Vandalismus Strandkörbe am Cospudener See zerstört

Die Betreiberin des Strandkorbverleihs am Cospudener See gibt nach nur einem Monat auf. Die Geschäftsidee sei an Vandalismus gescheitert, so die Betreiberin. Regelmäßig seien die Strandkörbe nachts von Unbekannten besprüht, beschmiert und beschädigt worden. Konsequenz sei der Rückzug. Markkleebergs Oberbürgermeister Karsten Schütze bedauert den Schritt, das Problem sei freilich nicht neu. Vandalismus habe sogar zugenommen, trotz aller Vorkehrungen.

Strandkorb-Vandalismus Cospudener See
Nach nicht einmal einem Monat macht der Strandkorb-Verleih am Cospudener See wieder dicht. Innerhalb weniger Wochen war es immer wieder zu Zerstörung und Schmierereien gekommen. Bildrechte: privat

Verena Stockfisch resigniert. Ihr Traum von der Strandkorb-Vermietung am Cospudener See ist schon nach wenigen Wochen an der Realität gescheitert. Sechs der 14 Strandkörbe sind so stark beschädigt, dass sie kaum noch nutzbar sind, sagt die Betreiberin. Der Rest ist mit Graffiti beschmiert.

Strandkorb-Vandalismus Markkleeberger See
Mehrere Strandkörbe wurden innen und außen mit Graffiti besprüht. Bildrechte: privat

Erfolgreiches Geschäftsmodell

Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Die Geschäftsidee kam Stockfisch am Strand bei Wind und Sonne. Ihre Familie kommt aus Usedom und Stockfisch verbindet mit den Körben auch ein Stück Kindheitserinnerung. Also besorgte sie die Körbe aus Travemünde und stellte sie nach Pfingsten auf – mit großem Erfolg. "Der Preis wurde wunderbar angenommen", erzählt Stockfisch. "Die Körbe waren viele Wochenenden im Voraus ausgebucht."

Graffiti und Zerstörung

Doch gleich am ersten Wochenende wurde das Gitter eines Strandkorbs rausgerissen. "Ein Korb wurde mehr als 200 Meter weit fortgeschleift und dermaßen zerdroschen, dass wir ihn ausbessern mussten. Eines der Schlösser wurde aufgeflext. Es gab regelmäßig Schmierereien im Korb und außen. Am Männertag hat mein Lebensgefährte dann unten im Auto am Strand geschlafen und die Körbe bewacht." Eine Nacht ging das gut, aber es half nichts. Der Vandalismus ging weiter.

Strandkorb-Vandalismus Cospudener See
Ein Korb wurde mehr als 200 Meter weit fortgeschleift und zertrümmert. Bildrechte: privat

Den Kunden muss Stockfisch nun mitteilen, dass sie das Handtuch wirft. "Wir haben hier einen Mehrwert geschaffen. Strahlende Gesichter, tolle Gespräche – das fehlt mir."

Natürlich haben wir Vandalismus im Vorfeld einkalkuliert. Aber wir haben es nicht in der Intensität und Kürze der Zeit erwartet. Und das Gefühl, jeden Morgen mit Bauchschmerzen zu erwachen, die Ungewissheit, was man bei der Morgenrunde mit dem Hund entdeckt, das wollten wir uns nicht mehr zumuten.

Verena Stockfisch

Verena Stockfisch und Tochter in ihrem Strandkorb am Cospudener See.
Der Traum vom Strandkorb-Paradies ist für Verena Stockfisch geplatzt. Bildrechte: privat

Stadt hilflos

Die Stadt Markkleeberg reagiert mit einer gewissen Ohnmacht auf die immer wieder vorkommenden Beschädigungen.

Vandalismus ist ein großes Problem für uns. Wir haben jedes Jahr Schäden im hohen fünfstelligen Bereich zu verzeichnen. Das ist eine riesige Herausforderung für uns. Dass es sich hier nicht um einen Einzelfall handelt, sondern um permanenten Vandalismus, das ist schon sehr erschreckend.

Karsten Schütze Oberbürgermeister Markkleeberg

Laut Schütze patrouillieren bereits ein privater Wachschutz, Mitarbeiter des Betreibers Entwicklungsgesellschaft Gewerbe und Wohnen mbH (EGW), sowie Beamte von Polizei und Ordnungsamt abwechselnd am Strand. Man könne aber nicht gleichzeitig an jedem Ort sein.

Vandalismus nimmt zu

Wenn es nach Verena Stockfisch ginge, müsste die Stadt Markkleeberg stärker in die Fürsorgepflicht der Betreiberinnen und Betreiber am Cospudener See genommen werden. Sie fordert stündliche Patrouillen. "Die Pächter sind hier völlig schutzlos den Vandalen ausgeliefert. Wenn ich früh mit dem Hund Gassi gehe, muss ich schauen, dass er nicht durch Glasscherben geht." Sie befürchtet, dass sich die Lage noch verschlimmert, wenn die Buslinie bis in den Hafen verlängert wird.

Für Stockfisch ist der Vandalismus Zeichen eine gesamtgesellschaftlichen Entwicklung der Rücksichtslosigkeit. Von ähnlichen Fällen berichten auch die Betreiber an der Ostsee, sagt sie. Die Überreste ihrer Strandkörbe hat sie nun erstmal in Sicherheit gebracht, um sie zu reinigen und dann schweren Herzens zu verkaufen.

MDR (lt)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 28. Juni 2022 | 16:30 Uhr

7 Kommentare

Maria A. vor 5 Wochen

Was hat eine fehlende Kinderstube mit Wirtschaftswachstum zu tun? Ich behaupte, dass gerade Kinder von Leistungsträgern und Karrierebewussten zu allen Zeiten Respekt vor Privateigentum hatten. Hier geht es vorrangig um Sozialneid und in welcher Schicht der besonders zu finden ist, dürfte klar sein. Sicher, ab und an driften auch "Kapitalistenkinder" Richtung Leistungsunwilligkeit ab mit Drang zur Zerstörungwut oder gar Gesellschaftsbekämpfung. Aber bei allen diesen Auswüchsen würde weniger Verbreitung eintreten, würde der Staat drastischer dagegen einschreiten. "Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil", ist völlig zu Unrecht durch Sozialromantiker in Verruf geraten. Mit liebem Zureden oder durch bloßes Kopfschütteln wurde aus einem Vandalen noch nie ein umgänglicher Zeitgenosse gemacht...

peter1 vor 6 Wochen

Es ist nicht zu begreifen. Es wird der Cossi weiter schön gestaltet, zur Freude der Besucher. Eine tollte Idee. Andere stören sich daran und die Lösung heisst Zerstörung. Wohin sich die Gesellschaft bewegt, ist nicht mehr zu tolerieren!
Was passiert dagegen, nichts!!!
Widerlich, das Ganze!

Gohlis vor 6 Wochen

Schlimm. Tut mir wirklich leid für die Familie. Aber Achtlosigkeit oder sogar Feindseligkeit gegenüber den Werten anderer, im doppelten Sinne, ist leider eine Erscheinungsform des gesellschaftlichen Zeitgeistes. Die Sprayer und Vandalen, liebe Frau Stockfisch, meinen das nicht persönlich.

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