Energieversorgung Richtfest für "grünes" Heizkraftwerk Leipzig-Süd

In Leipzig soll Ende 2022 ein neues Heizkraftwerk ans Netz gehen und sechzig Meter in die Höhe ragen. Vorerst soll es Fernwärme mittels fossilem Erdgas und Gasturbinen erzeugen. Langfristig aber ist die Wärmeerzeugung über sogenannten grünen Wasserstoff geplant. Am Dienstag wurde das Richtfest des Großprojekts gefeiert.

Der Rohbau eines Hauses
Im Leipziger Süden entsteht aktuell ein neues Heizkraftwerk mit Gasturbinen und Wärmespeichern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Leipziger Stadtwerke haben am Dienstag Richtfest auf der Baustelle des neuen Heizkraftwerks (HWK) Leipzig-Süd gefeiert. Für rund 180 Millionen Euro entsteht hier ein modernes Gasturbinenkraftwerk. Es soll im Herbst nächsten Jahr in Betrieb gehen und langfristig mit klimaneutralem Wasserstoff betrieben werden.

Wir können damit halb Leipzig mit Wärme versorgen und sind fähig aus der Braunkohlenversorgung von Leipzig auszusteigen. Im Moment werden circa 60 Prozent der Fernwärme aus dem Braunkohlenwerk Lippendorf bezogen und wenn dieses Werk ans Netz geht, sind wir davon unabhängig.

Frank Viereckl Sprecher Stadtwerke Leipzig

Vom Erdgas zum reinen Wasserstoff in fünf Jahren

Vorerst soll die benötigte Wärme noch aus Erdgas gewonnen werden. Die Stadtwerke sehen den Betrieb mit fossilem Erdgas aber nur als Brückentechnologie und statten das HKW jetzt schon so aus, dass es zukünftig mit synthetischen Gasen wie beispielsweise Wasserstoff betrieben werden kann.

Projektleiter Thomas Brandenburg sagte MDR SACHSEN: "Wir sind dran, Förderanträge zu schreiben, sodass wir hier doch sehr bald anfangen können, Wasserstoff in den Turbinen zu verbrennen und dann schrittweise den Anteil zu erhöhen, bis wir dann komplett bei reinem Wasserstoff angekommen wären."

Grüne Technologien im Wettbewerb mit fossilen Brennstoffen

Sollte es den Stadtwerken gelingen, das neue Heizkraftwerk auf sogenannten grünen Wasserstoff umzustellen, werden CO2-Emissionen weitestgehend gestoppt. Der grüne Wasserstoff hat damit einen großen klimatechnischen Vorteil gegenüber fossilen Brennstoffen. Laut Umweltbundesamt ist die Verbrennung von fossilen Brennstoffen zur Energiegewinnung für etwa 80 Prozent der Treibhausemissionen in Deutschland verantwortlich.

Solange das CO2 so wenig kostet, werden wir wenige Möglichkeiten haben, diese Anlagen umzustellen auf grüne Technologien, weil sie sich gegen zu billige fossile Technologien nicht durchsetzen können.

Thomas Brandenburg Projektleiter HKW Leipzig-Süd

Stellschraube CO2-Preis

Nur die Erhöhung des CO2-Preises könne die grünen Technologien noch attraktiver machen. Das meint Martin Rebmann, 2. Vorsitzender des BUND Leipzig, im Gespräch mit MDR SACHSEN. Derzeit liegt der Preis bei 25 Euro pro Tonne Kohlenstoffdioxid. "Expertinnen und Experten sagen, dass die heutigen Schäden, die durch CO2-Freisetzungen zum Tragen kommen, 180 Euro pro Tonne betragen. Die Bundesregierung hat einen maximalen Preis von etwa 50 Euro pro Tonne gesetzt."

Selbst wenn der CO2-Preis auf das Maximale steigen würde, sei man noch weit weg von dem Preis, den die Gesellschaft mittlerweile bezahlen müsse, um die Schäden zu kompensieren, sagte Rebmann weiter.

Quelle: MDR/bb/sm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 21. September 2021 | 16:30 Uhr

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