Elektromobilität Leipzig setzt auf E-Taxis - Taxiunternehmer fassungslos

Die Entscheidung der Stadt, dass in Zukunft ausschließlich E-Taxis durch Leipzig fahren sollen, stößt bei Taxiunternehmern auf Widerstand. Sie fühlen sich durch die neuen Vorschriften übergangen. Die Maßnahmen seien ein Schnellschuss und nicht durchdacht.

Ein Taxi zwischen anderen Autos.
Leipzigs Taxifahrer sind wenig erfreut über die Pläne statt, den Verkehr ökologischer gestalten zu wollen. Bildrechte: Colourbox.de

Die überarbeitete kommunale Regelung zum Personenbeförderungsgesetz hat die Leipziger Taxifahrer kalt erwischt: Ab 2025 muss jedes neue Taxi in Leipzig vollelektrisch, mit Hybridantrieb oder wasserstoffbetrieben fahren. Mit sofortiger Wirkung gilt dies bereits für jedes zweite neu zugelassene Fahrzeug.

"Umweltschutz an erster Stelle"

Leipzigs Umwelt- und Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal sieht dringenden Handlunsgbedarf: "Der Umweltaspekt steht für mich an erster Stelle, daher ist es mir sehr wichtig, dass sich die Maßgaben zur Erfüllung der Vorgaben im Gelegenheitsverkehr nicht bis ins Jahr 2030 ziehen."

Die Stadt Leipzig steht für klimaneutrales Handeln und regelt somit eigenverantwortlich, dass ab sofort jedes zweite neu angeschaffte Fahrzeug im Gelegenheitsverkehr den Maßgaben des Elektromobilitätsgesetzes zu entsprechen hat. Ab dem Jahr 2025 muss dann jedes neu angeschaffte Fahrzeug die Kriterien erfüllen.

Heiko Rosenthal Umwelt- und Ordnungsbürgermeister Leipzig

Taxiunternehmer überrascht

Uwe Franz, Vorstandsmitglied der Taxi-Genossenschaft Leipzig, ist fassungslos: "Das hat uns kalt erwischt. Wir sind eigentlich im regen Austausch mit der Stadt - zuletzt über das neue Personenbeförderungsgesetz. Aber über die E-Mobilität hat man mit uns nicht geredet. Das mussten wir aus der Pressemitteilung erfahren." Auch sei ihm unklar, wie die Regel, jedes zweite Fahrzeug alternativ anzutreiben, überhaupt in der Zulassungs-Praxis umgesetzt werden soll.

Auch Thomas Voigt, Vorstand des Landesverbands Sächsischer Taxi- und Mietwagenunternehmen, kritisiert die Kommunikation: "Die Kollegen sind sauer über diese Entscheidung. Es herrscht eine große Unsicherheit. Was wird aus den Fahrzeugen, die bereits bestellt, aber noch nicht geliefert worden sind? Das ist ein unhaltbarer Zustand." Hinzu kämen die derzeitigen Lieferengpässe bei den Autoherstellern. Die Branche sei durchaus offen für neue Antriebe, aber für eine Verpflichtung sei es noch zu früh, so Voigt.

Ökostrom und eigene Ladesäulen

Hinzu kommt, dass die Fahrzeuge der Taxiflotte nur mit der eigenen Ladeinfrastruktur betrieben werden sollen. Öffentliche Ladestationen sind tabu. Zudem dürfen sie ausschließlich mit grünem Strom geladen werden. "Ein betriebswirtschaftlicher Blödsinn", findet ein Taxiunternehmer am Leipziger Hauptbahnhof. "Das heißt, wir müssen eine private Anlage anschaffen und dann noch mit Ökostrom, also gleich noch eine Solaranlage aufs Dach packen. Diese Kosten stehen in keinem Verhältnis."

"Mehr als nur der Stadtverkehr"

Als unausgegoren bezeichnet auch Uwe Franz die Pläne der Stadt. "Es geht bei uns um viel mehr als nur den Stadtverkehr. Wir bringen Ersatzteile für den ADAC-Hubschrauber, transportieren Organe, wir machen für die Deutsche Bahn den Schienenersatzverkehr. Da fahren wir teilweise mitten in der Schicht bis nach Dresden, Bautzen, Hoyerswerda. Da kommt man mit einer Ladung wahrscheinlich kaum hin, geschweige denn nach Hause." An einem normalen Samstag fahren die Leipziger Taxis teilweise bis zu 600 Kilometer, ergänzt Thomas Voigt.

Fehlende Ladeinfrastruktur

Taxifahrer und Unternehmen befürworten grundsätzlich die Umstellung auf alternative Antriebe. Für die meisten geht die rigorose Ausmusterung der Verbrenner-Flotte jedoch zu weit. "Man kann über Umweltschutz reden, keine Frage, aber man hat keine Lösung", sagt ein Fahrer. "Es gibt kein Äquivalent. Wenn man so etwas beschließt, muss man doch auch für Ladestationen sorgen, damit ich mein Taxi permanent laden kann."

Einen Anfang kann man ja machen, aber das muss durchdacht sein. Keiner weiß, wie lange die Batterien halten. Es hat ja keiner was dagegen, wenn wir hier ohne Abgase leben. Aber die Technik ist noch nicht so weit.

Taxiunternehmer

Gemeinsamer Brief an Oberbürgermeister

Als Reaktion auf den Erlass der Stadt Leipzig planen die Taxiunternehmer derzeit ein Schreiben an den Oberbürgermeister mit der Bitte um ein persönliches Gespräch. Hierzu stehe man auch in Kontakt mit den Mietwagenunternehmern, die ebenfalls von den Maßnahmen betroffen sind.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 07. Oktober 2021 | 16:30 Uhr

23 Kommentare

Anni22 vor 15 Wochen

Das mag sein, trotzdem muss die Umstellung für ein Taxiunternehmen planbar und bezahlbar sein. Also man hätte halt mal mit den Unternehmern reden müssen , rechtzeitig!

Olli21 vor 15 Wochen

Es stimmt zwar, dass man Taxi und CleverShuttle nicht in jeder Hinsicht vergleichen kann, aber es ist auch nicht richtig, dass wir nach jeder Fahrt zurück zum Hauptsitz fahren. Das tun wir nur dann, wenn es keine Anschlussfahrt gibt, ansonsten fahren wir selbstverständlich hintereinander weg, ohne nach jeder Fahrt zu laden (so ein Blödsinn)! Oft kommen wir innerhalb einer Schicht lediglich während der Pause überhaupt mal zum Laden, sind ansonsten unterwegs.

Ungeachtet dessen finde ich es aber auch krass, dass solche Schritte wie eine Einführung der E-Auto-Pflicht einfach so beschlossen und der Taxi Branche so vor die Füße geworfen werden kann, denn das ist überhaupt nicht zuende gedacht. Die Ladeinfrastruktur ist dafür überhaupt noch nicht vorhanden, und vor allem, wer soll das eigtl alles bezahlen? Stellt die Stadt den Taxis überall an die Taxistände Ladesäulen oder wie muss man sich das vorstellen?

Echt unglaublich...

AlexLeipzig vor 15 Wochen

Herr Rosenthal, zuständiger Umwelt- und Ordnungsbürgermeister der Stadt Leipzig, ist gebürtiger Ost-Berliner und hat in Leipzig studiert.
Woher der Zuständige in der Stadtverwaltung kommt, ist irrelevant. Relevant sind seine Entscheidungen. Ich halte diese grundsätzlich für richtig, aber überstürzt und schlecht gemacht. Auch wenn er "Ossi" ist.

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