Stunde der Wintervögel Coole Vögel und großes Geflatter: Vogelzählaktion in Leipzig

Vom 6. bis 9. Januar 2022 findet die "Stunde der Wintervögel" statt. Der Naturschutzbund (NABU) und sein bayerischer Partner Landesbund für Vogelschutz haben dazu aufgerufen, eine Stunde lang Vögel zu zählen. Und das geht überall: vom Balkon oder Fenster aus, im Park oder mitten in der Stadt. Im vergangenen Jahr beteiligten sich der Umweltorganisation zufolge über 260.000 Menschen an der bundeweiten Aktion. Damit sei das Vogelzählen die größte wissenschaftliche Mitmachaktion in Deutschland. Unser Reporter Roland Kühnke hat sich nach Amsel, Drossel, Fink und vielen anderen Vögeln in Leipzig umgesehen.

Grafik mit Spatzen auf Holzpfählen zur Nabu-Vogelzählung
Bildrechte: MDR/MCS Grafik

Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung! Amsel, Drossel, Fink und Star; die ganze Vogelschar ist mir ein Buch mit sieben Siegeln. Ja, den Spatz in der Hand und die Taube auf dem Dach kenne ich, und auch ein paar andere schräge Vögel, aber das war es dann auch schon fast.

Elster: Kluger Vogel mit unverdient schlechtem Ruf

Macht nichts, meint René Siewert vom Naturschutzbund in Leipzig, auch mir könne die "Stunde der Wintervögel" schlagen. Und so lädt er mich ein, gemeinsam mit ihm Vögel zu zählen. Punkt 10 Uhr geht es los im Artur-Bretschneider-Park im Leipziger Stadtteil Eutritzsch. Mit dem markanten Schrei einer Elster, die wir zunächst nicht sehen, aber trotzdem notieren.

Elster an ihrem Futterplatz im Schnee
Besser als ihr Ruf: Elstern sind laut NABU nicht wesentlich am Rückgang der Singvogelbestände schuld. Bildrechte: imago/imagebroker

Ein kluger Vogel mit einem unverdient schlechten Ruf. Denn Elstern seien schuld daran, dass es immer weniger Singvögel gibt. "Ja, sie sind Nesträuber", erklärt mir René Siewert. "Sie fressen auch mal Vogeleier, doch in zu geringem Ausmaß, um wirklich für den Rückgang der Singvogelbestände verantwortlich zu sein", sagt Siewert weiter.

Das große Geflatter bleibt vorerst aus

In einem Gebüsch streiten ein paar Kohlmeisen. Vier zählen wir. Aufgeschrieben wird die jeweils höchste Zahl an gleichzeitig beobachteten Tieren. Wenig später werden wir sechs Meisen auf einem Baum ruhen sehen, dann werden die vier gestrichen, die sechs zählen.

Nach einer halben Stunde bin ich ein bisschen enttäuscht. Das große Geflatter und Gezwitscher bleibt nämlich aus. Wir haben lediglich ein paar Meisen, Spatzen und Elstern gesehen. NABU-Mann René Siewert beruhigt mich. Vögel seien Frühaufsteher, fressen sich satt und halten dann in der Tat hin und wieder eine kleine Siesta. Unsere gefiederten Freunde sind wahrscheinlich schon in der Mittagspause, erklärt er.

Blaumeise
Auch Blaumeisen können im Winter beobachtet werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Majestätischer Eichelhäher

Plötzlich wird es aufregend. Ein Garrulus glandarius, ein Eichelhäher schwebt von einer Baumkrone zur anderen. Den erkenne ich tatsächlich. An der charakteristischen schwarz-weißen Flügelzeichnung und den blau schillernden Flügeln. Majestätisch.

Kleiber: halb Meise, halb Specht

René Siewert macht mich dann noch auf einen Kleiber aufmerksam. Ein echt cooler Vogel. So groß wie eine Meise, benimmt sich aber wie ein Specht, weshalb er auch Spechtmeise genannt wird. Der einzige Vogel hierzulande, der auch kopfüber oder -unter klettern kann.

René Siewert schießt noch ein Foto. Eine Türken- und eine deutlich größere Ringeltaube, beinahe aneinandergeschmiegt auf einem Fensterbrett – ein Motiv, dass sich dem erfahrenen Vogel-Experten nicht alle Tage bietet.

Kleiber
Der Kleiber ist der einzige Vogel hierzulande, der auch kopfüber oder -unter klettern kann. Bildrechte: Colourbox.de

Guter Durchschnitt am Ende

Schneller als gedacht ist die Stunde rum, jetzt wird abgerechnet! Wir zählen insgesamt 13 verschiedene Vogelarten, insgesamt knapp 70 Tiere. Das sei guter Durchschnitt und das, was man zu dieser Zeit in einem Park wie diesem erwarten dürfe, erklärt René Siewert.

Offenbar schlägt nun doch auch für mich die Stunde der Wintervögel. Auf dem Weg zurück zum Auto ertappe ich mich, wie ich die Umgebung scanne, Ausschau halte nach Amsel, Drossel, Fink und Star und der ganzen Vogelschar…

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