Hilfe für Geflüchtete Impfaktion für ukrainische Haustiere in Leipzig

Mit den tausenden Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine treffen auch zahlreiche Haustiere in Deutschland ein. Das kann zum Problem werden, denn sie müssen innerhalb der EU gegen Tollwut geimpft und gechipt sein. In Leipzig gab es eine Hilfsaktion.

Ukrainische Haustiere werden geimpft
Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Alena Rührig studiert Veterinärmedizin im 6. Semester. Bei Tierärztin Melanie Schwarze im Leipziger Kolonnadenviertel hilft sie freiwillig, die Neuankömmlinge aus der Ukraine zu untersuchen. Gleichzeitig kann sie so noch lernen, Spritzen zu setzen und Transponder zur Identifizierung einzupflanzen. Der neun Monate alte Kater Cookie ist einer der Patienten.

Rund 30 Tiere schafft die Leipziger Tierarztpraxis an diesem Dienstag. Inzwischen ist der Zulauf so groß, dass die Flüchtlingstiere in zwei Räumen und außerhalb der normalen Sprechzeiten behandelt werden. Um das Verfahren zu erleichtern und auch zu beschleunigen, gibt es nun auch einen Aufnahmeschein auf Ukrainisch.

Ukrainische Haustiere werden geimpft
Eine Impfung kostet pro Tier zwischen 30 und 70 Euro. Um die Kosten zu bewältigen, werden Impfpaten gesucht. Bildrechte: MDR/Barbare Brähler

Impfpaten gesucht

Das Angebot ist kostenfrei. Dennoch müssen Medikamente und Behandlungskosten finanziert werden. Auch örtliche Tierschutzvereine stoßen finanziell an ihre Grenzen. Deshalb werden derzeit Tierpaten gesucht, die jeweils für ein ukranisches Tier die Rechnung übernehmen. Nach Angaben der Tierarztpraxis beträgt die je nach Tier zwischen 30 und 70 Euro.

Tierpaten würden neben der Tierarztrechnung den Namen des Tieres und den Vornamen des Besitzers erhalten. Derzeit gebe es bereits 20 derartige Tierpatenschaften und 17 Interessenten, heiß es aus der Praxis.

Tiere brauchen Tollwutschutz

In der Europäischen Union gelten für Hunde, Katzen und Frettchen, die aus Drittländern wie der Ukraine, einreisen, tierseuchenrechtliche Bestimmungen zum Schutz gegen Tollwut.

Die Krankheit ist In der Ukraine noch nicht ausgerottet. Deshalb müssen die genannten Arten geimpft werden und eigentlich auch in eine dreiwöchige Quarantäne. Letzteres ist jedoch unter den Bedingungen in den Flüchtlingsunterkünften nicht möglich. Viele der Tiere müssen die Quarantäne in den örtlichen Tierheimen verbringen. Werden Geflüchtete privat untergebracht, dürfen deren Haustiere 21 Tage keinen Kontakt zu anderen Tieren haben. Katzen müssen drin bleiben und Hunde dürfen nur an der kurzen Leine Gassi geführt werden.

Bundesminister wird um Hilfe gebeten

In einem offenen Brief hat der Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. an Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir geschrieben. Darin schildert der Verband die Notlage seiner Mitglieder, die seit Kriegsbeginn in der Ukraine die Kosten für die Behandlung der Tiere weitestgehend selbst übernehmen.

In dem Schreiben bitten sie Özdemir, eine Pauschallösung wie in Bayern einzuführen und die Quarantäneregelungen zu lockern. In Bayern übernimmt das Umweltministerium 35 Euro pro Tier, zudem wurde die mehrwöchige Quarantäneregelung ausgesetzt.

MDR (gg/bb)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Der Tag | 29. März 2022 | 15:20 Uhr

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