Gedenken Neuer Stolperstein für Georg Schwarz in Leipzig verlegt

Mehr als 500 Stolpersteine sind derzeit in Leipzig verlegt. Sie rufen die Erinnerung an die Gräueltaten der Nationalsozialisten ins Gedächtnis und erinnern an die Schicksale von Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, politisch und konfessionell Verfolgten. Nachdem im Januar der Stolperstein des Widerstandskämpfers Georg Schwarz plötzlich verschwunden war, wurde jetzt ein neuer verlegt.

Ein Stolperstein ist auf einem Gehweg in Leipzig ins Pflaster eingelassen.
Der Stolperstein in Gedenken an Georg Schwarz wurde neu verlegt. Bildrechte: MDR/Jonas Arand

In Leipzig erinnert ein neuer Stolperstein an den von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfer Georg Schwarz. Er wurde am Donnerstag im Beisein von Fans der BSG Chemie Leipzig verlegt.

Verlust des Stolpersteins lässt sich nicht mehr rekonstruieren

Auf dem Gehweg vor dem Haus der Georg-Schwarz-Straße 24 war bereits 2009 ein Mahnmal eingelassen worden. Doch im Januar 2021 erreichte das Archiv Bürgerbewegung (ABL) die Nachricht, dass der Stein verschwunden war. Ob Bauarbeiten, die im vergangenen Jahr am Gehweg durchgeführt wurden, dafür verantwortlich waren, lasse sich nicht mehr genau rekonstruieren, erklärt Achim Beier vom ABL.

Der Verein kümmert sich seit 2005 um die Verlegung der Stolpersteine in Leipzig. "Wenn wir Steine verlegt haben, melden wir das an das Tiefbauamt, die die Orte karthografieren", so Beier. Auch die Baufirmen seien informiert. "Es passiert häufig, dass gebaut wird, wo die Steine liegen. Bisher klappte das wunderbar", erklärt Beier weiter.

Gedenktafel aus Hauswand gerissen

Der Stolperstein ist nicht die einzige Erinnerung an Georg Schwarz, die in letzter Zeit verschwunden ist. Im November 2020 wurde eine Gedenktafel aus DDR-Zeiten an der Ecke Merseburger Straße aus einer Hauswand gerissen. Zudem entfernten Unbekannte unter einem Straßenschild die historischen Erläuterungen zu Schwarz. Wie das Kulturamt Leipzig MDR SACHSEN mitteilte, wird in einer Anzeige der 9. November als Tatzeitpunkt für den Diebstahl der Tafel am Straßenschild Ecke Spittastraße angegeben: der Jahrestag der Reichspogromnacht.

Ein Stolperstein ist auf einem Gehweg in Leipzig ins Pflaster eingelassen.
Der Stein ist nicht die einzige Erinnerung an den Widerstandskämpfer in Leipzig. Bildrechte: MDR/Jonas Arand

Rivalität im Fußball Grund des Stolperstein-Verschwindens?

Achim Beier vom ABL, der den Stolperstein "exponiert" nennt, schließt einen Zusammenhang des Verschwindens mit Rivalitäten im Fußball zumindest nicht aus.

Im gesamten Leipziger Stadtgebiet sind aktuell 570 Stolpersteine an 202 Orten verlegt. Sie sollen die Schicksale von Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, politisch und konfessionell Verfolgten, Homosexuellen sowie Euthanasieopfern, die von den Nazis ermordet wurden, wieder ins Gedächtnis rufen, heißt es auf der Website des ABL. Sich darum zu kümmern, "wie sie aussehen, ob sie liegen bleiben", liege in der Verantwortung der Leipzigerinnen und Leipziger, so Beier vom ABL. Bisher sei es einmal vorgekommen, dass nachweislich Stolpersteine in Leipzig entfernt wurden. Schmierereien gebe es häufiger, so Beier weiter. Im Rahmen der jüdischen Woche im Juni sind wieder Verlegungen in Leipzig geplant.

Gästeblock von Chemie, links der 1964er Meistertrainer Alfred Kunze, rechts Fahne für den Politiker Georg Schwarz, nach dem Stadion in Leutzsch bis 1992 benannt war
Im Stadion der BSG Chemie Leipzig: links der 1964er Meistertrainer Alfred Kunze, rechts eine Fahne für Georg Schwarz, nach dem Stadion in Leutzsch bis 1992 benannt war. Bildrechte: imago images / Matthias Koch

Georg Schwarz Georg Schwarz wurde 1896 in Zwenkau geboren. Er war Mitglied der SPD und später trat er in die KPD ein. 1933 wurde er verhaftet und im Konzentrationslager Hohnstein interniert, später jedoch wieder freigelassen.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bildete er gemeinsam mit William Zipperer, Arthur Hoffmann und anderen den Leipziger Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Im Juni 1944 wurde er verhaftet und im Januar 1945 in Dresden hingerichtet.

Sein letzter Wohnsitz, die heutige Georg-Schwarz-Straße 24, wurde ihm zu Ehren 1945 umbenannt. Die "Bunte Kurve", eine Faninitiative des BSG Chemie Vorgängervereins FC Sachsen Leipzig, initiierte das Mahnmal für Schwarz in Lindenau. Auch im Alfred-Kunze-Sportpark, der Heimspielstätte der BSG Chemie Leipzig, erinnert eine Gedenktafel an Georg Schwarz. Zudem hat sich eine Fangruppierung des Vereins nach dem Widerstandskämpfer benannt.

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