Solidarität Leipzig zeigt Herz und organisiert Hilfe für Menschen aus der Ukraine

Die Stadt Leipzig bereitet mit Hochdruck die Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine vor. Zunächst sollen Ukrainerinnen und Ukrainer aus den Kriegsgebieten in einer der sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen in Leipzig-Mockau untergebracht werden, teilte die Stadtverwaltung mit. Es würden aber auch städtische Unterkünfte vorbereitet. Die Stadt nannte die Hilfsangebote der Menschen "überwältigend".

Vor einer privaten Sammelstelle von fünf befreundeten Leipzigern mit ukrainischen oder kasachischen Wurzeln hängt eine Plakat mit der Forderung "Putins Krieg stoppen".
Fünf befreundete Leipziger mit ukrainischen und kasachischen Wurzeln hatten um Spenden gebeten - die Resonanz der Leipziger war riesig. Bildrechte: dpa

Leipzig bereitet sich mit Hochdruck darauf vor, Geflüchtete aus der Ukraine aufzunehmen. Zudem hat die Stadt damit begonnen, die große Hilfsbereitschaft ihrer Bürger zu koordinieren. Stadtsprecher Matthias Hasberg nannte die Hilfsangebote der Menschen "überwältigend. Jetzt gelte es, die Angebote zu kanalisieren. Konkret versucht Leipzig, medizinische Hilfe zu leisten, sagte Hasberg.

Das St. Georg Klinikum organisiere die Hilfeleistungen und koordiniere die anderen Kliniken in der Stadt. Das St. Georg stehe für ankommende Flüchtlinge mit medizinischer und psychologischer Erst- und Notversorgung bereit. Das Universitätsklinikum, die Helios-Kliniken und das Diakonissenkrankenhaus hätten sich dazu bereit erklärt, Verbandsmaterial, Medikamente und medizinisches Gerät wie Operationsbestecke zur Verfügung zu stellen. Auf der Homepage der Stadtverwaltung finden sich alle Informationen gebündelt.

Wir schauen, was wir zusammen kriegen an medizinischen Gerät, an Verbandsmaterial. Ganz wichtig sind Medikamente. Wir versuchen das zahlreiche zivilgesellschaftliche Engagement in unserer Stadt zu koordinieren auf der städtischen Webseite, damit die Leute einen Ansprechpartner finden, einen Zielort, wo sie sich hinwenden können. Das ist alles im Fluss im Moment.

Matthias Hasberg Sprecher der Stadt Leipzig

Eine Familie, bestehend aus Vater, Mutter und kleinem Kind, steht vor einem Container an einem Fenster und wartet. Es ist eine junge Famlie aus der Ukraine, die Zuflicht in Leipzig gefunden hat.
Die ersten geflüchteten Familien aus der Ukraine sind in Leipzig angekommen. Bildrechte: MDR

550 Plätze in Erstaufnahme - ab nächster Woche noch mehr

Um die ankommenden Geflüchteten aus der Ukraine unterzubringen, wurde die Erstaufnahmeeinrichtung am Graf-Zeppelin-Ring im Leipziger Stadtteil Mockau vorbereitet. Dort stehen nun 550 plätze bereit, die nach Bedarf auch noch erweitert werden könnten, sagte Holm Felber von der Sächsischen Landesdirektion. "Es gibt dort im Augenblick schon eine zweite Einrichtung, die im Stand-by-Betrieb gehalten worden ist. Das ist dann Mockau II mit 750 Plätzen." Die Landesdirektion bemühe sich darum, dass diese Plätze spätestens nächste Woche betriebsbereit seien.

Gespräche mit LWB

Neben der Erstaufnahmeeinrichtung in Mockau gibt es in Leipzig auch noch eine zweite in der Max-Liebermann-Straße, im Stadtteil Möckern. Diese sei aktuell mit etwa 500 Asylbewerberinnen und Asylbewerbern zu etwa Dreiviertel ausgelastet. Um Geflüchtete in Wohnungen unterzubringen spreche die Stadt aktuell auch mit der Leipziger Wohnungsgesellschaft (LWB). "Wir können nicht abschätzen, wie viele Menschen zu uns kommen werden, aber wir bereiten uns auf einen großen Zustrom vor", sagte der Verwaltungsbürgermeister der Stadt, Ulrich Hörning.

Leipzig setzt auf Partnerstädte-Netzwerk

In Leipzigs polnischer Partnerstadt Kraków (Krakau) soll ein Logistik-Kreuz entstehen. Von dort aus sollen die Sachspenden nach Lwiw (Lemberg) in die Ukraine gebracht werden. Die Messestadt nutze zudem ihre engen Kontakte in die Stadt Kiew, mit der Leipzig eine mehr als 60 Jahre dauernde Partnerschaft verbindet. "Es ist wichtig, dass die europäischen Städte jetzt zusammenhalten und der Ukraine helfen", sagte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).

Spenden für Slowakei und Moldau

Unterdessen erreichen Leipzig auch Hilfegesuche direkt aus der Ukraine und aus den angrenzenden Ländern. Die Branddirektion Leipzig spendet unter anderem Stromerzeuger und Brauchwasserbehälter an die Slowakei sowie drei ausgemusterte Löschfahrzeuge an die Republik Moldau, wie es hieß.

 Menschen geben auf dem Schützenplatz an der HDI-Arena Hilfsgüter für die Menschen in der Ukraine ab.
Wie in Leipzig ist auch in der Partnerstadt Hannover die Spendenbereitschaft der Bürger groß. Vor dem Fußballspiel Hannover 96 gegen RB Leipzig diese Woche wurden kilo- und kistenweise Hilfsgüter abgegeben. Bildrechte: dpa

Spendenziel 609.869 Euro - für jeden Leipziger einen Euro

Die L-Gruppe, das sind die Leipziger Stadtwerke, Verkehrsbetriebe, Wasserwerke und Sportbäder, haben in Kooperation mit der Stadt inzwischen ein Spendenkonto und eine Crowdfunding-Seite eingerichtet. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

Auch die Handballer des Bundesligisten SC DHfK Leipzig unterstützen mit der Stadt und ihrem Hauptsponsor die Crowdfunding-Kampagne für die Opfer des Krieges in der Ukraine. Wie der Club mitteilte, sollen über die Plattform "Leipziger Crowd" in den nächsten zwei Wochen 609.869 Euro für Hilfsprojekte in der Ukraine sowie Schutzsuchenden in Leipzig gesammelt werden. Die Summe entspräche einer Spende von einem Euro je Einwohner der Stadt. Der SC DHfK hat ein Sondertrikot aufgelegt, dessen Erlöse an "Kinder, die Opfer von Krieg und Vertreibung wurden, gespendet werden".

MDR (lt,bb)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 03. März 2022 | 19:00 Uhr

39 Kommentare

ElBuffo vor 23 Wochen

8 Jahre? Gegen Krieg wird hier regelmäßig beinahe 80 Jahre demonstriert. Und da meine ich nicht die Propaganda Veranstaltungen der SED. Hilfe und Solidarität gibt es auch schon deutlich länger als 8 Jahre.

Vita vivet vor 23 Wochen

"Daraufhin hat Putin die Ukraine 2014 angegriffen. Seitdem herrscht dort Krieg, "


Diese Aussage zeigt deutliche geschichtliche Defizite!

Da würde der 5 Milliarden teure Regimechance in der Ukraine vergessen!

Frau K. vor 23 Wochen

@Watschelente
Ich bin mir nicht sicher ob eine Volksabstimmung darüber entscheiden sollte, ob ich mich von meinem Land abspalte oder nicht. Wir haben das Problem in GB mit den Schotten, in Spanien mit den Katalanen etc.
Also, wenn Sachsen jetzt sagt, wir machen eine Volksabstimmung und spalten uns ab und wollen die Anerkennung eine eigene Republik zu sein, das fänden sie klasse?
Gut, dann werden aber die Leipziger auch eine Abstimmung machen und sich von den Pegida, Querdenker- und Nazi Sachsen-Republik abzuspalten.
Innerhalb von Leipzig würde dann Gohlis sagen wir gehen nicht mit Connewitz und am Ende ruft jedes Haus seine eigene Republik aus?

Im übrigen hat Putin im Nachhinein zugegeben, dass er sehr wohl in der Ostukraine den Krieg befördert hat. Also auch diese Toten hat Putin gewollt und in Kauf genommen. Und es war den Europäern nicht egal. Es waren OSZE Beobachter vor Ort und es wurden mehrere Waffenstillstandsabkommen getroffen.

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Wohnhäuser stehen 2010 in Radebeul bei Dresden. 3 min
Bildrechte: dpa
3 min 19.08.2022 | 10:41 Uhr

MDR SACHSEN-ANHALT-Nachrichten vom Studio Halle

MDR SACHSEN-ANHALT Fr 19.08.2022 10:08Uhr 02:55 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/halle/audio-nachrichten-studio-halle-kritik-grundsteuerreform-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio
Eine ukrainische Mutter hält ihren Sohn im Arm. Dieser sitzt auf einem Geländer. Beide lächeln in die Kamera. mit Audio
Anna Taras ist mit ihrem Sohn Matvii aus der West-Ukraine nach Deutschland geflohen. Der Junge geht bald in Halle in die Grundschule. Bildrechte: MDR/Daniel Salpius

Mehr aus Sachsen