Landgericht Leipzig Nach Streit um nicht angeleinten Hund: Neun Jahre Haft wegen Mordes

Kleinigkeiten können in großen Streitigkeiten enden. Im konkreten Fall hat das Landgericht Leipzig nun das Urteil im Prozess um einen Streit, der ein tödliches Ende für einen Beteiligten hatte, gefällt. Der Auslöser für die Eskalation: ein nicht angeleinter Hund.

Landgericht Leipzig
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Für den tödlichen Streit um einen nicht angeleinten Hund in Leipzig muss ein 34 Jahre alter Mann für neun Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Leipzig verurteilte den Mann am Dienstagabend wegen Mordes. Weil der Angeklagte laut psychiatrischem Gutachten wegen einer speziellen Form der depressiven Störung vermindert schuldfähig ist, reduzierte die Kammer allerdings das Strafmaß.

Mordmerkmal erfüllt

Das Nichtanleinen eines Hundes sei vom Angeklagten mit einem Messer geregelt worden, begründete der Vorsitzende Richter Hans Weiß die Entscheidung. Das Mordmerkmal der Heimtücke sei erfüllt. "Sie haben sich im Dunkeln von hinten mit den Worten 'Jetzt habe ich euch' ihren Opfern genähert", so Weiß in der Urteilsbegründung. Die haben nach Ansicht des Richters nicht mit einem derartigen Angriff rechnen können. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung kündigte an, das Urteil überprüfen zu wollen.

Verteidigung plädiert auf Notwehr

Das Gericht folgte mit dem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Diese war davon ausgegangen, dass ihr Mandant von dem Opfer und dessen 16-jährigem Sohn attackiert und geschlagen worden war. In einer Notwehrsituation habe der 34-Jährige das Messer gezogen und "ins Blaue hinein einen Stich versetzt", sagte Rechtsanwältin Andrea Liebscher. Dafür habe es keine verwertbaren Anhaltspunkte gegeben, hieß es in der Urteilsbegründung.

Ein tödlich endender Streit

Der 34 Jahre alte Angeklagte soll sich im November vergangenen Jahres über den nicht angeleinten Hund eines Fußgängers geärgert haben. Zunächst, so die Beweisaufnahme, habe er den Hundebesitzer unfreundlich belehrt, wobei der Ton offenbar zunehmend aggressiver wurde. Dann gingen beide Männer ihrer Wege. Später sollen sie sich wieder getroffen haben. Dabei habe der Angeklagte seinem Gegenüber ein Messer in die Schläfe gerammt. Der Sohn des 52 Jahre alten Opfers soll die Tat beobachtet haben.

Notwehr oder Vorsatz

Auch der Angeklagte bezeichnete die Tat vor Gericht als Notwehr. Der Sohn und Zeuge sprach von einem unvermittelten Angriff. Ein Gutachter bescheinigte dem Angeklagten eine depressive Störung, mangelndes Selbstwertgefühl, dass leicht in aggressivem oberlehrerhaftem Verhalten mündet. Dennoch sei er schuldfähig.

Quelle: MDR/gg/bj/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 22. Juni 2021 | 07:30 Uhr

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