Friedliche Revolution Dezentrales und interaktives Konzept für "Lichtfest Leipzig"

In diesem Jahr soll das Lichtfest nicht nur auf dem Leipziger Augustusplatz stattfinden, stattdessen sind mehrere dezentrale Gedenkveranstaltungen geplant. So werden am 9. Oktober auch der Burgplatz und der Richard-Wagner-Platz Teil der interaktiven Erinnerungskultur. Außerdem finden wieder das Friedensgebet und die "Rede zur Demokratie" in der Nikolaikirche statt. Die Rede hält dieses Jahr der Kiewer Bürgermeister und ehemaliger Profiboxer Vitali Klitschko.

Illustration - Lichtfest Leipzig 2021
Auf dem Leipziger Richard-Wagner-Platz wird mit "89 Stimmen" die Perspektive ostdeutscher Frauen nach der Wiedervereinigung sichtbar. Bildrechte: Loomaland

Leipzig erinnert auch in diesem Jahr mit mehreren Veranstaltungen an die entscheidende Montagsdemonstration gegen das DDR-Regime vom 9. Oktober 1989. Das Gedenken beginnt traditionell mit einem Friedensgebet in der evangelischen Nikolaikirche, wie die Stadtverwaltung und die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH am Montag mitteilten. Die sich anschließende Rede zur Demokratie wird der Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew, der ehemalige Profiboxer Vitali Klitschko, halten.Predigen wird der Pfarrer und Bürgerrechtler Stephan Bickhardt; er ist Direktor der Evangelischen Akademie Meißen.

Friedensgebet: "Demokratie, die weitergeht"

Doch nicht nur das Gedenken soll am 9. Oktober im Mittelpunkt stehen. Auch aktuelle politische Geschehnisse sollen ihren Platz finden: Ina Rumiantseva vom Verein Belarusische Gemeinschaft RAZAM wird ein Jahr nach den Protesten infolge der umstrittenen Wahl vom August 2020 über Weißrussland sprechen. Die Aktivistin ist Organisatorin eines regelmäßigen Friedensgebets für Belarus in der Berliner Gethsemanekirche. Für die musikalische Begleitung sorgt Pfarrer, Liedermacher und Autor Clemens Bittlinger mit Band.

Der 9. Oktober knüpft an die leisen Gedanken und lauten Parolen von damals an. Ein Tag des Erinnerns, des Austauschs und der Begegnung, der inspiriert zu einem liberalen und angemessenen Umgang miteinander, mit dem die demokratische Aushandlung gemeinsamer Anliegen gelingen kann.

Burkhard Jung Oberbürgermeister der Stadt Leipzig

Personen mit Plakaten zum Lichtfest Leipzig 2021
Am Montag stellten Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (re.), die Leiterin des Lichtfestes, Marit Schulz (2.v.re.), sowie einige Künstler das neue Konzept vor. Bildrechte: LTM / PUNCTUM Alexander Schmidt

Erstmalig nicht nur auf dem Augustusplatz

In diesem Jahr findet das Lichtfest erstmals dezentral statt - an mehreren Orten innerhalb des Innenstadtrings. Die Stadt plant Lichtinstallationen auf dem Augustusplatz, dem Burgplatz und dem Richard-Wagner-Platz. Besucherinnen und Besucher können so den ganzen Abend nutzen, um alle Installationen und die Kerzen-89 in loser Reihenfolge aufzusuchen. Die Kerzen-89, die traditionell von den Besuchenden zum Leuchten gebracht wird, steht diesmal auf dem Nikolaikirchhof.

Schon 2020 fand das Lichtfest wegen der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt mit Tausenden Besuchern auf dem zentralen Augustusplatz statt. Alternativ versammelten sich 250 geladene Gästen auf dem Nikolakirchhof.

Drei Perspektiven und lokale Partnerschaften

Unter dem Leitgedanken "Das Licht breitet sich in der Stadt aus" werden der Augustusplatz, der Burgplatz und der Richard-Wagner-Platz am 9. Oktober zu sogenannten Lichtorten. Künstlerteams aus Deutschland, Ungarn und Spanien zeigen dort ihre Perspektive auf den Herbst 1989. Alle Künstlerinnen und Künstler haben lokale Partnerschaften aus der Stadtgesellschaft, darunter unter anderem Bunte Gärten Leipzig, das Freie Gymnasium Borsdorf sowie die Kunststofferei Leipzig.

Die intensive Zusammenarbeit wurde von allen als bereichernd und inspirierend empfunden. Eine weitere Möglichkeit der Partizipation besteht am 9. Oktober, wenn Besucherinnen und Besucher aktiv Teil der Installationen werden.

Marit Schulz Leiterin "Lichtfest Leipzig"

Illustration - Lichtfest Leipzig 2021
300 weiße Banner stehen am Augustusplatz bereit. Diese können die Besucher dafür nutzen, ein Bild, das sonst nur frei in der Luft schweben würde, einzufangen. Bildrechte: Glowing Bulbs

  • Augustusplatz: Glowing Bulbs (Ungarn/USA) mit "WIR SIND" - Zwanzig Laserprojektoren projizieren ein zusammenhängendes Bild von einem Turm auf weiße Leinwände, die von Besuchern gehalten werden
  • Burgplatz: Brut Deluxe (Spanien) mit "Ring (do/undo/redo)" - Eine begehbare, dynamisch beleuchtete Rotunde mit rund zehn Metern Durchmesser und drei Metern Höhe
  • Richard-Wagner-Platz: Loomaland (Deutschland) mit "89 Stimmen" - ein offenes Labyrinth aus Zitaten, das erst sichtbar wird, wenn Besuchende es betreten

Erinnerung an die Friedliche Revolution von 1989

In Leipzig waren am Abend des 9. Oktober 1989 nach einem Friedensgebet in der Nikolaikirche mehr als 70.000 Menschen über den Innenstadtring gezogen und hatten friedlich gegen das SED-Regime demonstriert. Der Massenprotest gilt als entscheidende Wegmarke der friedlichen Revolution in der DDR. Wenige Wochen später fiel die Berliner Mauer.

Quelle: MDR/bb/sm/dpa

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 20. September 2021 | 16:30 Uhr

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