Nachtleben Polizei Leipzig: Situation auf der Sachsenbrücke hat sich beruhigt

Die Sachsenbrücke stand in den letzte sieben Wochen häufiger im Mittelpunkt des Nachtlebens von Leipzig. Tausende Menschen versammelten sich auf der Brücke im Clara-Zetkin-Park und feierten die wieder erlangte Freiheit nach einem langen Corona-Lockdown. Doch immer wieder schlugen einige über die Stränge. Ein Rettungswagen wurde attackiert, es gab Messerstechereien. Diebstähle und auch sexuelle Belästigungen nahmen zu. Die Folge: massive Polizeipräsenz. Neue Regeln wurden erlassen. Und die zeigen offenbar ihre Wirkung.

Sachsenbrücke Leipzig
Auf der Sachsenbrücke entlud sich nach den Lockerungen der Corona-Maßnahmen die "Feierwut" vieler Menschen. Dabei kam es auch zu zahlreichen Straftaten. Bildrechte: Benjamin Jakob

Nach sieben Wochen mit verstärkter Präsenz im Umfeld der Sachsenbrücke hat die Polizei Leipzig eine positive Einsatzbilanz gezogen. "Seit zwei Wochen ist es ruhiger geworden", sagt Olaf Hoppe, Pressesprecher der Polizei Leipzig, im Gespräch mit MDR SACHSEN. Die Präsenz habe gezeigt, dass sich was verändert hat. Die Zahl der teilnehmenden Menschen habe deutlich nachgelassen und damit auch die Konflikte. Zudem sei eine Verlagerung in den Palmengarten, andere Parks und das Leipziger Umland zu beobachten, so Hoppe.

Seit den Vorfällen im Juni hatte die Polizei zusammen mit dem Ordnungsamt die Einsatzkräfte intensiv aufgestockt. "Unterstützung gab es von der sächsischen Bereitschaftspolizei, die jetzt allerdings im Flutgebiet und bei den anstehenden Fußballspielen gebraucht wird", sagt Hoppe. "Aber wir versuchen immer mehrere Züge hier im Einsatz zu haben."

Fingerspitzengefühl gefragt

Bei der Kommunikation mit den Feiernden sei der Polizei immer klar gewesen, dass sie mit Fingerspitzengefühl agieren müsse. Ein massives Vorgehen sei nie die Maßgabe, auch wenn eine Auflösung einmal im Raum gestanden habe, so Hoppe. Diese Herangehensweise habe gut funktioniert. "Vor allem die Menschen, die Musik machen, verstehen das", meint der Polizeisprecher. Schwierig werde es erst ab Mitternacht, wenn der Alkoholpegel steigt und Konflikte zunehmen.

Viele Menschen aus dem Umland

Auch die vielen Menschen aus dem Umland, die auf die Sachsenbrücke gekommen waren und erst am frühen Morgen mit dem ÖPNV wieder nach Hause fahren konnten, hätten zur Verschärfung der Situation beigetragen. "Die Sachsenbrücke war aber schon immer ein Schwerpunkt von ruhestörendem Lärm", sagt Hoppe. Aber die Dimension sei nach den Lockerungen der Corona-Maßnahmen eine andere gewesen.

Zu den typischen Straftaten zählen laut Hoppe Körperverletzungen, Diebstahl aber auch sexuelle Übergriffe auf Frauen. Bei Letzteren habe es Festnahmen gegeben. "Ein Tatverdächtiger musste auch in Untersuchungshaft."

Ruhiger Freitagabend

Am Freitagabend ist es ruhig auf dem "Partyhotspot". Wo sonst mehrere Bands musizierten und zahlreiche Menschen tanzten, sitzen rund 100 Leipzigerinnen und Leipziger und verbringen ihren Sommerabend. Eine Gruppe mit einem Verstärker wird sofort von den vor Ort zahlreich vertretenen Mitarbeitenden des Ordnungsamtes angesprochen. Denn das Verwenden von Verstärkern ist seit Kurzem genehmigungspflichtig. Und weil keine Genehmigung vorliegt, zieht die Gruppe weiter.

Sachsenbrücke Leipzig
Wo sonst mehrere Bands musiziert haben, ist es jetzt eher ruhig. Bildrechte: Benjamin Jakob

Der lange Weg zurück zur "Normalität"

"Jetzt ist es leer", antwortet Straßenmusiker Jakobus auf die Frage, wie er die Entwicklungen der letzten Wochen einschätzt. "Die Atmosphäre war zu Beginn sehr einladend, dadurch habe ich die Straßenmusikkultur hier erst richtig kennengelernt", erinnert er sich. Aber die Situation habe sich in der letzten Zeit sehr schnell geändert. "Es hat immer Spaß gemacht bis zu dem Punkt, an dem der Alkoholkonsum am späteren Abend immer mehr wurde. Geräte wurden umgestoßen, die Leute wollten mit den Gitarren spielen, haben in die Mikros gebrüllt. Da hatten die Musikerinnen und Musiker keine Lust mehr", so Jakobus.

Sachsenbrücke Leipzig
Straßenmusiker Jakobus glaubt, dass sich über die Zeit wieder eine "gewisse Normalität" auf der Sachsenbrücke entwicklen wird. Bildrechte: Benjamin Jakob

Die Szene organisiere sich jetzt über verschiedene Chat-Gruppen und habe sich aufgeteilt. "Jetzt sitzen viele kleine Gruppen hier, die jede für sich Musik hören. Das finde ich schade, weil es voneinander abgrenzt", meint Jakobus. Er würde sich wünschen, dass sich die Bands wieder trauen, hier wieder zusammenzukommen, auch mit Akustikinstrumenten. So könne sich über die Zeit auch wieder eine "gewisse Normalität" entwickeln, ist er sich sicher.

Quelle: MDR/mar/bj

5 Kommentare

Gohliwer vor 8 Wochen

Ah. Danke für den Artikel. Das erklärt dann auch die illegale Party im Auwald zwischen Möckern und Hans-Driesch Straße letzte Nacht. Die Partyfraktion ist nur ein kleines Stück weiter gezogen.

NochJemand vor 8 Wochen

Ein schlauer Plan, der ausufernden "Krawallpartys" an bestimmten Hotspots ein Ende setzt, ist das gezielte Bewirtschaften. Die Stadt veranstaltet Open-Air-Festivals, z.B. auf der Sachsenbrücke; Bands werden engagiert, es gibt Getränke und es kostet einen kleinen Eintritt. Die Eingänge werden kontrolliert, Flaschen, Messer etc werden eingesammelt. Um 1 oder 2 Uhr nachts ist alles vorbei, der Platz wird geschlossen. Die Polizei zeigt Präsenz, auch noch einige Zeit danach in der Umgebung. Wer auf einer benachbarten Wiese oder Straße Krach macht oder randaliert, wird entfernt und muss Strafe zahlen.
Dann entfallen schon mal die Scherbenmeere und die betrunkenen Randalierer bis in den Morgen.
Schade eigentlich, aber wie so oft - wenn etwas Spaß macht, wird es sofort von ein paar unsozialen Elementen ausgenutzt und übertrieben.

hansfriederleistner vor 8 Wochen

Es kann doch nicht so schlimm sein. Ein Leipziger, der sich vom Nachtflug der Cargo-Flieger im Schlaf gestört fühlt, hat sich nicht beschwert.

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