Schokoriegel-Gipfel Leipziger Unternehmen fordert Reinheitsgebot für Schokoriegel

Haben Sie gerade Ihren Schokoriegel genossen und sich dabei richtig wohl gefühlt? Waren Sie danach glücklich? Das dürfte vielleicht spätestens vorbei sein, wenn Schokoriegel-Unternehmer Christian Fenner erklärt, wie viel deren Herstellung mit Kinderarbeit und Plastikmüll zu tun hat. Um das zu ändern, fordert der Chef der Leipziger Herstellers "The Nu Company" ein Reinheitsgebot für Schokoriegel und hat große Hersteller zu einer Konferenz geladen. Einige haben tatsächlich zugesagt.

Schokolade
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Zu Beginn kurz ein paar unschöne Fakten: Weltweit sterben etwa 2,8 Millionen Menschen jährlich an den Folgen von Übergewicht und Fettsucht. Auch in Deutschland nimmt der Anteil übergewichtiger Menschen immer mehr zu. Laut Deutscher Adipositas Gesellschaft sind schon jetzt zwei Drittel der Männer und etwas mehr als die Hälfte der Frauen übergewichtig. Ein großer Risikofaktor dafür ist Zucker. Dieser findet sich mittlerweile in fast allen unserer Lebensmittel – besonders natürlich in Schokoriegeln.

Unter anderem, um das zu ändern, fordert der Unternehmer Christian Fenner, Chef des Leipziger Schokoriegel-Herstellers "The Nu Company", jetzt ein Reinheitsgebot für die Süßigkeit.

Wir merken, dass in der gesamten Branche viel schiefläuft. Von der gesamten Lieferkette mit unfairen Bedingungen für Kakaobauern, Zutatenlisten voller Zucker, Plastik-Verpackungen bis hin zu einer Klimabilanz, die eigentlich immer negativ ist.

Christian Fenner Chef des Schokoriegel-Herstellers "The Nu Company"

Selbst beziehen die Leipziger ihren Kakao nach eigenen Angaben aus einer nachhaltigen und fairen Kooperative in Peru.

Große Hersteller zur Schokoriegel-Konferenz eingeladen

Doch Fenner und sein Team wollen nicht nur anklagen und pöbeln. Sie wollen "das Thema auf die Agenda" bringen und haben deswegen alle großen Hersteller von Nestle über Ferrero, Maasz, Storck und Bahlsen zu einer Schokoriegel-Konferenz eingeladen. "Wir können das Problem nicht allein lösen, deswegen unser Vorschlag: Lasst uns mal alle an einen Tisch setzen, um alle Probleme offen und transparent anzusprechen", erklärt Fenner.

Der Schokoriegel ist nur ein kleines Produkt, er steht aber für viele Probleme.

Christian Fenner Chef des Schokoriegel-Herstellers "The Nu Company"

Stark übergewichtige Frau im Mini Dirndl
Zucker steckt mittlerweile in fast allen Lebensmitteln und führt nicht selten zu Übergewicht. Über die Hälfte aller Deutschen bringen mittlerweile zu viel auf die Waage. Bildrechte: imago images / Ralph Peters

Bahlsen, Halloren und weitere Unternehmen haben zugesagt

Doch das kam jetzt doch überraschend: "Wir haben nicht damit gerechnet, dass viele zusagen", erklärt Fenner. Immerhin sei man ja nur ein kleiner Hersteller aus Sachsen. Zugesagt hätten nicht nur andere nachhaltige Hersteller wie "Tony's Chocolonely" aus Amsterdam und "Fairafric" aus München, sondern auch der heimische Hersteller "Halloren" aus Halle und sogar Schoko-Gigant "Bahlsen". Letzterer habe sogar angeboten, ein eigenes Produkt zu entwickeln, sagt Fenner MDR SACHSEN.

Das Reinheitsgebot für Schokolade

Doch wie soll das Reinheitsgebot für Schokolade nach Meinung der Leipziger jetzt aussehen? Für Fenner ist klar, an diesen sechs Punkten kommt man nicht vorbei, wenn man Schokolade fair und verantwortungsvoll für alle Beteiligten und die Umwelt produzieren möchte.

  • Deutliche Zuckerreduktion
  • Das Ende von Einwegplastik
  • Bekämpfung von Kinderarbeit auf Kakaoplantagen
  • Klimaneutrale Produkte, um CO2-Fußabdruck auszugleichen
  • Pflanzliche Alternativen statt Milchpulver
  • Zutaten, die alle verstehen

Forderung: Kinderarbeit beenden

Doch ist Schokolade wirklich so schlimm? Neben der hohen Zuckerdosis und dem Risiko für Übergewicht gebe es laut Fenner noch viele weitere brisante Aspekte.

Kinderarbeit ist zum Beispiel ein Riesen-Problem, das ist auch bekannt in der Schokoladenindustrie.

Christian Fenner Chef des Schokoriegel-Herstellers "The Nu Company"

Nur acht Prozent des weltweiten Kakaos kämen aus fairen Bedingungen. Eigentlich hätten die großen Schokoladenriesen schon beschlossen, dies bis 2005 zu ändern. "Es hat sich nichts getan", erklärt Fenner.

Hände halten Kakaofrucht die in zwei Hälften geschnitten ist
Viel Frucht, wenig Kakao, aufwendige Verarbeitung - von der Kakaofrucht zum fertigen Produkt ist es ein langer Weg. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Wir fordern den Mut, sich gegen das reine Profitstreben zu stellen. Wir fordern das Rückgrat bestehende Produkte aus dem letzten Jahrhundert, konsequent zu hinterfragen und wir fordern gemeinsame Regeln, die uns Menschen und den Planeten schützen.

Christian Fenner Chef des Schokoriegel-Herstellers "The Nu Company"

Wer ist "the nu company"? Die jungen Hersteller von "nucao" haben 2017 ihre in Dresden ihre eigene Manufaktur entwickelt. Schnell fassen die Produkte in Bioläden Fuß. Das Team wächst, zieht nach Leipzig. Die Produkte landen in den Regalen von DM und Rewe. Im Jahr 2019 wird aus "nucao" das Unternehmen "the nu company".

Quelle: MDR/kt/tl

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 21. Oktober 2021 | 16:30 Uhr

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