Gericht Prozess gegen mutmaßliche Planenschlitzer vor dem Leipziger Landgericht

Immer wieder hört man davon, dass an Autobahnen nachts sogenannte Planenschlitzer Lkw-Ladungen abräumen und dadurch für enorme wirtschaftliche Schäden sorgen. Einer fünfköpfigen mutmaßlichen Diebesbande aus Polen wird jetzt vor dem Leipziger Landgericht der Prozess gemacht.

Angeklagter mit Anwalt
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine fünfköpfige mutmaßliche Diebesbande aus Polen muss sich seit Freitag vor dem Leipziger Landgericht wegen schweren Bandendiebstahls verantworten. Sie soll von Juni bis November 2020 in insgesamt 14 Fällen Planen von Lastwagen auf Autobahnparkplätzen an der A13, A14, A2 und A38 aufgeschlitzt und Ladung im Wert von 150.000 Euro gestohlen haben. Die Männer im Alter zwischen 21 und 43 Jahren waren in der Nacht zum 26. November auf frischer Tat ertappt worden. Die Polizei war den mutmaßlichen Tätern durch eine Funkzellenabfrage auf die Spur gekommen, als sich die Diebeszüge vorigen Sommer immer wieder häuften.

Ladung per Teleskopkamera inspiziert

Wie sich im Prozess abzeichnete, gingen die mutmaßlichen Täter immer nach einem ähnlichen Muster vor. Während die Lkw-Fahrer in ihren Kabinen schliefen, kamen die Diebe und schlitzten die Planen zunächst nur ein wenig auf. Anschließend spionierten sie den Angaben zufolge mit einer Teleskopkamera aus, was geladen war. Ihre Kompagnons kamen dann mit einem Kleintransporter angefahren, um die Waren abzutransportieren.

Kondome im Wert von 65.000 Euro

Das Spektrum der Beute reichte von bunt bis skurril: mal waren es Markenschuhe im Wert von 35.000 Euro, mal Kaffeeautomaten oder Rasierklingen. Sogar eine Ladung Kondome im Wert von 65.000 Euro war dabei. Auf welche Weise die Ware danach mithilfe von Hehlern zu Geld gemacht wurde, spielt im laufenden Verfahren keine Rolle, erklärte Hagen Karisch, einer der Verteidiger. Der jeweilige Schaden an den Lkw-Planen lag in der Regel zwischen 300 und 1.000 Euro.

Geständnisse angekündigt

Angesichts der eindeutigen Beweislage kündigten die Verteidiger aller fünf Angeklagten für den nächsten Prozesstag Geständnisse an. Derzeit sitzen nur vier der fünf Angeklagten in Haft. Der Jüngste war den Angaben zufolge nur an den Taten der letzten Nacht beteiligt und kam vorzeitig auf freien Fuß. Die Polizei ermittelt noch immer gegen die Hintermänner. Für den Prozess sind vier Verhandlungstage angesetzt worden. Das Urteil wird für den 1. November erwartet.

Quelle: MDR/sth/sys

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 24. September 2021 | 16:00 Uhr

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