Energieversorgung Gestiegene Strompreise: Das sagen Energiehändler dazu

Viele Menschen haben in diesen Tagen Post von ihrem Energieversorger bekommen. Der Tenor des Schreibens ist bei fast allen gleich: Die Preise steigen. Mal sind es fünf Prozent beim Strom, mal 20 Prozent beim Gas. Die Versorger geben damit Preiserhöhungen weiter. Denn an den Gas- und Strombörsen erklimmen die Preise immer neue Rekorde. Wie blicken die Großhändler selbst auf diese Situation und wann beruhigt sich die Lage wieder?

Strom
Wir müssen in Zukunft wieder mehr Geld für Strom und Gas bezahlen. Bildrechte: MDR/imago images/imagebroker/panthermedia

Thorsten Körner kommt zu spät. Er habe noch einen Elf-Millionen-Deal absegnen müssen, sagt der Energiehändler. Körner arbeitet für die Stadtwerke Leipzig. Er handelt, damit Kunden günstig beliefert werden können. Doch das wird immer schwieriger. So hat sich der Großhandelspreis für sofort lieferbares Gas binnen eines Jahres vervierfacht. Solche radikalen Preiserhöhungen innerhalb eines so kurzen Zeitraums seien ungewöhnlich, so Körner. "Ich kann mich in den letzten Jahren nicht dran erinnern, dass es das schon mal gegeben hat. Das sorgt natürlich für deutlich mehr Stress. Weil, wenn die Preise so volatil sind, muss man viel kurzfristiger reagieren, muss aktiv werden."

Bei Verbrauchern steigen Preise weniger drastisch

Auch Großhändler, die eine sofortige Lieferung Strom wollen, müssen derzeit viermal so viel bezahlen wie 2020. Dass die Preise bei den Verbrauchern deutlich weniger drastisch steigen, hat einen Grund: Die meisten Mengen, die heute bei den Verbrauchern ankommen, wurden schon vor Jahren bestellt und bezahlt, an sogenannten Terminmärkten. An den Spotmärkten kaufen die Händler nur Lieferungen zu, die sie extra benötigen: "In der Regel ist das so, dass wir für den Zeitraum einkaufen, für den wir eine vertragliche Bindung haben. Zum Beispiel, wenn Kunden bei uns Bestpreis Gas bestellen und die haben dann eine Zweijahres-Preisbindung, die wir ihnen garantieren, dann kaufen wir auch für zwei Jahre das Gas ein."

Mehr Handel an der Energiebörse

Das Gas bestellt Körner beim Händler oder er kauft es über die Energiebörse EEX in Leipzig. Nirgendwo sonst in Deutschland wird so viel mit Strom und Gas gehandelt. Doch auch in Zeiten wie diesen sei es auf den Fluren der Börse ruhig, sagt Abteilungsleiter Daniel Wragge: "Dieser Markt ist ja sehr professionell. Wir haben keine schreienden Händler bei uns vor Ort, sondern alle Unternehmen sind digital über IT zugeschaltet. Das heißt, das ist sehr konzentriertes Arbeiten."

Im September wurde am Terminmarkt der EEX 57 Prozent mehr Strom gehandelt als im Vorjahresmonat. Im Oktober waren es 33 Prozent mehr. Die gestiegenen Mengen sind durchaus ein Zeichen für Nervosität. In der Tendenz beruhige sich der Markt aber wieder, sagt Wragge. Das könne man auch an den Preisen für eine Megawattstunde Strom erkennen. "Wenn man sich mal das nächste Jahr anguckt, 2022, dann liegen wir bei etwa 115 bis 120 Euro. Gucken wir bei 2023, sind wir bei 85 Euro, 2024 bei 75 Euro und 2026 bei 70 Euro. Insofern: Die Preise scheinen aus der Sicht des Handels und des Marktes in Zukunft auch wieder runterzugehen."

Freier Markt statt Fördergelder

Vorerst aber sind sie hoch. Und das führt zu einer Besonderheit bei den erneuerbaren Energien. Die Stadtwerke Leipzig betreiben zwei Biomasse-Anlagen, erzählt Thorsten Körner. Eigentlich bekommen sie dafür einen staatlich geförderten Festpreis. Doch man kann auf den Festpreis verzichten und das Gas auch auf dem freien Markt verkaufen: "Das haben wir jetzt für unsere Biomasse-Anlagen kurzfristig getan, weil die Energiemärkte eine höhere Vergütung im Augenblick gewährleisten als die Förderquote."

Das spart zwar Fördergelder. Es zeigt aber auch, wie drastisch die Preise gestiegen sind. Als die Förderung vereinbart wurde, hat kaum jemand geglaubt, dass man am freien Markt mehr verdienen könne.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. November 2021 | 06:54 Uhr

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