Europäische Mobilitätswoche Autofreier Ring in Leipzig bietet Platz zum Tanzen und Flanieren

Am Sonntag ist der Leipziger Ring für mehrere Stunden für Autofahrer gesperrt worden. In dieser Zeit haben Fußgänger, Rad- und Rollschuhfahrer das entspannte Flanieren auf der Ringstraße genossen. Außerdem hat es einen Weltrekordversuch gegeben.

Der autofreie Ring wurde von vielen Leipzigern zum Flanieren genutzt.
Die Teilnehmer der Gehzeug-Parade stellen sich vor dem Paulinum auf. Unter ihnen ist auch Linken-Landtagsabegeordneter Marco Böhme (Mitte). Bildrechte: Pia Siemer

Am Sonntagnachmittag kommt Friedrich Hartmann schnaufend auf dem Augustusplatz zum Stehen. An zwei Gurten trägt er eine viereckige Konstruktion aus etwa 30 Paketen, die offensichtlich ein beträchtliches Gewicht hat. Der 35 Jahre alte Leipziger hat sich daraus ein sogenanntes Gehzeug gebastelt, um am Weltrekordversuch, der an diesem Tag stattfinden soll, teilzunehmen.

Der autofreie Ring wurde von vielen Leipzigern zum Flanieren genutzt.
Friedrich Hartmann nimmt mit einem Gehzeug aus Paketen an der Parade teil. Bildrechte: Pia Siemer

Leipziger Ring soll für Radfahrer zugänglich werden

Der Versuch ist Teil eines Aktionstages anlässlich der Europäischen Mobilitätswoche, an der Leipzig zum mittlerweile zwölften Mal teilnimmt. Als Höhepunkt der Woche bleibt der Ring an diesem Sonntag mehrere Stunden für Fußgänger und Radfahrer reserviert. Es gehe darum, auszuprobieren, welche Arten klimafreundlicher Mobilität möglich seien, sagt der Leipziger Baubürgermeister Thomas Dienberg gegenüber MDR SACHSEN. Der komplett autofreie Ring sei zwar in naher Zukunft nicht realistisch, er soll aber bald für Radfahrer zugänglich sein. Ein entsprechendes Urteil des Sächsischen Oberverwaltungsgerichtes hatte das Radverbot 2018 auf dem Ring gekippt.

Gehzeug-Parade soll auf den Platzverbrauch von Autos hinweisen

Bei der Gehzeug-Parade, an der Friedrich Hartmann teilnehmen will, hängen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Konstruktionen um den Körper, die die Abmaße eines Autos haben. Damit zeigen sie, welchen Flächenverbrauch das Auto gegenüber anderen Verkehrsmitteln hat. Organisiert wurde die Aktion von der Initiative Verkehrswende Leipzig, ein Projekt des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). "Wir haben uns angemeldet beim Guinnessbuch der Rekorde", erklärt Matthias Gehling, ein Mitglied der Gruppe. "Aber dadurch, dass wir die einzige Gehzeug-Parade der Welt sind, sind wir sowieso die längste."

Auf Probleme des Onlineversandhandels aufmerksam machen

Die meisten Teilnehmer der Gehzeug-Parade haben ihre Konstruktion aus Holzlatten gebastelt. Friedrich Hartmann aber hat Pakete gewählt, um auf die Probleme aufmerksam zu machen, die vom Onlineversandhandel ausgehen. Er hat selbst früher als Paketbote gearbeitet. "Da fährt man jeden Kunden einzeln mit dem Auto an, dabei könnte man das doch auch mit Lastenrädern machen", findet er.

Einige Meter weiter sticht ein weiteres Gehzeug aus der Parade hervor. Es ist komplett aus bunten Poolnudeln gebaut. Gefertigt hat es Sandra, die sich beim BUND engagiert. Normalerweise nutzen sie und ihre Mitstreiter die Poolnudeln dazu, um beim Fahrradfahren auf den Abstand von 1,50 Metern aufmerksam zu machen, den Autos eigentlich beim Überholen zu Radfahrern einhalten müssen. "Eine Poolnudel ist ungefähr genauso lang", erklärt sie.

Der autofreie Ring wurde von vielen Leipzigern zum Flanieren genutzt.
Sandra baut sich ein Gehzeug aus Poolnudeln. Bildrechte: Pia Siemer

Auf dem Ring wird ausgelassen getanzt

Während sich die Gehzeug-Parade ihren Weg in Richtung Wilhelm-Leuschner-Platz bahnt, wird vor dem Ringcafé ausgelassen getanzt. Ein DJ legt auf, dazu bewegt sich eine Menge von etwa 200 Menschen. Ein Mann mit einem Krönchen auf dem Kopf macht Seifenblasen, durch die lachende Kinder laufen.

Auf der Bordsteinkante sitzen Alex und Jana, die nach eigenen Aussagen Mitglieder der "Leipziger Technobubble" sind. Normalerweise gehen sie gerne in die Distillery in der Südvorstadt, nun nutzen sie den Asphalt zum Tanzen. Die beiden freuen sich über den zusätzlichen Platz. "Die ganzen Baustellen auf dem Ring nerven in letzter Zeit tierisch", findet Alex.

Der autofreie Ring wurde von vielen Leipzigern zum Flanieren genutzt.
Alex und Jana legen eine kurze Tanzpause ein. Bildrechte: Pia Siemer

Inlineskaten auf dem Innenstadtring

Auch Arthur, Thoren und ihre Mutter Patrizia freuen sich über den autofreien Raum. Die beiden Jungen sind auf Inlineskatern unterwegs und können die ganze Straße dafür nutzen. "Und es ist viel leiser ohne Autos", meint Thoren. "Könnte eigentlich jeden Sonntag so sein", ergänzt seine Mutter Patrizia.

Der autofreie Ring wurde von vielen Leipzigern zum Flanieren genutzt.
Thoren, Patrizia und Arthur finden, der Ring könnte jeden Sonntag autofrei sein (v.l.n.r.). Bildrechte: Pia Siemer

Quelle: MDR/ps

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Der Sonntagnachmittag | 19. September 2021 | 17:20 Uhr

14 Kommentare

nasowasaberauch vor 5 Wochen

So eine Gaudiveranstaltung ist verzichtbar. Die Pandemie hat dem ÖPNV zugesetzt und das wir auch noch eine Weile so bleiben. Für 61 Prozent ist das Auto, auch für Strecken unter 10 km das Fortbewegungsmittel Nr. 1, da ist man sicherer vor Corona. Auf dem Land leben und in der Stadt arbeiten, da ist die individuelle Mobilität eine Voraussetzung. Diese Holzlattenträger können noch lange um den Ring laufen ohne etwas zu ändern, aber das ist auch eine Art Religion, man muss ganz fest dran glauben.

mog123 vor 5 Wochen

@martin123 Sie beliefern mit ihrem privaten PKW Geschäfte ?
Es wird hier gegen den ausufernden Individualverkehr in der Stadt ein Zeichen gesetzt. Um Geschäfte zu beliefern und Kranke zu transportieren werden keine zehn Spuren benötigt. (Das war übrigens am Sonntag nach wie vor möglich). Ich bezweifle ebenfalls dass es hauptsächlich Autos sind die den Insassen zur Arbeit bringen.

AlexLeipzig vor 5 Wochen

Es ist doch eine Aktion, die zum Nachdenken anregen soll. Daß es mit dem Verkehr nicht so weitergehen kann, ist doch klar. Insofern ist es mal ein Zeichen, wie man die Straßen einer Stadt auch anders nutzen könnte. Das mal für einen Tag zu erfahren, kann doch wohl nicht falsch sein!

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