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Wer seinen Freigänger kastrieren lässt, hilft, dass sich keine herrenlosen Hauskatzen vermehren und Hybride bei Wildkatzen entstehen. Bildrechte: Thomas Stephan, BUND

Weltkatzentag 8. AugustBUND Sachsen: Unkastrierte Freigänger gefährden Population von Wildkatzen

von MDR SACHSEN

Stand: 07. August 2022, 19:45 Uhr

Katzen sind in Deutschland beliebte Haustiere. Wer einen Stubentiger hat, trägt Verantwortung für ihn. Denn herrenlose Hauskatzen geben meist nicht nur ein erbärmliches Bild ab, sie können sich auch unkontrolliert vermehren und so die geschützte Wildkatzenpopulation gefährden, warnt der BUND Sachsen.

Wer seine freilaufende Katze kastrieren lässt, trägt zum Katzen- und Artenschutz bei, heißt es vom BUND Sachsen anlässlich des Weltkatzentages am 8. August. Denn: Unkastrierte Freigänger tragen zur Vermehrung von verwilderten Streunerkatzen bei.

Zwei Millionen herrenlose Katzen

Nach Angaben der Naturschützer gibt es bundesweit fast 17 Millionen Hauskatzen. Geschätzt seien aber auch zwei Millionen besitzerlose Streunerkatzen in Deutschland unterwegs. "Sie sind oft krank und unterernährt und vermehren sich rasant. Abgesehen von diesem Katzenelend erbeuten sie viel öfter Vögel und andere Tiere, weil sie nicht gefüttert werden", heißt es in einer Mitteilung.

BUND: Europäische Wildkatze bewahren

Ein weiteres Problem sei, dass sich verwilderte Hauskatzen mit der geschützten Europäischen Wildkatze paaren und sogenannte Hybride entstehen. "Diese gefährden die Wildkatzenbestände", sagt Almut Gaisbauer, Wildkatzenexpertin vom BUND Sachsen. "Untersuchungen der Genetik zeigen, dass die Wildkatzen im Leipziger Auwald, in Waldgebieten wie in der Eifel oder im hessischen Bergland noch echte Wildkatzen sind."

Indem sie ihre Hauskatzen kastrieren oder sterilisieren lassen, können alle Katzenfreunde ganz praktisch dazu beitragen, die Wildkatze zu schützen.

Almut Gaisbauer | BUND Sachsen

Doch in einigen Regionen Baden-Württembergs seien in den vergangenen Jahren besorgniserregend viele Hybridkatzen nachgewiesen worden. "In Schottland, als ein Extrembeispiel, gibt es mittlerweile nur noch Hybride und keine echten Wildkatzen mehr", so Gaisbauer.

Damit keine Hybriden in der Wildkatzenpopulation entstehen, ist es laut BUND wichtig, freilaufende Hauskatzen zu kastrieren. Bildrechte: Thomas Stephan,BUND

Finanzielle Unterstützung für Tierschutzvereine

Es sei also wichtig, wachsam zu bleiben. "Indem sie ihre Hauskatzen kastrieren oder sterilisieren lassen, können alle Katzenfreunde ganz praktisch dazu beitragen, die Wildkatze zu schützen", erklärt Gaisbauer. Auch das Einfangen, Kastrieren und wieder Freilassen von verwilderten Hauskatzen ist eine wichtige Maßnahme. Der Freistaat Sachsen unterstützt laut BUND seit diesem Jahr Tierschutzvereine finanziell mit 670.000 Euro im Jahr, um streunende Katzen zu kastrieren.

Europäische Wildkatze* Europäische Wildkatzen sind echte Wildtiere und streng geschützt.
* Hauskatzen stammen nicht von der Wildkatze ab, sondern von der Afrikanischen Falbkatze, die einst von den Römern nach Mitteluropa gebracht wurden.
* Wildkatzen unterscheiden sich optisch von Hauskatzen vor allem durch den buschigen Schwanz mit dunkel abgesetzten Ringen und die verwaschene, cremefarbene Färbung. Sie sind nicht zähmbar, ausgesprochen scheu und meiden menschliche Siedlungen.
* Schätzungen gehen von rund 6.000 bis 8.000 Wildkatzen in Deutschland aus.
* In Sachsen gab es Nachweise im Vogtland, der Dübener Heide, dem Leipziger Auwald und dem Werdauer Wald.BUND Sachsen

Die Leipziger Auwaldstation am Schlossweg 11 lädt am 14. August zu einem Wildkatzentag ein. Von 14 bis 17 Uhr gibt es Informatives und Spielerisches rund um das Thema. Das Angebot ist kostenfrei, um Voranmeldung wird gebeten.

MDR (ama)