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Vermisstenfall Yolanda KlugNeue Zeugen und Hinweise zu Scientology in Dänemark

von Kripo live

Stand: 16. Oktober 2022, 11:00 Uhr

Im Vermisstenfall Yolanda Klug geht die Polizei zwei neuen Zeugenaussagen nach. Ermittelt werde weiter, ob Verbindungen zu Scientology mit ihrem Verschwinden zu tun haben. Hier wird eine Spur nach Dänemark verfolgt.

Seit drei Jahren vermisst

Im Vermisstenfall Yolanda Klug gibt es zwei neue Zeugen, die die Studentin aus Leipzig am Tag ihres Verschwindens gesehen haben wollen. Darüber berichtet das MDR-Fahndungsmagazin "Kripo live" am 16. Oktober in seiner Sendung um 19:50 Uhr.

Nach Angaben der Ermittler laufen Ermittlungen auch in Richtung der Scientology Organisation (SO) weiter, die in mehreren Bundesländern durch den Verfassungsschutz beobachtet wird. Eine Spur führt hier nach Auskunft der Leipziger Polizei nach Dänemark. Im Laufe der Ermittlungen wurde bekannt, dass Yolandas Familie der umstrittenen Organisation nahesteht.

Seit dem 25. September 2019 wird die damals 23-jährige Yolanda Klug vermisst. Sie hatte ihre WG in Leipzig verlassen, wollte zum Möbelhaus Ikea (Leuna OT Kötschlitz) und ist an diesem Tag verschwunden.

Rückblick: Yolandas Verschwinden im September 2019 (bitte aufklappen für mehr Informationen)

Yolanda Klug hatte gemeinsam mit ihrem Vater in der ersten Septemberhälfte 2019 einen Urlaub in Kalifornien verbracht. Dort hatte sie auch ihre zwei Jahre jüngere Schwester getroffen, die in Kalifornien lebt. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland hatte Yolanda Klug am 25. September gegen 15 Uhr ihre Wohngemeinschaft in der Körnerstraße in der Leipziger Südvorstadt verlassen. Sie wollte zum Möbelhaus IKEA nach Günthersdorf fahren und am Abend mit einer Freundin eine Veranstaltung auf dem Campus der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle besuchen. Den genauen Treffpunkt wollten die jungen Frauen telefonisch vereinbaren. Was nach dem Verlassen der WG, also in den Stunden ab zirka 15 Uhr passiert war, ist bis heute unklar. Fest steht: Um Mitternacht war Yolanda nicht in ihre WG zurückgekehrt und ihre Mitbewohner meldeten sie bei der Polizei als vermisst.

Spur nach Günthersdorf bei Leipzig
Die Polizei begann sofort mit der Suche nach der 23-Jährigen, denn nach Aussagen ihrer Mitbewohner hätte das Verschwinden auch eine medizinische Ursache gehabt haben können. Eine Annahme, die die Polizei später ausschloss. Polizeihunde verfolgten eine Spur der Vermissten von ihrer WG bis zum Südplatz in Leipzig, später auch bis zum Möbelhaus in Günthersdorf. Die Suche nach Yolanda hatte auch ihr Vater Peter Klug unterstützt. Am 29. September 2019 war er deswegen auch Studiogast bei "Kripo live". Anfang Oktober 2019 durchkämmte die Polizei mit einer Hundertschaft der Polizei, mit Hunden und Tauchern das Gebiet rings um das das Möbelhaus in Günthersdorf und den Saale-Elster-Kanal aber – ohne Erfolg.

Spur nach Halle
Polizeihunde hatten eine Spur von Yolanda Klug nach Halle zur Kunsthochschule Burg Giebichenstein verfolgen können. Ob die Studentin allerdings am Tag ihres Verschwindens tatsächlich, wie geplant, bei der Veranstaltung der Hochschule gewesen ist, scheint fraglich. Ihre Freundin hatte sie dort nicht getroffen. Andere Zeugen, die sie dort gesehen haben könnten, gibt es ebenfalls nicht. Die Polizei verfolgte die Spur dennoch und untersuchte eine am Tag nach dem 25. September 2019 zugeschüttete Baugrube. "Wir hatten einen Leichenspürhund eingesetzt, der im Kellerbereich der Burg angezeigt hatte. Daraufhin haben wir zahlreiche Ermittlungen unternommen. Wir haben einen Bodenradar über der Baustelle eingesetzt und auch über 30 Bohrungen gemacht, wo im Anschluss noch mal drei verschiedene weitere Leichenspürhunde eingesetzt wurden. Jedoch hatte keiner der Hunde eine weitere Spur angezeigt, sodass dieser Verdacht nicht weiter erhärtet werden konnte.", sagt Dorothea Benndorf, Pressesprecherin der Polizei in Leipzig.

Yolanda könnte auch zu einem früheren Zeitpunkt auf dem Campus der Kunsthochschule gewesen sein. Um das letztlich zu klären, sucht die Polizei noch immer nach Teilnehmern Veranstaltung, einer Filmvorführung zum Künstler Christo, am 25. September 2019.

Weitere offene Fragen
Yolandas Handy wurde am Tag ihres Verschwindens um 14:30 Uhr, also bevor sie zu IKEA aufgebrochen war, ausgeschaltet. Ob von ihr selbst oder von einer anderen Person, ist nicht bekannt. Das Umfeld von Yolanda wurde überprüft, Freunde und Familie befragt. Jedem noch so kleinen Hinweis waren die Ermittler nachgegangen. Konkrete Hinweise auf ein Verbrechen liegen bis heute nicht vor. Deshalb wird auch geprüft, ob Yolandas Verschwinden möglicherweise nur inszeniert worden ist und Yolanda lebt.

Zwei neue Zeugenhinweise

Eine Zeugin hat sich bei der Polizei gemeldet und berichtet, die Studentin am 25. September um etwa 15 Uhr in Leipzig an der Haltestelle HTWK gesehen zu haben. "Dort soll sie in Begleitung eines Mannes gewesen sein, der tätowiert war und auch über Ikea gesprochen haben soll. "Sie soll dann in die Straßenbahn in Richtung Wildpark gestiegen sein", sagt Dorothea Benndorf von der Polizei Leipzig. Der Wildpark liegt im Süden von Leipzig und nicht direkt auf dem Weg zu Ikea. Das Möbelhaus steht westlich von Leipzig.

An der HTWK-Haltestelle in Leipzig habe die Zeugin Yolanda gesehen, erklärte sie der Polizei. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der zweite neue Zeuge ist ein Berufskraftfahrer. Er will Yolanda am Tag des Verschwindens gegen 17:15 Uhr gesehen haben. Bislang war ein Busfahrer auf der Strecke Leipzig – Merseburg, die bei Ikea vorbeiführt, der letzte Zeuge, der die Vermisste am Nachmittag als Fahrgast in seinem Bus gesehen haben will. Nach Auskunft des neuen Zeugen hielt sich Yolanda auf dem Parkplatz im Gewerbegebiet bei Ikea in der Nähe eines dunklen PKWs auf. "Ob Yolanda in das Fahrzeug eingestiegen ist oder nur daran vorbeigelaufen ist, konnten wir bisher nicht ermitteln", sagt Dorothea Benndorf. Nach Auskunft des Zeugen hatte der PKW ein Kennzeichen aus dem Landkreis Esslingen. In dieser Region bei Stuttgart ist Scientology aktiv.

Spur zu Scientologie nicht neu

Mit den Verbindungen der vermissten Yolanda zur Organisation Scientology beschäftigt sich die Polizei auch weiter. Sowohl Yolandas Vater, als auch ihre Mutter und ihre Schwester stehen der umstrittenen Organisation nach Erkenntnissen der Ermittler nahe. Der Vater habe mehrfach Kurse auf einem Kreuzfahrtschiff der Organisation in der Karibik belegt und Yolandas Mutter bis mindestens 2016 als Pressesprecherin der Schweizer Niederlassung von Scientology gearbeitet. Jetzt lebt sie in Südafrika und ist auch dort für die Organisation tätig. Die jüngere Schwester von Yolanda ist in Kalifornien sogar Mitglied der SeaOrg, einer Eliteorganisation von Scientology. Nach Auskunft der Polizeisprecherin haben Befragungen von Angehörigen ergeben, dass auch Yolanda früher bei Scientology war, beziehungsweise dort einige Kurse belegt hatte.

Später hatte sie sich als einziges Familienmitglied von Scientology abgewandt und in einer Freikirche engagiert, bei der sie sich auch taufen ließ, wie eine Urkunde belegt. "Uns haben auch Informationen erreicht, die nach Dänemark führten, in Verbindung mit Scientology. Auch hier könnte ein Zusammenhang bestehen", erklärt Polizeisprecherin Benndorf. Sie betont, dass sich die Leipziger Ermittler von Verschwörungstheorien distanzieren und dem nachgehen würden, was ernst zu nehmen sei. Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben in alle Richtungen und hält es beispielweise für möglich, dass die Vermisste lebt und gegen ihren Willen festgehalten wird.

Scientology vom Verfassungsschutz beobachtet

Scientology bezeichnet sich selbst als Kirche und wurde in den 1950er-Jahren vom Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard gegründet. Scientology ist seit mehr als 50 Jahren auch in Deutschland aktiv. Kritiker wie Matthias Pöhlmann, der Weltanschauungsbeauftrage der Evangelischen Kirche Bayern, halten die Organisation für gefährlich: "Für mich ist Scientology eine totalitäre Psycho-Organisation, die sich ein religiöses Deckmäntelchen zulegt, um als Kirche auch zu erscheinen. Tatsächlich ist es nach meinem Eindruck eine doch sehr stark menschenverachtende Ideologie auch mit antidemokratischer Zielsetzung. Ich finde es sehr gut, dass der Verfassungsschutz Scientology beobachtet." Scientology wird seit 1997 in mehreren Bundesländern vom Verfassungsschutz beobachtet.

Inwieweit sich Yolanda Klug von Scientology entfernt hat und ob das eventuell zu einem Problem geworden ist, überprüfen die Ermittler. Dorothea Benndorf von der Polizeidirektion Leipzig teilt dazu mit: "Bisher haben wir keinen Nachweis, dass das Verschwinden von Yolanda tatsächlich mit Scientology zu tun hat. Gleichwohl können wir es aber auch nicht ausschließen, dass es damit zu tun haben könnte."

"Hier ist aber ganz klar zu betonen, dass wir uns von Verschwörungstheorien distanzieren und dem nachgehen, was ernst zu nehmen ist" erklärt Dorothea Benndorf von der Polizeidirektion Leipzig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Polizei bittet um Hinweise zu folgenden Sachverhalten

  • Die Polizei Leipzig bittet Teilnehmer der Herbstsession in der Hochschule Burg Giebichenstein, die am 25. September 2019 an der Filmvorführung zum Künstler Christo teilgenommen haben, um Hinweise.
  • Auch werden Zeugen gesucht, die auf dem kleinen Parkplatz an der Brücke Richtung Kötschlitz um ca. 17:15 Uhr Yolanda Klug oder einen dunklen BMW oder Mercedes, einen Kombi größeren Modells mit dunklen Scheiben und Esslinger Kennzeichen gesehen haben. Auch den Fahrer des Fahrzeuges möchte die Polizei gern sprechen.
  • Weitere mögliche Zeugen und vor allem der Mann mit dem Yolanda gegen 15 Uhr an der Haltestelle HTWK gesprochen haben soll, werden ebenfalls gebeten, sich zu melden.

Angaben zum als Zeugen gesuchten Mann:

  • circa 30 Jahre alt
  • circa 1,65 Meter groß
  • tätowiert
  • deutsches Erscheinungsbild

Hinweise bitte an die Polizeidirektion Leipzig, Telefon 0341-966-4 6666.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Kripo live | 16. Oktober 2022 | 19:50 Uhr