02.08.2019 | 15:35 Uhr Skaten und Radeln auf der neuen A72

Ab Freitagnachmittag düsen Autos, Lkw und Motorräder über das neue Teilstück der A72 von Rötha nach Borna und dann weiter nach Chemnitz. Zuvor gab Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig die Straße frei und Inline Skater, Radler und Läufer hatten die einmalige Chance, die neue Autobahn auszutesten.

Eröffnung Teilstück A72 zwischen Rötha und Borna von Leipzig Richtung Chemnitz, 02.08.2019
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So eine Möglichkeit gibt es nicht oft: Über eine Autobahn joggen, skaten oder radeln. Das letzte Ereignis dieser Art liegt schon weit über zehn Jahre zurück, als die A38 bei Leipzig eröffnet wurde. Auch dieses Mal zog es mehrere Hundert Menschen aus der Region zur Eröffnung des A72-Teilstückes, das nun in Richtung Chemnitz von Rötha bis Borna an die bereits existierende Autobahnauffahrt in Borna anschließt.

Einmalige Chance, die Straße ohne Autos zu erleben

Am Freitagvormittag durchschnitten Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig und der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Marco Wanderwitz, das Band und gaben damit die Straße - zuerst und leider auch einmalig für die unmotorisierten Transportmittel - frei. Nach der Freigabe fanden sich neben mir nur einige Inline-Skater auf der Autobahn ein. Die meisten testeten die Strecke mit dem Rad. Eine Familie aus Dresden macht zum Beispiel gerade Urlaub im Neuseenland und wollte sich die Autobahneröffnung nicht entgehen lassen: "Ich war schon bei der Eröffnung der A38 dabei", sagte der Vater. "Das ist immer ein tolles Erlebnis sowas."

In den Ferien mit dem Rad auf die Autobahn

André aus Kahnsdorf ist mit seinen beiden Kindern gekommen. Er fährt Skates, während die Kinder Radfahren. Sie freuten sich vor allem über das kostenlose Eis, das es zur Eröffnung gab. "Ich beobachte den Bau des Autobahnanschlusses schon seit Jahren und habe mich zwischendurch auch schonmal auf die Strecke geschlichen", gibt er zu.

André ist Musiklehrer und der 16-jährige Ben spielt in einem der Ensembles, die er leitet: "André hat mich heute Morgen aus dem Schlaf geklingelt und gesagt, ich soll losmachen und zur A72 kommen. Da im Moment gerade Ferien sind, hatte ich nichts Besseres zu tun", sagte Ben, der gerade erst seinen Realschlussabschluss in Regis-Breitingen gemacht hat und ab dem neuen Schuljahr in Bad Lausick eine Ausbildung als Sozialassistent beginnen wird.

Bessere Verbindung zwischen Leipzig und Chemnitz

Auf dem Weg überholt mich ein älterer Herr auf einem schwarzen E-Scooter und ruft lachend: "Ich muss nur aufpassen, dass ich das Tempolimit 120 nicht überschreite." Also doch nicht alle sind unmotorisiert unterwegs. Ein Ehepaar aus Leipzig treffe ich am Parkplatz wieder. "Wir sind die kompletten 9,5 Kilometer bis Borna gefahren und zurück. Es war total super und eine Erholungspause brauchen wir auch nicht", sagte die Frau. Ihr Mann ergänzt scherzend: "Die Autobahn sollte einfach komplett Fahrradweg werden."

Das wiederum wäre eher nicht im Sinne der Erfinder. Unter anderem soll das neue Teilstück der A72 die Städte Leipzig und Chemnitz noch besser miteinander verbinden. Auch kleinere Orte an der ehemaligen B95-Trasse, wie Espenhain, sollen entlastet werden.

Später kamen immer mehr Skater. Einerseits die Sportlichen, die kaum ansprechbar sind, sondern die Strecke so schnell wie möglich überwinden wollten. Andere Skater nehmen es gelassener. Eine Frau fährt auf die linke Spur, wirft die Arme nach oben und ruft: "Ich bin auf der Überholspur". Andere halten sich dann doch eher näher am Standstreifen auf, obwohl sie doch keine Autos zu fürchten haben. Die menschliche Natur eben.

Quelle: MDR/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.08.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

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