei eine intensive Zeit gewesen. "Für uns als Hotelunternehmen, für unsere Mitarbeiter, für den betroffenen Mitarbeiter, aber auch für viele Leipziger war es wichtig, dass die Staatsanwaltschaft an die Öffentlichkeit gegangen ist", sagte Hachmeister.

Hassanrufe und Hassmails aus der ganzen Welt

Welcher Druck damit von seinen Schultern genommen wurde, wird deutlich, wenn der Hoteldirektor Einblicke in die Lage gibt, als die Antisemitismusvorwürfe am 4. Oktober 2021 durch ein Instagram-Video von Gil Ofarim öffentlich wurden.

Man sei ab diesem Zeitpunkt drei Wochen lang fast nur noch damit beschäftigt gewesen, das Hotel und die Situation zu managen. "Wenn man innerhalb von drei, vier Stunden aus der ganzen Welt Hassanrufe und Hassmails oder auch Anfragen von Medien bekommt und jeder erwartet sofort eine Antwort in dieser doch sehr schwierigen Situation, wo die Fakten überhaupt nicht klar waren, dann war da ein innerlicher Zeitdruck, dem wir kaum gerecht werden konnten."

Wann das Gericht über die Eröffnung des Verfahrens wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung gegen Gil Ofarim entscheidet, ist noch nicht bekannt. Bis Montag hat der Sänger zunächst Zeit, sich gegenüber der Staatsanwaltschaft zu äußern.

MDR (sth/Susann Blum)

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 06. Mai 2022 | 19:00 Uhr

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen