Entscheidung im Stadtrat 365-Euro-Ticket in Leipzig kommt – aber vorerst nicht für alle

Beim Oberbürgermeisterwahlkampf vor einem Jahr war es ein großes Thema, nun wird es Realität: das 365-Euro-Ticket für den Leipziger Nahverkehr. Zunächst können es aber nur wenige nutzen. Wann es für alle gilt, ist wegen der Corona-Auswirkungen noch nicht absehbar.

Eine Straßenbahn der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) in der Innenstadt der Messestadt.
In Leipzig wird das 365-Euro-Ticket zunächst nur für jüngere und einkommensschwächere Menschen eingeführt. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Christian Grube

Die Stadt Leipzig nimmt eine schrittweise Einführung eines 365-Euro-Tickets für den Nahverkehr in Angriff. Der Stadtrat beschloss am Mittwoch, dass ab 1. August zunächst Besitzer eines Leipzig-Passes nur noch 365 Euro pro Jahr für die Nutzung von Bus und Bahn zahlen. Ab 1. Januar 2022 soll das Ticket dann auch für Unter-27-Jährige angeboten werden, zunächst befristet auf ein Jahr als Modellprojekt mit einer Bundesförderung. SPD, Grüne und Linke befürworteten die Maßnahme, CDU und AfD äußerten sich ablehnend.

Einführung für alle in weiter Ferne

In Leipzig wird schon seit Jahren über ein 365-Euro-Ticket diskutiert. Es war auch eines der größeren Themen im Oberbürgermeisterwahlkampf im vorigen Jahr. Eine Einführung des Tickets für alle ist derzeit jedoch in weite Ferne gerückt, nicht zuletzt wegen Corona. Der Stadt fehlt das Geld. "Ich wollte mehr als den Einstieg, den wir heute gehen", sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).

Im Nahverkehr sind jedoch die Fahrgastzahlen und damit die Einnahmen weggebrochen, der ÖPNV in Leipzig werde massiv von Bund und Land gestützt. Der Stadtchef bekräftigte aber: "Das Ziel bleibt ein 365-Euro-Ticket für Alle, wie immer wir das auch hinkriegen."

Modellprojekt für Menschen bis 27 Jahre geplant

Das Ticket für Leipzig-Pass-Besitzer sei eine sozialpolitische Maßnahme, verbunden mit einem umweltpolitischen Ansatz, sagte Jung. Rund 55.000 Menschen mit einem geringen Einkommen haben den Pass. Derzeit zahlen sie 35 Euro für eine Monatskarte.

Um das Ticket auch für junge Menschen unter 27 Jahren anbieten zu können, will Leipzig sich beim Bundesverkehrsministerium um ein Modellprojekt zur Stärkung des ÖPNV bewerben. Nach einem Jahr soll entschieden werden, ob das Ticket dann dauerhaft angeboten wird.

Quelle: MDR/Oliver Leiste/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 21. April 2021 | 22:00 Uhr

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