Preisverleihung Waschen, schneiden, lesen: Preis für Friseur aus Leipzig

Lautes Vorlesen kostet viele Menschen Überwindung. Um schon Kinder zum Lesevortrag anzuregen, lässt ein Friseur aus Leipzig die junge Kundschaft beim Haarschnitt aus Büchern vorlesen. Für sein Projekt hat er jetzt den Deutschen Lesepreis bekommen.

Vorlesefriseur Danny Beuerbach aus Leipzig
Vorlesen beim Friseur: Der Leipziger Friseur Danny Beuerbach lässt Kinder beim Haarschneiden laut vorlesen. Bildrechte: Danny Beuerbach

Ein Friseur aus Leipzig hat am Mittwoch den Deutschen Lesepreis erhalten. Wie die Stiftung Lesen und die Commerzbank-Stiftung mitteilten, erhielt der Leipziger Danny Beuerbach den Preis in der ersten Kategorie "individuelles Engagement" für sein Projekts "BOOK A LOOK _ and read my book". Der Friseur schenkt Kindern einen Haarschnitt, wenn sie ihm während seiner Tätigkeit vorlesen. "Ein einfaches Konzept, das Lesebarrieren abbaut und Leselust steigert", heißt es in der Begründung der Stiftungen.

Lesen zwischen "Haushalt und Haarschnitt"

"Das Projekt ist mehr oder weniger durch Zufall entstanden", sagt Danny Beuerbach im Gespräch mit MDR SACHSEN. "Ich dachte mir, wenn ich selbst schon nicht zum Lesen komme, kann ich mir von den Kunden vorlesen lassen." Zuerst reagierten die Kundinnen und Kunden mit Ablehnung, bis Beuerbach Rabatte für das Vorlesen einräumte. Als dann die ersten Kinder vorlasen, merkte der Friseur, dass sie "zwischen Haushalt und Haarschnitt" auch zum Lesen angeregt werden.

Selbstbewusstsein stärken

Beuerbach hat selbst eine Lese-Rechtschreibschwäche und geht offen damit um. "Ich bin ein sauguter Schlechtleser", scherzt er. Ihm gehe es vor allem darum, dass die Kinder eine Selbstbewusstsein entwickeln und sich trauen, laut vorzulesen. Bisher habe er nur gute Erfahrungen gemacht. Auch wenn die Kinder zuerst scheu sind, überwinden sie sich später. "Das macht Kinder stolz", betont der Friseur.

Weitere Preise für Projekte in Sachsen Zwei weitere Preise der Stiftung Lesen gingen nach Sachsen. Die Lindenschule in Meerane erhielt den zweiten Preis in der Kategorie "Leseförderung an Schulen". Mit einer täglichen Lesezeit, Vorlesen, Buchvorstellungen, Lesungen, Bibliotheks- und Buchhandelsbesuche, Elternarbeit und ehrenamtlicher Einsatz, werde die "Leseförderung hier großgeschrieben", urteilt die Stiftungsjury.

In der Kategorie "kommunales Engagement" belegte das Zentrum für Lehrer:innenbildung und Schulforschung der Universität Leipzig den dritten Platz. Mit dem Projekt „VieLeS – Vielfalt im Lehramt und an Schulen“ wird Lehramtsstudierende seit 2020 im Klassenzimmer beigebracht, wie Schülerinnen und Schüler Spaß am Lesen entwickeln. 69 Studierende waren laut Universität Leipzig an 32 Schulen zur Unterstützung von Lese- und Schreibprozessen unterwegs.

Jedes fünfte Grundschulkind mit Problemen beim Lesen

Dass Lesen wichtig ist, weiß auch auch der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Jörg Maas. "Wer gut lesen kann, ist in der Lage sich gezielt zu informieren, Zusammenhänge zu erkennen und die richtigen Lebens- und Bildungsentscheidungen zu treffen. Doch zu viele Menschen in Deutschland haben Schwierigkeiten beim Lesen", so Maas.

Jedes fünfte Grundschulkind habe Probleme beim Lesen. Laut Stiftung seien sogar rund drei Millionen Kinder und Jugendliche lesebenachteiligt. "Diese Menschen müssen wir mit guten Initiativen erreichen", verlangt Maas. Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger hätten gezeigt, wie effektive Leseförderung gelingen kann.

Der Deutschen Lesepreis wird seit 2013 an 16 Personen und Einrichtungen vergeben, die sich für die Leseförderung einsetzen. Die Verleihung fand in diesem Jahr ausschließlich digital statt. Der Deutsche Lesepreis ist mit insgesamt 25.000 Euro dotiert.

Quelle: MDR/mar/lg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | In den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 03. November 2021 | 13:30 Uhr

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