Arbeitskampf Verdi: 350 Beschäftigte streiken am Amazon-Standort Leipzig

Die Gewerkschaft Verdi hat erneut Amazon-Beschäftigte zum Streik aufgerufen. In Leipzig sollen sich 350 Menschen beteiligen. Es geht um einen Tarifvertrag und besseren Datenschutz für die Mitarbeitenden. Der Versandhändler erwartet keine Einschränkungen für seine Kunden, die Gewerkschaft widerspricht.

Ein Mitarbeiter von Amazon steht mit einer Verdi-Warnweste mit dem Slogan: «Für bessere Tarife» darauf vor dem Amazon-Logistik-Zentrum.
Amazon wird wieder bestreikt. Betroffen ist auch das Versandlager in Leipzig. Laut Gewerkschaft Verdi geht es um einen Tarifabschluss und besseren Datenschutz. Bildrechte: dpa

Die Gewerkschaft Verdi hat Beschäftigte auch am Amazon-Standort Leipzig zu Streiks aufgerufen. Am sächsischen Versandlager soll der gestern begonnene Streik noch bis Dienstagabend 22:30 Uhr andauern, sagte der zuständige Gewerkschaftssekretär Ronny Streich MDR SACHSEN. Rund 350 der 1.300 Beschäftigten hätten ihre Arbeit niedergelegt.

Es gehe um Datenschutz für Mitarbeitende und höhere Bezahlung, hieß es. Streich sagte, auch wenn Amazon das Gegenteil behaupte, habe der Streik Auswirkungen auf Liefertermine. Die Gewerkschaft beruft bei ihrer Einschätzung sich auf Rückmeldungen von Kunden. Amazon erwartet hingegen nach eigenen Angaben keine Auswirkungen auf die Kunden. Der Händler betreibt bundesweit 17 Verteilzentren und kann zudem Warenströme in das benachbarte Ausland verlagern.

Seit neun Jahren Kampf um Tarifvertrag

Bereits seit 2013 versucht Verdi mit einem Arbeitskampf, das US-Unternehmen zur Anerkennung des Tarifvertrags für den Einzel- und Versandhandel zu zwingen. Amazon beharrt hingegen darauf, die Beschäftigten als Logistiker zu bezahlen. Man glaube an eine Kombination aus fairem Lohn und attraktiven Zusatzleistungen, erklärte ein Sprecher. "Alle Mitarbeiter in der Logistik verdienten bei Amazon ab zwölf Euro brutto aufwärts pro Stunde plus Extras. Nach zwölf und 24 Monaten erhöht sich der Lohn automatisch", so der Konzern. Die Gewerkschaft sieht darin ein Nachziehen des Versandhändlers nach erfolgreichen Verdi-Tarifabschlüssen im Handel. Amazon sei in Deutschland inzwischen im Arbeitgeberverband Einzelhandel, verweigere sich aber immer noch Gesprächen mit Verdi, beklagt Gewerkschafter Streich.

Pakete laufen über ein Laufband in einer Halle.
Bei Streiks versucht Amazon bundesweit und auch über Versandzentren in benachbarten Ländern die Lieferketten aufrecht zu erhalten. Bildrechte: dpa

Gewerkschaften: Mitarbeitende werden ausgespäht

Zudem geht es beim Streik um Datenschutzfragen. Die Beschäftigten verlangen laut Verdi zusätzlich Auskunft über möglicherweise vom Unternehmen gespeicherte persönliche Daten. "Wir wissen, dass das Unternehmen seine Angestellten ausspioniert hat. Die Beschäftigten haben ein Recht darauf zu wissen, ob Amazon Video- und Audioaufnahmen, Informationen aus den sozialen Netzwerken, über eine Gewerkschaftsmitgliedschaft oder andere personenbezogene Daten sammelt und damit die EU-Datenschutzgesetze verletzt", sagte die Generalsekretärin der Internationalen Dienstleistungsgewerkschaft UNI Global Union, Christy Hoffman.

Verdi-Gewerkschafter Streich schließt eine länderübergreifende Klage von Dienstleitungsgewerkschaften auf EU-Ebene nicht aus, sollten sich die Verdachtsfälle erhärten.

Amazon: Vorwürfe sind falsch

Amazon bezeichnete auf Anfrage die Vorwürfe als "falsch". Mitarbeitende in Europa hätten "eine Datenauskunft schon vor Einführung der DSGVO (Datenschutzgrundverordnung, Anm. der Redaktion) anfragen" können. Alle Anfragem seien beantwortet worden. Zudem verweist der Konzern auf eine anonyme Umfrage, nach der 90 Prozent der Beschäftigten ihre Arbeit mit "Bestnoten" bewertet hätten.

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MDR (lam)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 02. Mai 2022 | 09:30 Uhr

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