Open-Air-Kultur Runder Tisch soll legalen Rahmen für Spontanpartys in Leipzig festlegen

In Leipzig zieht es die Menschen auf die Straßen. Das gute Wetter und die niedrigen Infektionszahlen sorgen dafür, dass die Parks und öffentliche Plätze vor allem am Wochenende gut gefüllt sind. Die fehlenden Kulturangebote verursachen aber auch negative Effekte. Lärm und Müll sind zwei davon. Der Übergriff auf einen Rettungswagen in der Nähe der Sachsenbrücke am vergangenen Sonnabend gibt Anlass zur Frage: Wie und wo will Leipzig feiern?

Leipziger und Gäste der Stadt sitzen auf der Sachsenbrücke im Clara Zetkin-Park und genießen das sonnige Frühlingswetter.
Auf der Sachsenbrücke kommt es immer wieder zu Spontanpartys. Bildrechte: dpa

Um nichtkommerziellen Open-Air-Veranstaltungen einen legalen Rahmen zu geben, hat die Stadtratsfraktion der Grünen einen Runden Tisch beantragt. Daran sollen das Ordnungsamt, das Amt für Umweltschutz und Vertreterinnen und Vertreter der Szene zusammenkommen, um gemeinsame Lösungsansätze zu finden. Ziel sei es, gemeinsam Flächen zu finden, die sich für Spontanpartys und nicht-kommerziellen Open Airs im öffentlichen Raum eignen und entsprechende Auflagen dafür festzuhalten. Denn bisher gebe es dafür keine konkreten Regelungen, meint Grünen Stadtrat Jürgen Kasek.

"Leipzig ist für eine Open-Air-Kultur bekannt und beliebt. Aber ich habe den Eindruck, die Stadt geht härter dagegen vor", so Kasek weiter. Die Vorfälle auf der Sachsenbrücke zeigten, dass legale Möglichkeiten gebraucht werden. "Rein repressive Maßnahmen lösen das Problem nicht", betont er. Am Sonnabend hatten Unbekannte in der Nähe der Sachsenbrücke einen Rettungswagen angegriffen.

Sachsenbrücke
Party-Hotspot: Die Sachsenbrücke im Clara-Zetkin-Park ist immer wieder Ort von Spontanpartys mit Hunderten Menschen. Bildrechte: Moritz Arand

Grüne fordern interaktive Karte und Kriterienkatalog

Um mehr Verbindlichkeiten und Orientierung für die Szene zu bieten, fordern die Grünen in ihrem Antrag auch eine interaktive Karte, auf der Flächen verzeichnet sind, auf denen Spontanpartys und Open Airs erlaubt sind. Auch ein Kriterienkatalog sollte erstellt werden. Durch die Karte könnten Flächen, die aufgrund von Belangen des Lärm- und Naturschutzes nicht in Betracht kommen, besser geschützt werden, heißt es im Antrag weiter.

Polizei und Ordnungsamt hoffen auf Entlastung durch Corona-Lockerungen

Auch das Leipziger Ordnungsamt ist sich der Problematik bewusst. Die Beschwerdelage im und um den Clara-Zetkin-Park habe "mit Beginn der sukzessiven Lockerungen zur Corona-Pandemie und dem anhaltenden trockenen und milden Wetter in den letzten Tagen zugenommen", erklärt Leiter Helmut Loris MDR SACHSEN. Durch die sich mit der neuen Corona-Schutz-Verordnung ergebenden kulturellen Angebote erhofft sich Loris eine Entlastung beim "Bedarf" an illegalen Partys in Parkanlagen.

Und auch die Polizei Leipzig zeigt sich vorsichtig optimistisch: "Natürlich hat sich die Situation 'verschärft'. Aber: Ganz vorsichtig möchte ich hier sagen, dass sich die Situation in den letzten Tagen sogar ein wenig besserte", sagt ein Sprecher der Polizei.

Glasmüll auf einer Wiese im Clara-Zetkin-Park.
Überreste eines Wochenendes: In den Parks in Leipzig wird immer häufiger "Partymüll" zurückgelassen. Bildrechte: Moritz Arand

Regeln für Partys festlegen

Mehr als 40 verschiedene Kollektive, Vereine und Projekte haben sich im VAK-Kollektiv zusammengeschlossen, um gemeinsam für die Schaffung legaler Veranstaltungsorte zu kämpfen. Für VAK liegen die Ursachsen für die "zunehmend chaotischen Zusammenkünfte" am Mangel an regulierten Möglichkeiten. Das Verschwinden von Sozial- und Kulturräumen durch die Pandemie und die fehlenden Perspektiven verstärke das Problem. Aus diesem Grund verlangt VAK in einer Stellungnahme "regulierte und sicherer Kulturangebote" auf freien Flächen, die dafür geöffnet werden sollen. Dadurch könnten Vorfälle wie auf der Sachsenbrücke vermieden werden.

Tanzende Partygäste anlässlich einer Techno-Party im Haus der Kulturen der Welt in Berlin.
Leipzig ist deutschlandweit bekannt für seine Clubszene. Bildrechte: imago/David Heerde

Den Angriff auf den Rettungswagen verurteilt das VAK-Kollektiv. Vielmehr sei das Ziel, gemeinsam mit Ämtern und Bevölkerung "friedlich und mit gegenseitigen Respekt Kulturveranstaltungen durchzuführen". Aber es müsse erwähnt werden, "dass viele Menschen im Freien friedlich und verantwortungsvoll zusammenkommen", ergänzt das Kollektiv.

Tanzdemo am Sonnabend

Ein Beispiel dafür, wie es gehen kann, soll eine Tanzdemo am Sonnabend im Richard-Wagner-Hain liefern, verspricht Jürgen Kasek. Unter dem Motto "Let there be night" soll zwischen 17 und 21 Uhr auf die wichtige Bedeutung der Clubs als Kulturstätten hingewiesen werden. Auch der Forderung nach einem Freiflächenkonzept soll mit der Demo Nachdruck verliehen werden.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 19. Juni 2021 | 19:00 Uhr

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