Verkehr Umweltverbände werben mit Pop-Up-Radwegen für mehr Sicherheit in Leipzig

In Leipzig ist der Radverkehr eines der wichtigsten verkehrspolitischen Themen. Immer wieder wird kontrovers über die Situation von Radfahrenden diskutiert. Um die Sicherheit für alle Menschen zu erhöhen fordern Umweltverbände schnell neue Radwege. Besonders an gefährlichen Stellen müsse zügig gehandelt werden. Dazu seien Pop-Up-Radwege das richtige Mittel. Ein Aktionstag am Mittwoch hat gezeigt, wie solche Radwege aussehen könnten.

Aktionstag Pop-Up-Radwege Leipzig
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In Leipzig hat der Ökolöwe am Mittwoch zusammen mit anderen Umweltverbänden und Initiativen auf die Situation von Radfahrenden aufmerksam gemacht. Mit sogenannten Pop-Up-Radwegen an besonders schwierigen Stellen im Straßenverkehr sollte drauf hingewiesen werden, "dass das Radverkehrsnetz der Stadt noch sehr viele Lücken hat", erklärte der verkehrspolitische Sprecher des Ökolöwen Tino Supplies MDR SACHSEN.

Es gebe kaum durchgehende Verbindungen vom Stadtrand in das Zentrum. "Diese Lücken müssen schnell geschlossen werden", so Supplies. Besonders die Jahnallee oder die Harkortstraße seien Orte, an denen noch Nachholbedarf bestehe. Dort gibt es noch keine Radwege.

Aktionstag Pop-Up-Radwege Leipzig
Pop-Up-Radwege sollen Lücken im Radwegenetz schneller schließen und für mehr Sicherheit für Radfahrende sorgen. Bildrechte: Moritz Arand

Pop-Up-Radwege als schnelle Lösung

Um für mehr Sicherheit für alle Bevölkerungs- und Altersgruppen zu sorgen, sei Eile beim Ausbau des Radwegenetzes geboten, meinte der Ökolöwen-Sprecher. "Leipzig könnte Fahrradstadt sein. Doch die Stadt hat es in den letzten Jahren verpasst, schnell neue Radwege zu markieren", kritisierte Supplies. Um zügig sichere Radwege auf den Hauptstraßen schaffen zu können, seien Pop-Up-Radwege das richtige Mittel - "zusätzlich zum üblichen Programm der Stadt", meinte Supplies. Pop-Up-Radwege könnten schneller umgesetzt werden und es müssten nicht erst aufwendig Umbauarbeiten stattfinden.

Aktionstag Pop-Up-Radwege Leipzig
Bisher nur eine Idee: Pop-Up-Radwege könnten in Zukunft ein zusätzliches Mittel in der Leipziger Verkehrsplanung sein. Bildrechte: Moritz Arand

ADAC setzt auf langfristige Planung

Der ADAC Sachsen widerspricht dem Ökolöwen. "Pop-Up-Radwege sind aus Sicht des ADAC nicht das richtige Mittel, um langfristig für mehr Sicherheit zu sorgen", sagte Helmut Büschke MDR SACHSEN. Sichere Radverkehrsanlagen erfordern dem ADAC zufolge "immer eine Planung unter Berücksichtigung aller Auswirkungen und unter Einbeziehung aller Beteiligten".

Die Aktion des Ökolöwen und seiner Kooperationspartner, "wirkt auf Autofahrer eher willkürlich und erzeugt daher Ablehnung, dass Verkehrsklima leidet“, meinte Büschke. Es wäre wichtig, dass sich der Aktionstag räumlich auf Stellen konzentrierte, wo "tatsächlich Netzlücken im Hauptroutennetz bestehen und Radfahrer aufgrund fehlender Ausweichmöglichkeiten besonders gefährdet sind".

Ökolöwe: Zehn neue Radwege pro Jahr

Währende der Corona-Pandemie seien immer mehr Menschen auf das Rad umgestiegen. Städte wie Berlin, München, Hamburg, Paris oder Mailand hätten bereits gezeigt, wie die frei werdenden Flächen in der Stadt genutzt werden können, meinte Supplies. Leipzig mache das noch nicht. Aus diesem Grund fordert der Ökolöwe in einer Petition, dass die Stadt zehn zusätzliche Radwege pro Jahr schafft. "Dabei geht es nicht um Geld, sondern um den politischen Willen. Der fehlt in Leipzig leider noch", so der Ökolöwen-Sprecher.

Bewusstsein für Rücksichtnahme schaffen

Was noch fehle, sei ein Bewusstsein für Menschen, die sich nicht motorisiert fortbewegen, sagte Holger Elle. Der Lehrer der Karl-Heine-Schule hat sich privat an der Aktion beteiligt und zusammen mit Schülerinnen einen Pop-Up-Radweg zwischen Felsenkeller und Erich-Zeigner-Allee geschaffen. Es sei wichtig zu erkennen, dass Radfahrende verletzlich sind und Platz brauchen. "Die Rücksicht auf jüngere und ältere Verkehrsteilnehmer müsste größer sein", meinte Elle. Im Grunde gehe es immer um die Frage, wie wir den gemeinsamen Raum in der Stadt aufteilen.

Elle selbst ist mit der Radwegesituation in Leipzig "im Grunde sehr zufrieden". Vor allem die Radwege, die getrennt vom Autoverkehr verlaufen, nutze er am liebsten. "Davon sollte es mehr geben." Seine Schülerinnen und Schüler hätten gern eine Stadt, in der sich alle nachhaltig fortbewegen - frei von "motorisierten Schachteln".

Fahrradstadt Leipzig?

Aber ist die Situation für Fahrradfahrende in Leipzig wirklich so schwierig? Laut ADAC-Sprecher Büschke wurde in den letzten Jahren sehr viel für Radfahrende in Leipzig getan. In einer ADAC-Umfrage aus dem Jahr 2017 belegte Leipzig den ersten Platz.

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Die Einschätzung teilt Supplies nur bedingt. "Für jüngere Menschen ist die Situation gut. Sie kommen recht einfach durch die Stadt. Die Umweltverbände haben in den letzten 30 Jahren dafür auch viel getan." Aber vor allem für Kinder und alte Menschen sei die Situation nicht zufriedenstellend. Aus diesem Grund wünscht sich Supplies in zehn Jahren ein geschlossenes Radwegenetz in der gesamten Stadt, damit alle "Menschen vom Stadtrand bis in die Innenstadt sicher Radfahren können."

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.03.2021 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

7 Kommentare

Frank 1 vor 14 Wochen

@ Laguka: Warum sollten Radfahrer einen Führerschein besitzen? Na ganz einfach! Weil sich diese Spezies regelmäßig bewußt über die Regelungen hinwegsetzt. Darauf angesprochen, wird gepöbelt, gedroht und beleidigt. Sie meinen es wären Ausnahmen? Ich kann Sie beruhigen, es ist der Regelfall. Selbst vor der Konfrontation mit Straßenbahnen schreckt man nicht zurück und die fahren nicht auf Radwegen
Ich wäre dafür für Radfahrer eine Pflichtversicherung incl. Versicherungskennzeichen ein zu führen. Dann könnte man ihrer auch schneller habhaft werden, wenn sie sich nach einem Schaden vom "Acker machen".

Laguka vor 15 Wochen

Das nennt man ablenken vom wirklichen Thema. Wir können gerne mal gegenüberstellen die sich Autofahrer so verhalten und Radfahrer und wie viele Tode durch Auto und Rad zustande kommen. Das hat aber mit dem Thema hier nichts zutun.

Laguka vor 15 Wochen

1. Zahlen Fahrradfahrer auch Steuern, wieso also sollten mehr Steuern bezahlen? Tatsächlich müssen Radfahrer und Fußgänger die Autofahrer querfinazieren, obwohl die Autofaher immer alles in Anspruch nehmen. 2. Wieso sollte er ein Führerschein benötigen? Der Führerschein ist für Motorosierte Fahrzeuge und das ist ein Fahrrad im normal eben nicht.

3. Nebenbei beim Kauf eines Fahrrad bezahlt man jetzt schon Steuern.

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