Corona-Folgen für Kinder und Jugendliche Wieder richtig spielen! Wie Paul und seine Schwester Karla die Pandemie erleben

Eltern am Computer, wenige Freunde, Fußballspiele, die keinen Spaß machen – so lässt sich für den neunjährigen Paul Wachler aus Leipzig die Pandemie zusammenfassen. Seine Schwester Karla ist froh, dass die Kita die Gruppen nicht mehr strikt trennt. Bei ihrem ersten Corona-Schnelltest hat sie bitterlich geweint.

Paul und Karla
Corona nervt Paul und Karla aus Leipzig. Doch sie sind froh, dass sie sich, ihre Eltern und die anderen Kinder im Haus haben. Bildrechte: MDR/ Katrin Tominski

Paul lugt schüchtern in den Flur, bevor er aus der Küche austritt. Es ist das erste Interview für den Neunjährigen. "Er hat sich jetzt extra noch etwas Gutes angezogen", erklärt sein Vater, bevor er in der Küche beginnt das Abendessen vorzubereiten. "Geht ruhig in das Wohnzimmer", sagt die Mutter und schiebt uns in den kaminfeuerwarmen Raum. Die kleine Schwester Karla kommt hinterher. "Darf sie mit dabei sein?" "Ja, natürlich!" Paul setzt sich im Schneidersitz auf die Couch, seine Schwester schiebt sich daneben. Die Eltern bleiben in der Küche. Es kann losgehen.

Der Computer als Konkurrent

Was hat sich also verändert? Paul muss nicht lange nachdenken. "Für mich hat sich ziemlich viel verändert. Alles ist geschlossen, alles muss bestellt werden. Das nervt, wenn Mama und Papa immer vor dem Handy und dem Computer sitzen."

Pauls Mutter sitzt seit Monaten im Homeoffice. "Ja, sie muss arbeiten, doch es ist trotzdem doof." Paul muss sich erst mal anlehnen. Seine Schwester lehnt sich auf. "Darf ich auch mal etwas sagen", meldet sich die sechsjährige Karla. "In der Kita sind so wenig Kinder und Erzieher. Und wir dürfen nicht zur gleichen Zeit raus, das macht gar keinen Spaß mehr."

Fußball ohne Spaß

Paul hakt ein: "Ja, so ähnlich ist das bei uns auch." Pauls Grundschule ist klein und familiär, nur 64 Kinder sind dort gemeldet. "Wegen Corona kommen jetzt immer nur 32 Kinder aus der zweiten und dritten Klasse", erzählt Paul. "Doch Fußball ohne die vierte Klasse macht gar nicht so richtig Spaß."

Paul und Karla
Paul wollte gern über seine Corona-Situation reden. Er kennt den Unterschied zwischen Bakterien und Viren und weiß, dass man ein besonderes Mikroskop braucht, um das Coronavirus zu sehen. Bildrechte: MDR/ Katrin Tominski

Gespaltene Gefühle zum Wechselunterricht

Zum Wechselunterricht hat Paul gespaltene Gefühle. Dass seine Mutter sichtbar ist, aber nicht gleichzeitig hundertprozentig da sein kann, beschäftigt ihn. "Im Wechselunterricht lerne ich zwischendurch zu Hause", erzählt er. "Doch wenn der Papa nicht da ist, muss ich viel allein machen. Mama sitzt oft am Telefon." Seine Schwester hört ihm aufmerksam zu. Plötzlich lächelt Paul.

Doch wenn sie Zeit haben, macht Wechselunterricht mit Mama und Papa echt Spaß. Sie erklären uns viel und reagieren sofort. Ich muss nicht immer warten, bis ich dran bin.

Verschobene Geburtstage

Die Wangen der sechsjährige Karla sind gerötet. Sie schnippt fast mit dem Finger, will unbedingt auch endlich mal wieder etwas sagen. "Wegen der Pandemie können wir auch gar nicht richtig unseren Geburtstag feiern", erklärt Karla. "Schon zweimal musste ich meine Feier verschieben", erzählt auch Paul.

Wie schwer sind die Corona-Regeln umzusetzen?

Und die Corona-Regeln? Fällt es schwer, sie umzusetzen? "Wir halten uns daran, deswegen haben wir keine Angst", erklärt Paul. "Trotzdem wünschen wir uns nicht, dass es unsere Eltern trifft – oder jemanden, den wir kennen."

Corona ist ziemlich doof.

Unangenehme Tests

Paul trägt in der Schule Maske, wie die anderen Kinder und die Lehrer auch. Das kommt auch auf Karla zu, wenn sie in diesem Jahr als Erstklässlerin die Schule beginnt. Die Maske stört Paul weniger, unangenehmer findet er die Tests. "Ich finde es doof, dass wir uns zweimal in der Woche testen lassen müssen", erklärt Paul. Die Tests seien "total unangenehm". Karla stimmt ein: "Ja, Tests sind echt blöd."

Das kann Bruder Paul aber doch nicht so stehen lassen. "Dass du neulich so ein Theater gemacht hast, hat mir nicht gefallen", mahnt er seine Schwester. "Es war schon übertrieben, dass du so geschrien hast." Karla, war das doof für dich? Das hellwache blonde Mädchen dreht sich verschämt weg: "Man musste fünfmal drehen. Das hat wehgetan."

Paul und Karla
Karla hat mit ihrem ersten Schnelltest gekämpft. Und liebt den Garten am Haus. Bildrechte: MDR/ Katrin Tominski

Wünsche für die Zukunft

Die Wohnzimmertür öffnet sich. Der Vater kündigt in "fünf Minuten" das Abendessen an. "Corona sieht aus wie ein Igelfisch, nur rot", erklärt Karla und rollte Daumen und Zeigefinger zusammen, dass ein klitzekleines Luftloch darin entsteht. "Und Corona ist so klein", sagt sie und versucht durch das stecknadelgroße Daumenloch zu lugen. Paul schüttelt den Kopf. "Nein, Corona ist zu klein, das können wir nicht sehen, auch nicht mit einem normalen Mikroskop", erklärt der Neunjährige. "Ich wünsche mir, dass Corona aufhört." In Tübingen verhielten sich die Leute, als "gebe es kein Corona". Die Schnelltests seien ja auch nicht hundertprozentig sicher. Damit die Pandemie verschwinde, sei es gut, wenn "sich alle zusammen an die Regeln halten." Paul ist erstaunlich gut informiert, er kennt auch die Unterschiede zwischen Viren und Bakterien und viele weitere Details zur Pandemie.

Paul und Karla
Zwei Herzen, eine Seele: Der große Bruder Paul passt auch in der Pandemie bestens auf seine Schwester Karla auf. Bildrechte: MDR/ Katrin Tominski

Abschalten möglich?

Und, können die Kinder auch mal abschalten? "Wir müssen eigentlich jeden Tag an Corona denken", sagt Paul mit ernstem Gesicht. "Entweder wegen der Regeln oder weil wir Freunde vermissen." Karla sitzt daneben und nickt. Könnt ihr euch trotzdem freuen: "Nicht so richtig", sagt Paul und schüttelt den Kopf. Und der Garten? Die Minen hellen sich wieder auf. "Wir haben den größten und schönsten Garten im Viertel", freut sich Karla. "Ja, und gestern haben wir mit den anderen Kindern im Haus im Wald daneben Verstecken und Abenteuer gespielt", fährt es fröhlich aus Paul heraus.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 04. Mai 2021 | 20:00 Uhr

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Ein Auto fährt auf regennasser Straße über den Ring in Leipzig. 1 min
Bildrechte: dpa
23.09.2021 | 11:37 Uhr

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Do 23.09.2021 09:04Uhr 00:26 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/halle/audio-1842938.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio
Sechs Arme mit hochgestrecktem Daumen vor heiterem Himmel 1 min
Bildrechte: Colourbox.de
23.09.2021 | 11:34 Uhr

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Do 23.09.2021 09:04Uhr 00:33 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/halle/audio-1842920.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Mehr aus Sachsen