Überfälle in Sachsen und Thüringen Anklage gegen Lina E. und weitere mutmaßliche Linksextremisten aus Leipzig

Seit sechs Monaten sitzt die Leipziger Studentin Lina E. in U-Haft. Sie soll nach Ansicht des Generalbundesanwaltes eine linksextremistische Gruppe bei Anschlägen und Aktionen in Sachsen und Thüringen angeführt haben. Am Freitag wurde Anklage erhoben. Dabei wurden auch Details bekannt, was die Ermittler Lina E. und drei ihrer Komplizen vorwerfen. Gegenstand der Anklage sind unter anderem Übergriffe im Oktober 2018 in Wurzen, im Januar 2019 in Leipzig-Connewitz und im Oktober 2019 in Eisenach.

Eine Gruppe schwarz gekleideter Mensch läuft mit einem Bengalo-Feuer in der Hand durch eine Straße
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Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen vier mutmaßliche Linksextremisten aus Leipzig erhoben. Der Studentin Lina E. sowie den drei weiteren Beschuldigten Lennart A., Jannis R. und Jonathan M. wird unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Die Verhandlung findet vor dem Oberlandesgericht Dresden statt. Ein Termin steht noch nicht fest.

Liste der angeklagten Straftaten ist lang

In der 26 Jahre alten Lina E. sehen die Ermittler die treibende Kraft der Gruppe. Ihr werden Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung in einem Fall, gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung in vier Fällen und besonders schweren Landfriedensbruch vorgeworfen. Dazu kommen räuberischer Diebstahl, Sachbeschädigung und Urkundenfälschung.

Die anderen drei Angeschuldigten müssen sich wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, Urkundenfälschung und schweren Landfriedensbruch sowie in einem Fall Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung verantworten.

Wer ist die Gruppierung um Lina E.? - Die nach Leipzig zugezogene Lina E., Studentin der Erziehungswissenschaften, soll sich laut Anklageschrift spätestens im August 2018 der in Leipzig gegründeten linksextremistischen Gruppe angeschlossen haben.
- Alle Mitglieder sollen eine militante linksextremistische Ideologie geteilt, den demokratischen Rechtsstaat abgelehnt haben, ebenso das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und das staatliche Gewaltmonopol.

- Die auch überregional vernetzte Vereinigung soll gewaltsame Angriffe auf Personen durchgefüht haben, die aus ihrer Sicht der "rechten Szene" angehörten. Die Aktionen seien intensiv vorbereitet worden. Sie schlossen etwa im Vorfeld die Ausspähung der Lebensgewohnheiten der späteren Opfer ein.
- Lina E. soll seit Beginn ihrer Mitgliedschaft eine herausgehobene Stellung in der Gruppe eingenommen haben. Sie übernahm laut Anklage bei körperlichen Übergriffen das Kommando, bereitete die Ausführung vor und stellte ihr Auto als Fluchtfahrzeug zur Verfügung.
- Die Angeklagten Jannis R. und Jonathan M. schlossen sich der Vereinigung spätestens im September 2019 an. Lennart A. wurde spätestens im Dezember 2019 Mitglied.

- Lina E. wurde am 5. November 2020 auf Grund eines Haftbefehls des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs festgenommen. Sie sitzt seitdem in U-Haft. Die anderen drei Beschuldigten sind auf freiem Fuß.

Diese Taten listet die Anklage gegen die linksextremistische Gruppe auf:

  • Am 30. Oktober 2018 Überfall zu fünft auf eine der rechten Szene zuzurechnenden Person in Wurzen. Das Opfer wurde demnach durch Sprünge in den Rücken zu Fall gebracht und gewürgt. Die Angeklagten sollen ihm Schläge unter anderem gegen den Oberkörper und den Kopf mit Fäusten und Teleskopschlagstöcken versetzt haben. Das Opfer erlitt laut Anklage potenziell lebensbedrohliche Verletzungen. Lina E. soll die Tatausführung unterstützt haben, indem sie vorab die Umgebung des Tatorts auskundschaftete.

  • Am 8. Januar 2019 soll Lina E. mit vier weiteren Angreifern eine Attacke auf eine Person in Leipzig-Connewitz verübt haben. Dabei wurde der Geschädigte mit Faustschlägen zu Boden gebracht und mit Tritten und Schlagwerkzeug gegen Kopf und Rumpf potenziell lebensgefährlich verletzt. Während des Angriffs hielt Lina E. den Ermittlungen zufolge andere Personen mit Reizgas davon ab, zu Hilfe zu eilen.

  • Am 19. Oktober 2019 sollen die Angeschuldigten Lina E., Jannis R. und Jonathan M. mit etwa zehn bis 15 weiteren Personen einen Anschlag auf den Inhaber und fünf Besucher einer Gaststätte in Eisenach in Thüringen verübt haben. Die Gaststätte galt als Treffpunkt der rechten Szene. Lina E. und Jonathan M. drangen laut Anklage mit anderen in die Räume ein und griffen ihre Opfer mit Schlagstöcken, Reizstoffsprühgeräten und Faustschlägen an und fügten ihnen hierdurch zum Teil erhebliche Verletzungen zu. Zudem zerstörten sie mutmaßlich Fensterscheiben und Teile des Inventars. Währenddessen sollen Jannis R. und andere Personen aus der Gruppe der Angreifer den Zugang zur Gaststätte bewacht haben.

  • Zur Vorbereitung eines weiteren körperlichen Angriffs auf den Inhaber der Eisenacher Gaststätte stahl die Angeschuldigte Lina E. den Ermittlern zufolge am 13. Dezember 2019 aus einem Leipziger Baumarkt zwei Hämmer. Dabei wurde sie von einem Security-Mitarbeiter angehalten. Um zu entkommen und die Hämmer zu behalten, stieß Lina E. dem Mitarbeiter demnach in den Bauch und riss sich von ihm los. Kurze Zeit später konnte sie gestellt werden.

  • Tags darauf setzte Lina E. mit mindestens sieben weiteren Tatgenossen, darunter der Angeschuldigte Lennart A., den von der Vereinigung für den 14. Dezember 2019 geplanten Angriff auf den Inhaber der Gaststätte nach Ansicht des Generalbundesanwaltes um. Hierzu observierte die Gruppe die Gaststätte und folgte dem Opfer in der Nacht bis zu dessen Wohnung in Eisenach. Während Lina E. Reizgas sprühte, sollen die anderen auf den Geschädigten mit Schlagstöcken, Hammer, einem Radschlüssel und Stangen eingeschlagen haben.


Anschließend griff die Gruppe demnach auch die drei Begleiter des Opfers an, die sich in ihr Auto geflüchtet hatten. Mit Schlagwerkzeugen beschädigten die Angreifer den Pkw, versprühten Reizstoff ins Fahrzeuginnere und schlugen mehrfach mit Fäusten auf die Geschädigten ein. Diese wurden dabei erheblich verletzt. Lina E. kommandierte laut Anklage die Aktion und sorgte zusammen mit Lennart A. für deren Koordination. Der Angeschuldigte Jonathan M. stellte hierfür ein Auto zur Verfügung.

  • Am 15. Februar 2020 sollen sich die Angeschuldigten Lina E., Jannis R. und Jonathan M. als Teil einer aus insgesamt etwa 15 bis 20 Personen bestehenden Gruppe an einem Überfall auf sechs Leute am Bahnhof in Wurzen beteiligt haben. Die Opfer waren auf dem Rückweg von einer Gedenkveranstaltung in Dresden zum 75. Jahrestag der Bombardierung der Stadt. Sie gehörten zum Teil dem äußeren Anschein nach zur "rechten Szene". Zur Ausführung der Tat überwachten Lina E. und ein weiterer Mittäter die später Geschädigten auf deren Zugfahrt von Dresden nach Wurzen.


Dort angekommen, wurden die Opfer von den ihnen zahlenmäßig überlegenen Angreifern, darunter Jannis R. und Jonathan M., aus einem Hinterhalt offenbar abgepasst. Als sie die Flucht ergriffen, setzten ihnen die Angreifer mit Schlagwerkzeugen und Pfefferspray nach. Vier der Angegriffenen wurden unter anderem mit gegen den Kopf zielenden Schlagstock- und Faustschlägen zu Boden gebracht. Am Boden liegend erhielten sie Tritte gegen den Kopf sowie weitere Schläge mit Teleskopschlagstöcken und wurden schwer verletzt.

  • Schließlich sollen die Angeschuldigten zusammen mit anderen Mitgliedern der Vereinigung für den 8. Juni 2020 einen Angriff auf eine Person in Leipzig geplant haben. Hierzu kundschafteten Lina E. und Jannis R. einige Tage zuvor wohl die Lebensumstände der Person aus und verschafften sich auch Zutritt zur Wohnanschrift und zu Nachbarhäusern. Für weitere Ausspähaktionen mietete Lina E. ein Auto. Am geplanten Tattag hielten sich Lina E., Lennart A., Jannis R. und Jonathan M. bereit. Wegen Polizeimaßnahmen konnte der Angriff nicht wie geplant durchgeführt werden.

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Quelle: MDR/kk/ots/epd

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