Tarifstreit Warnstreik in Leipzig: Verkaufspersonal verlangt bessere Löhne

Während kleine Ladeninhaber in der Coronakrise um ihre Existenz fürchteten, fuhren die Lebensmittelkonzerne und der Versandhandel ein Umsatzplus nach dem nächsten ein. Vom großen Gewinn wollen die Mitarbeitenden auch etwas haben und kämpfen mit der Gewerkschaft Verdi für höhere Löhne und Mindestverdienste.

Menschen mit gleben Warnwesten stehen in einem großen Halbkreis vor einem Einkaufszentrum in Leipzig. Sie halten Regenschirme über sich, weil es in Strömen regnete am 9. Juli 2021.
Im strömenden Regen demonstrierten am Freitagmorgen Beschäftigte aus dem Einzelhandel und aus Versandhandelsunternehmen für bessere Löhne. Bildrechte: Barbara Brähler

Rund 600 Beschäftigte des Einzel- und Versandhandels Mitteldeutschlands haben sich am Freitag an einem Warnstreik beteiligt. Sie verliehen damit ihren Forderungen für die laufende Tarifverhandlung für insgesamt 280.000 Beschäftigten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Nachdruck. Seit Juni verhandelt die Gewerkschaft Verdi mit den Arbeitgebern, nach Gewerkschaftsangaben bislang ohne spürbare Fortschritte. Am 28. Juli beginnt die dritte Verhandlungsrunde.

Bis dahin werden wir immer wieder zu Warnstreiks aufrufen und den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.

Jörg Lauenroth-Mago Verdi-Verhandlungsführer

Verdi verlangt höhere Löhne und Gehälter um 4,5 Prozent plus 45 Euro monatlich. Zudem fordert die Gewerkschaft ein Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde. Die Arbeitgeber hatten in der zweiten Verhandlungsrunde Ende Juni einen Dreijahresabschluss angeboten. Sie boten dabei für das erste Jahr nach zwei Nullmonaten zwei Prozent, für das zweite Jahr 1,4 Prozent und für das dritte Jahr zwei Prozent an. Für Unternehmen, die von der Pandemie betroffen waren, sollen die Erhöhungen je zehn Monate bzw. sechs Monate später gezahlt werden.

Arbeitgeber als Krisengewinnler

Vor allem Supermarktketten und große Lebensmittelhändler gelten als Krisengewinnler im Corona-Jahr 2020. Beispielsweise verkündete die Kölner Rewe-Group im ersten Corona-Jahr ein Umsatzplus von 20 Prozent gegenüber 2019, Edeka ein Umsatzplus von 9,5 Prozent. Über die Versand- und Onlinehändler sagt das Statistische Bundesamt: Sie sind "klarer Gewinner der Corona-Krise". Verdi verlangt eine angemessene Beteiligung für die Mitarbeitenden. Gerade Verkäuferinnen und Verkäufer hätten während der Corona-Pandemie an der Belastungsgrenze gearbeitet, betonte Gewerkschaftssekretär Torsten Furgol im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 09. Juli 2021 | 07:00 Uhr

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