Gegen Mietwucher Genossenschaftliches Bauen am Lindenauer Hafen in Leipzig

Wohnen in Leipzig wird immer teurer. Durch den regen Zuzug und den dadurch entstehenden Mangel an Wohnraum, steigen die Mietpreise. Verdrängung und soziale Entmischung der Stadtteile sind die Folge. Häuser werden dabei zu Spekulationsobjekten. Um diesem Trend entgegenzuwirken, setzen verschiedene Initiativen darauf, sich den Raum, den sie bewohnen, anzueignen und die Häuser zu kaufen. Andere bauen selbst. Eine dieser Initiativen ist die OurHaus-Genossenschaft in Leipzig.

OurHaus Lindenauer Hafen
Offene Strukturen für mehr Gemeinschaft: 24 Erwachsene und 15 Kinder wohnen im OurHaus am Lindenauer Hafen. Bildrechte: Albrecht Voss

Wer am Lindenauer Hafen im Leipziger Westen spazieren geht und die Neubauten sieht, denkt sicher nicht sofort daran, dass hier genossenschaftlich organisiertes Wohnen und Bauen möglich ist. Großinventoren haben dort Miet- und Eigentumswohnungen bauen lassen. Auf steigende Mieten hatten mehrere Menschen in der Hafenstraße 5 keine Lust und haben sich zu einer Genossenschaft namens "OurHaus" zusammengeschlossen. Folge: Sie haben sich ihr Haus selbst gebaut.

Kollektives Wohnen zwischen Miet- und Eigentumswohnungen

Einer der Gründer der "OurHaus"-Genossenschaft ist Architekt Gordon Tannhäuser. Er hat seit 2016 das Projekt mit geplant. "Die Stadt hatte das Grundstück für einen Wettbewerb ausgeschrieben. Auf dem sollten Baugruppen oder Genossenschaften die Möglichkeit bekommen, auf 1.300 Quadratmetern zu bauen", erinnert er sich in einem Gespräch mit MDR SACHSEN.

"Nachdem wir die Ausschreibung gewonnen hatten, haben wir gemeinsam gebaut. Jetzt wohnen wir zusammen und teilen uns den Besitz des Hauses", so Tannhäuser weiter. Das unterscheide das Haus von allen anderen am Hafen. "Es gibt hier sonst nur Miet- und Eigentumswohnungen sowie Einfamilienhäuser", betont der Architekt. Das "OurHaus" gehört der Genossenschaft und somit auch den Menschen, die es bewohnen.

Lebenslanges Wohnrecht und gleichbleibende Mieten

Die Genossenschaft besteht aus 24 nutzenden Mitgliedern und rund 25 Menschen, die in die Genossenschaft investieren. Die Mieterinnen und Mieter der Wohnungen haben lebenslanges Wohnrecht und der Mietpreis bleibe stabil. "Damit werden die Kredite abgezahlt, die für den Bau aufgenommen werden mussten", erklärt Tannhäuser. Wer irgendwann auszieht, könne das Eigenkapital (600 Euro pro Quadratmeter) wieder herausnehmen, es gebe aber keinen Gewinn. Das Haus sei kein Spekulationsobjekt.

OurHaus Lindenauer Hafen
Die offene Architektur wirkt einladend, die lichtdurchflutete Räume nehmen den genossenschaftlichen Charakter auf. Bildrechte: DixTannhäuser GbR Robert Dix

Architektonisch und sozial besonders

Tannhäuser betont aber auch, dass das Projekt nicht ganz günstig ist. Mehr als zehn Euro Kaltmiete müssten die Bewohnerinnen und Bewohner pro Quadratmeter bezahlen. "Aber es lohnt sich", ist sich der Architekt sicher. Denn auch architektonisch unterscheide sich das Haus in der Hafenstraße 5 von allen umliegenden Gebäuden.

Neben der Architektur sei auch der soziale Aspekt wichtig, ergänzt Vorstand Andreas Böttcher: "Wir treffen uns mit allen Mitgliedern alle zwei Wochen und lernen uns viel besser kennen. Das macht für mich den Reiz aus. Es verbindet uns viel mehr, als dass es Probleme schafft." Und Tannhäuser ergänzt: "Ich bin positiv überrascht, wie gut sich das Gesprächsklima entwickelt hat."

Architekt: Kollektives Eigentum als No-Go

Um mehr Menschen zu genossenschaftlichem Bauen anzuregen, braucht es mehr Förderinstrumente, verlangt Tannhäuser, der im Netzwerk Leipziger Freiheit auch andere Wohnprojekte berät. In Hamburg gebe es gute Förderrichtlinien, hier in Sachsen fehle das noch. Im Freistaat werde eher das Wohnen auf dem Land gefördert. "Kollektiveigentum scheint auf Landesebene nicht so richtig erwünscht zu sein", findet er.

Sächsische Banken wollten nicht finanzieren

Umso mehr freut sich Tannhäuser darüber, dass das Projekt auch ohne staatliche Fördergelder gelungen ist. "Wir sind als Neubau im kollektiven Eigentum in Sachsen relativ weit vorn. So ein Projekt zu stemmen, ist noch nicht vielen gelungen." Das Haus sei frei finanziert. 25 Prozent waren Tannhäuser zufolge Eigenkapital, der Rest kam von der Umweltbank.

OurHaus Lindenauer Hafen
Kollektiveigentum zwischen Großinvestoren: Das OurHaus am Lindenauer Hafen ist nicht nur architektonisch einzigartig. Bildrechte: Albrecht Voss

Weder Sparkasse noch die Sächsische Aufbaubank wollten das Projekt finanzieren. Kollektives Eigentum ist irgendwie ein No-Go.

Gordon Tannhäuser Architekt des Genossenschaftshauses am Lindenauer Hafen

Genossenschaftliches Bauen als Chance für die Zukunft?

In Leipzig gibt es Tannhäuser zufolge derzeit acht weitere Projekte genossenschaftlichen Bauens. "Das wird ein Baustein sein, um die Stadt lebenswerter zu machen", meint er. Genossenschaftliches Bauen ergänze die Möglichkeiten, wie man Wohnen und Bauen aus der Bevölkerung heraus gestalten kann.

Da geht noch mehr.

Gordon Tannhäuser Projektentwickler OurHaus

Quelle: MDR/mar

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