Zeugenbefragung Antisemitismusvorwürfe: Leipziger Hotel stellt eigene Ermittlungen an

Weil er einen Davidstern an einer Kette trug, soll ein Mitarbeiter des Hotels Westin in Leipzig dem Sänger Gil Ofarim das Einchecken verweigert haben. Das Hotel will den Vorfall nun mit Hilfe einer Rechtsanwaltskanzlei aufklären. Zuvor hatte der beschuldigte Hotelangestellte Strafanzeige wegen Verleumdung gestellt.

Eingang zum Hotel Westin Leipzig
Das Westin-Hotel in Leipzig hat eine eigene Untersuchung zu den Antisemitismusvorwürfen initiiert. Bildrechte: dpa

Nach den Antisemitismusvorwürfen gegen das Leipziger Hotel Westin durch den Sänger Gil Ofarim bemüht sich das Hotel um Aufklärung. Das Hauptquartier von Westin habe entschieden, eine spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei mit der Untersuchung der Vorgänge zu beauftragen, sagte Geschäftsführer Andreas Hachmeister dem MDR.

"Diese wird die Dinge wertfrei und vollkommen unabhängig untersuchen. Das Hotelmanagement ist in keinster Weise eingebunden", sagte Hachmeister, der damit rechnet, dass Anfang der nächsten Woche erste Ergebnisse vorliegen. Auch Zeugenaussagen sollen ausgewertet werden.

Wenn alle Fakten vorlägen, sei er bereit, nicht nur Stellung zu nehmen, sondern auch als Hotelmanager Verantwortung zu übernehmen "mit allen arbeitsrechtlichen und zivilrechtlichen Konsequenzen", sagte der Hotelchef. Nach eigenen Aussagen versucht er weiterhin, mit Gil Ofarim persönlich zu reden. Bisher sei das noch nicht gelungen, so Hachmeister.

Hotelchef: Gäste für Zeugenaussagen kontaktiert

Der Hotelchef selbst hat nach eigenen Angaben "alle Gäste kontaktiert, die in der Schlange hinter Herrn Ofarim standen". Ein Zeuge, der an dem betreffenden Abend ebenfalls in der Lobby anwesend gewesen sein soll, habe die Version des Sängers demnach nicht bestätigt. Ofarim hatte in seinem am Dienstag auf Instagram veröffentlichten Video berichtet, dass er am Montagabend in dem Hotel aufgefordert worden sei, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Erst wenn er den Stern abnehme, dürfe er einchecken, soll ihm gesagt worden sein.

Staatsanwaltschaft sucht Zeugen

Die Staatsanwaltschaft prüft die gegen einen Mitarbeiter des Hotels erhobenen Vorwürfe und sucht nach eigenen Angaben weitere Zeugen. Es gehe darum, von ihnen möglichst frische, unmittelbare Schilderungen zu bekommen. Auch sei man bemüht, objektive Beweismittel auszuwerten, hieß es. Den Angaben zufolge soll es ein Überwachungsvideo geben, das aber ohne Tonaufzeichnung ist.

Beschuldigter Mitarbeiter stellt weitere Anzeige

Bei der Staatsanwaltschaft sei außerdem eine Anzeige eines unbeteiligten Dritten wegen Volksverhetzung gegen den Hotelmitarbeiter eingegangen. Zugleich stellte der beschuldigte Hotelangestellte Anzeige wegen Verleumdung. Der Mann schildert den Vorfall nach Polizeiangaben "deutlich abweichend". Der Mitarbeiter stellte zudem eine zweite Anzeige wegen Bedrohung, weil er über seinen Instagram-Account entsprechende Drohnachrichten erhalten habe. Das Leipziger Westin-Hotel beurlaubte insgesamt zwei Mitarbeiter für die Dauer der Ermittlungen.

Offenbar rechtsextreme Sicherheitskräfte bei Spontandemo

Nach dem Vorfall hatten sich am Dienstagabend Hunderte Menschen vor dem Leipziger Westin versammelt. Sie zeigten ihre Solidarität mit dem Musiker Gil Ofarim und Jüdinnen und Juden in Deutschland. Auf der Kundgebung waren auch Mitarbeiter des Hotels mit einem großen Banner. Bei der Demonstration wurde das Westin offenbar von einer Sicherheitsfirma aus dem rechtsextremen Milieu abgesichert.

Bisher keine Anzeige von Ofarim

Ob Ofarim selbst Anzeige gegen die Mitarbeiter des Hotels stellen wird, ließ dieser bis zum Mittwoch zunächst offen. Gil Ofarim ist der Sohn des in Israel geborenen Sängers Abi Ofarim, der 2018 starb. Er ist als Schauspieler und Sänger bekannt, 2017 Jahr gewann er die RTL-Tanzshow "Let's Dance".

Quelle: MDR/sth/afp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 07. Oktober 2021 | 15:00 Uhr

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