Zoo Leipzig Wie der Umbau des Aquariums trotz Hindernissen gelang

Das 1910 gebaute Aquarium im Zoo Leipzig ist in den vergangenen drei Jahren umgebaut worden. Im Februar wurde es groß wiedereröffnet und von den Besuchern begeistert angenommen. Doch wie kann man ein teilweise unter Denkmalschutz stehendes, marodes Aquarium fit für die Zukunft machen?

Ein Oman-Kuhnasenrochen schwimmt in einem Becken im Aquarium des Zoo Leipzig.
Ein Oman-Kuhnasenrochen schwimmt im Ringbecken des Aquariums Bildrechte: dpa

Es musste etwas passieren im Aquarium des Leipziger Zoos, dem zweitältesten öffentlichen Aquarium in Deutschland. Der Zahn der Zeit nagte an und in ihm, Salzwasser hatte sich ins Gemäuer gefressen, die Technik war veraltet und durchs Dach tropfte Regen. Doch ein Aquarium umzubauen, ist kein leichtes Unterfangen: Allein der Umzug der Tiere stellt eine logistische Herausforderung dar. Die Bereichsleiterin im Aquarium, Martina Hacker, war mit ihrem Team dafür verantwortlich, dass rund 3.000 Tiere mit Beginn des Umbaus auszogen.

3.000 Tiere müssen ausziehen

Einige ihrer Tiere verbrachten die Bauzeit in eigens aufgebauten Zwischenbecken auf dem Zoogelände. In den Katakomben des Gondwanalands fanden sie ein provisorisches Zuhause.

Die Tiere wohnen jetzt im Gondwanaland unten im Keller. Da haben wir große Pools und auch eine ganze Menge kleine Becken aufgebaut.

Martina Hacker Bereichsleiterin im Aquarium

Andere Tiere wurden an Aquarien und Zoos in ganz Deutschland abgegeben, wie zum Beispiel der kapitale Zackenbarsch aus dem Ringbecken. Nach vielen Jahren verließ er Leipzig, wie auch Meeräschen, Makrelen und Schwellhaie. Ende 2018 war das Aquarium leergeräumt, der Umbau konnte beginnen.

Ein Zackenbarsch 2 min
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Florian Brandt im Keller des Gondwanalandes 2 min
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Kriegsschäden und Neuaufbau

Rückblick: Von Anfang an ist das Aquarium eine beliebte Anlaufstelle im Leipziger Zoo. Gegründet wird es 1910 vom damaligen Direktor Johannes Gebbing, der sich mit den Extra-Eintrittsgeldern einen Nebenverdienst zum Direktorengehalt sichert. Für ein paar Pfennige können Erwachsene und Kinder Fische, Schlangen, Riesensalamander und Krokodile bestaunen. Erst 1930 wird das Gebäude an die Stadt Leipzig verkauft.

Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg hinterlassen auch im Zoo deutliche Schäden. Der ehemalige Leiter des Aquariums Lothar Dudek erinnert sich: "Das Aquarium hat Ende 1943 und Anfang 1945 Bombentreffer gekriegt. Das sah ziemlich böse aus." Doch diese Schäden bedeuten nicht das Ende des Hauses. Nach und nach wird es wiederaufgebaut, modernisiert und erweitert.

Inspiration aus Japan

Anfang der 1990er-Jahre kommt der Bau eines ungewöhnlichen Ringbeckens hinzu. Der damalige Direktor Siegfried Seifert hatte ein solches Aquarium in Japan gesehen. Doch nicht jeder im Zoo teilt damals seine Begeisterung.

Da waren alle mächtig skeptisch. Das Problem war, dass man in ein Ringaquarium ja irgendwie reinkommen muss. Darum ist es in die erste Etage gesetzt worden. So konnte man von innen hochsteigen.

Lothar Dudek ehemaliger Leiter des Aquariums

Eingangsbereich vom Aquarium des Zoologischen Gartens.
So sah das historische Aquarium in den 1930er Jahren aus (Archivbild). Bildrechte: imago/Arkivi

Nicht nur das Ringbecken wird nun von Grund auf saniert. Im Juni 2020 wird die Scheibe für ein neues Panoramabecken geliefert. Sie wiegt mehr als sieben Tonnen und misst elf Meter Länge. Für die Fertigstellung des Aquariums ist sie ein wichtiges Bauelemnt, denn das 120.0000 Liter fassende Panoramabecken mit der Überkopf-Scheibe soll das Highlight des Hauses werden.

Die Panoramascheibe wird geliefert 4 min
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4 min

Mo 02.05.2022 08:14Uhr 03:30 min

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Riesenbaustelle präzise koordinieren

Uta Oberländer ist die Bauleiterin und zuständig dafür, dass der gesamte Umbau wie eine präzise Choreografie über die Bühne geht.

Man hat so ein Riesen-Orchester, wo natürlich die Chefs, der Bauherr selbst und viele Firmen mitspielen. Dieses Werk muss man dann in der Planung zusammenbekommen. Das ist die große Herausforderung.

Uta Oberländer Bauleiterin

Andere, unvorhersehbare Herausforderungen warten auf die Bauleiterin. Vor allem die Corona-Pandemie macht eine funktionierende Planung zur Herkules-Aufgabe.

Immer wieder muss der Leipziger Zoo während der Pandemie ganz oder teilweise schließen. Die Modernisierung des Aquariums gerät dadurch ins Stocken. Ursprünglich soll die sanierte Anlage noch vor Weihnachten 2021 fertig sein. Doch die sächsischen Corona-Bestimmungen lassen dies nicht zu.

Das Aquarium des Zoo Leipzig
Der Treppenaufgang zum neu gestalteten Ringbecken. Bildrechte: dpa

Finanzierung des Umbaus

Der Umbau und die Sanierung des Aquariums für 12,5 Millionen Euro wurde im Rahmen des Masterplans Zoo der Zukunft zwischen 2019 und 2021 umgesetzt. Der Freundes- und Förderverein sicherte dem Zoo von Beginn an finanzielle Unterstützung zu. Ziel des Fördervereins war es, für das Projekt insgesamt zehn Prozent der Baukosten mittels Spendengelder aufzubringen. Bislang konnte das Projekt mit insgesamt 1,4 Mio. Euro unterstützt werden.

Tiere kehren zurück ins neue Zuhause

Anfang 2022: Obwohl noch überall geschraubt und gesägt wird, kümmern sich Martina Hacker und ihr Team schon um die Gestaltung der großen Schau-Becken. Eile ist geboten, denn drei Jahre nach Auszug sollen die Tiere nun so schnell wie möglich zurückkehren.

Unter den Bewohnern der 29 Becken gibt es auch einige Neuankömmlinge zu entdecken, wie beispielsweise 60 Ohrenquallen. Bis zu 40 Zentimeter Schirmdurchmesser sollen die Tiere einmal erreichen, wenn sie ausgewachsen sind. Doch zunächst steht ihr Einzug an und das heißt: sichergehen, dass sich die Neuen wohl fühlen.

Im Quallenbecken
Neuzugänge im Quallen-Becken. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Tierpfleger Florian Ludwig geht im Panoramabecken regelmäßig auf Tauchstation – dirigiert von seiner Kollegin Martina Hacker 2 min
Tierpfleger Florian Ludwig geht im Panoramabecken regelmäßig auf Tauchstation – dirigiert von seiner Kollegin Martina Hacker Bildrechte: MDR
2 min

Mo 02.05.2022 08:16Uhr 01:51 min

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Die langersehnte Eröffnung

Dann ist es endlich soweit: Am 11. Februar wird das Aquarium feierlich eröffnet. Die Besucher staunen über die neuen Attraktionen: Auf dem Aquariumsvorplatz empfängt sie eine große Koi-Teichlandschaft, bevor es in den zweistöckigen Rundbau geht. Ein imposanter Treppenaufgang führt zum neugestalteten 360-Grad-Ringbecken. Dort tummeln sich nun unter anderem Schaufelnasen-Hammerhaie und Kuhnasenrochen.

Die feierliche Eröffnung 2 min
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2 min

Fr 29.04.2022 12:00Uhr 01:37 min

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Wie erhofft, ist das neue Panoramabecken die Attraktion des Hauses und bietet ungewöhnliche Einblicke in einen überfluteten südamerikanischen Tropenwald. Das erstmals gezeigte Quallen-Aquarium entschleunigt, eine Besucher-Kuppel im sogenannten Nemo-Becken erfreut nicht nur kleine Besucher. Sie ist - genau wie eine Forschungsstation über das Ökosystem Tiefsee - eine weitere Neuheit.

Historisches Aquarium im Zoo Leipzig wiedereröffnet
Ein echter Hingucker: Das Panorama-Becken im Aquarium Bildrechte: Zoo Leipzig

Baupläne und der Denkmalschutz

Das neue Aquarium offenbart aber auch einen gravierenden Mangel: Menschen mit Geheinschränkungen - beispielsweise Rollstuhlfahrer - kommen nicht in die obere Etage. Ihnen bleibt der Blick auf das neu gestaltete Panoramabecken verwehrt, weil kein Fahrstuhl eingebaut werden konnte. Der Zoo verweist auf bau- und genehmigungsrechtliche Gründe sowie Fluchtwege und Brandschutz. "Bautechnisch gibt es leider keine andere Lösung, ohne auch die komplette Architektur des Gebäudes zu zerstören", sagt Sprecherin Melanie Ginzel.

Neuer Fokus: Erhaltungszucht bedrohter Arten

Mit der Modernisierung geht auch die inhaltliche Neuausrichtung des Aquariums einher: Der Fokus soll nun auf tropischen und subtropischen Meer- und Süßwasserlebensräume und deren Bewohner sowie auf die gezielte Erhaltungszucht bedrohter Fischarten gerichtet werden.

Chefin Martina Hacker ist zufrieden mit "ihrer" neu entstandenen Unterwasserwelt. Erschöpft aber glücklich resümiert sie:

Es ist ein schönes Gefühl. Die Leute sind endlich wieder da, jetzt sind tatsächlich nicht nur die Becken mit Leben gefüllt.

Martina Hacker Bereichsleiterin Aquarium

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke, wo du lebst | 10. Mai 2022 | 21:00 Uhr

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