Führungskräfte Eine Frau am Steuer des Leipziger BMW-Werks

Lettland ist in der Europäischen Union Spitzenreiter bei weiblichen Führungskräften. 45,8 Prozent der Chefs sind dort Frauen. In Deutschland ist dagegen noch Luft nach oben. Knapp jede dritte Führungskraft ist hierzulande eine Frau. Laut Statistischem Bundesamt waren 2021 etwa 25 Prozent der Führungsriegen weiblich. Seit diesem Jahr wird das BMW-Werk in Leipzig von einer Frau geführt. MDR SACHSEN hat Petra Peterhänsel an ihrem Wirkungsort besucht.

Petra Peterhänsel, Werksleiterin im BMW-Werk in Leipzig
Petra Peterhänsel ist seit Januar 2022 Chefin des Leipziger BMW-Werks. Sie ist nach eigenen Angaben erst die zweite Frau, die bei dem bayerischen Autobauer, ein Werk leitet. Bildrechte: dpa

Sie wusste schon früh, dass sie mal "was mit Autos machen" will. Mit 15 Jahren habe sie ihr Moped gerne auseinander genommen, erzählt Petra Peterhänsel MDR SACHSEN. "Da habe ich gemerkt, Automobil und Technik, das ist was für mich." Seit Januar ist sie die Chefin von 8.000 Beschäftigten im BMW-Werk in Leipzig. Auf sieben Männer kommt dabei eine Frau.

Autobau ist familiäre Leidenschaft

Geboren in Eisenach, liegt die Leidenschaft für den Automobilbau praktisch in der Familie. "Meine Schwester, meine Mutti haben bei Wartburg gearbeitet. Da, wo ich gelernt habe," erzählt Peterhänsel.

Und mein Ur-Ur-Großvater war Meister bei BMW vor hundert Jahren.

Petra Peterhänsel Leiterin BMW Werk Leipzig

Autos bei der Montage im BMW-Werk Leipzig
Vier Modelle werden derzeit in Leipzig produziert: Vom 1er BMW über verschiedene 2er-Varianten bis hin zum vollelektrischen i3. Bildrechte: dpa

Peterhänsel selbst ist seit 2012 bei BMW. Zuletzt hat sie das Presswerk, den Karosseriebau und die Lackiererei im größten europäischen BMW-Werk im bayrischen Dingolfing geleitet. "Für mich persönlich war es immer schon das Ziel, ein ganzes Werk zu leiten", erzählt sie. Das hat sie Anfang Januar erreicht und ist damit nach eigenen Angaben erst die zweite Frau, die bei dem bayerischen Automobilhersteller in der Führungsetage zu finden ist.

Keine Vorurteile gegen Peterhänsel

Vorurteile, weil sie eine Frau ist, habe sie nicht erfahren, berichtet Peterhänsel über die Ankunft in Leipzig. Die Mitarbeiter hätten sie mit offen Armen empfangen, seien sofort ins Gespräch gekommen. Berührungsängste habe es keine gegeben, so Peterhänsel.

Dass das Werk von einer Frau geleitet wird, spielt auch für Andreas Zoch, Bereichsleiter in der Montageabteilung keine Rolle. "Ob das jetzt eine Frau ist oder ein Mann, das spürt man nicht", beschreibt er die Stimmung im Werk, seitdem Petra Peterhänsel am Steuer sitzt.

Aber man spürt sehr eindeutig die neuen Impulse, die Signale, die von unserer neuen Werksleiterin kommen.

Andreas Zoch Mitarbeiter BMW Werk Leipzig

Mitarbeiter im BMW-Werk Leipzig montieren das Drive-Modul, die Unterbodengruppe mit Batterie, für den elektrisch angetriebenen i3
Im BMW Werk in Leipzig gibt es 8.000 Beschäftigte. Auf sieben Männer kommt dabei eine Frau. Bildrechte: dpa

Nichtsdestotrotz sind Frauen in solchen Führungspositionen eher selten. Doch Petra Peterhänsel gibt die Hoffnung nicht auf, dass in Zukunft mehr Frauen in Führungsetagen zu finden sind.

Ich bin fest davon überzeugt, dass mehr Frauen diesen Schritt gehen werden. Mutig sind, sich dafür zu entscheiden.

Petra Peterhänsel Leiterin BMW-Werk Leipzig

Wasserstoff und CO2-Neutralität größte Herausforderung

Alle 58 Sekunden rollt in Leipzig ein fertiges Auto aus den Produktionshallen. Vier Modelle sind es derzeit, vom 1er BMW über verschiedene 2er-Varianten bis zum vollelektrischen i3. Bis 2030 will BMW 80 Prozent der Produktion klimaneutral machen. Für die neue Chefin Peterhänsel die größte Herausforderung.

Zwar sei man in Leipzig da schon gut dabei, dennoch müsse die CO2-Neutralität und das Thema Wasserstoff weiter vorangetrieben werden, sagt Peterhänsel. Aufstellen für die Zukunft nennt sie es. In Leipzig hat sich der Autobauer aufgestellt für die Zukunft, mit einer Frau am Steuer.

MDR (rk/bb)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 14. Februar 2022 | 19:00 Uhr

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