Hörer machen Programm Parkplatz-Ärger und fragwürdige Halteverbote im Leipziger Westen

Leipzigs Westen ist angesagt, dort wohnt man mittlerweile sehr gern. In Plagwitz, Lindenau und auch Leutzsch. Wenn da nur das Problem mit den knappen Parkplätzen nicht wäre und dazu die vielen Baustellen, die Parkplätze noch knapper machen. Eine Hörerin von MDR AKTUELL beklagte nun die Halteverbotsschilder an Baustellen, wo überhaupt nicht gebaut wird oder wo längst schon alles fertig ist. Schlampt da jemand – und wenn ja, wer?

Abolutes Halteverbot
Absolutes Halteverbot – berechtigt oder nicht? Bildrechte: IMAGO

In Leipzig stehen jeden Tag quer über die Stadt verteilt etwa 1.500 temporäre Halteverbotsschilder. Sie stehen im öffentlichen Straßenraum wegen Bauarbeiten an Straßen oder Häusern, wegen Umzügen, Sportveranstaltungen, Wochenmärkten oder aus anderen Gründen.

1.500 Schilder, allesamt beantragt, überprüft und genehmigt vom Amt für Tiefbau und Verkehr. Und sie seien kontrolliert worden, betont Amtsleiter Michael Jana. Der Stadtordnungsdienst sei täglich in Leipzig unterwegs und kenne alle Situationen. Er habe zudem Zugriff auf die Datenbanken des Amtes und wisse, was genehmigt sei und was nicht. Daher würden entsprechende Hinweise auch weitergegeben.

Vielleicht mal was durchgerutscht durch Corona

Allerdings bleibt auch das Amt nicht untätig: "Wir selbst sind natürlich auch mit einem wachen Auge unterwegs und schauen immer, dass das Genehmigte auch tatsächlich eingehalten wird", sagt Michael Jana. Er räumt allerdings ein, dass vielleicht zuletzt dennoch da und dort mal ein Schild durchgerutscht sei und verweist auf Zeiten, in denen der Stadtordnungsdienst mit Corona-Kontrollen alle Hände voll zu tun gehabt habe. Doch nun würde es wieder teuer für Baufirmen, die Schilder einfach stehen ließen.

Wasserwerke als großer Schilderaufsteller

Ein großer Teil der baustellenbedingten Halteverbotsschilder geht auf das Konto der Leipziger Wasserwerke. Allein rings um die Großbaustelle am Lindenauer Markt stehen die Schilder im Dutzend. Die Erneuerung der 120 Jahre alten Kanalisation bringt ein gutes Jahr lang Krach, Staub, Verkehrs- und Parkbeschränkungen für Anwohner bis weit in die angrenzenden Stadtviertel hinein.

Mehrere Verkehrsschilder für absolutes Haltverbot
Verkehrsschilder warten auf ihren Einsatz Bildrechte: dpa

Katja Gläß, Sprecherin der Wasserwerke, sagt, sobald ein Bauabschnitt fertig sei, würden die Baustellenschilder weggeräumt, rings um den Lindenauer Markt wie überall. Für Laien sei nicht immer ersichtlich, was auf einer Baustelle gerade los sei, fügt sie hinzu.

Sie verweist gleichzeitig auf bautechnische Verfahren, die zum Beispiel eine Aushärtung erfordern. Oder man arbeite sehr viel im Kanal. Hier sei es für die Bürger gar nicht ersichtlich, dass da Arbeiter zugange seien und die Straße deshalb nicht befahren werden könne.

Parkplatz-Ärger auch beim Stadtteilverein

Das Parkplatz-Thema führe auch bei den Zusammenkünften des Stadtteilvereins Lindenau immer wieder zu Verärgerung, bestätigt Uwe Buckendahl, der sich dort in Verkehrsangelegenheiten engagiert.

Uwe Buckendahl steht neben einem Straßenbaum auf dem Lindenauer Markt.
Uwe Buckendahl vom Stadtteilverein Lindenau Bildrechte: dpa

Der rüstige Rentner redet sich rasch in Rage und beklagt diejenigen, die beim Café Latte über Nachhaltigkeit palaverten, aber unbedingt den Parkplatz vorm eigenen Haus im Viertel wollten.

Uwe Buckendahl hat sich vom Auto getrennt, der Umwelt zuliebe. Damit handelte er gegen den Trend, denn noch nimmt deutschlandweit und auch in Leipzig die Zahl der Autos pro Einwohner zu. Das sei für ihn "Frage des Bewusstseins und da wissen wir ja, dass viele für eine ökologische Wende sind, solange sie nicht betroffen sind", sagt er.

Kostenloses Parken als Problem

Vielleicht steigt die Zahl der Autos auch deshalb, weil vielerorts die Schmerzgrenze bei der Parkplatzsuche noch längst nicht erreicht ist und wie in Leipzig zumeist kostenfrei unbeschränkt geparkt werden kann. Das, erklärt Tim Tröger, Stadt- und Verkehrsplaner vom StadtLabor Leipzig, führe dann eben dazu, dass es in manchen Vierteln im Leipziger Westen eine Parkplatznot gebe. Wenn Gebühren am Straßenrand erhoben werden, dann entstehe ein Markt und Investoren kämen auf die Idee, dass es lukrativ sein könne, Dauer-Stellplätze oder Gäste-Parken in Garagen anbieten zu können.

Als Beispiel nannte Tröger das 180-Stellplätze-Parkhaus mitten im Leipziger Westen, das seit Jahr und Tag verriegelt und verrammelt leersteht und verfällt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Juni 2021 | 06:00 Uhr

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