Neue Straßenbahnen ÖPNV-Mammutprojekt stellt Städte vor Herausforderung

Leipzig, Görlitz und Zwickau schaffen gemeinsam neue Straßenbahnen an. Gebaut werden sie unter anderem von einem Leipziger Straßenbahnhersteller. Das Projekt kostet 600 Millionen Euro und bedeutet massive Bauarbeiten.

Sächsische Plattform - Straßenbahn der Zukunft
2024 sollen die neuen Straßenbahnen auf Strecke gehen. Bildrechte: Leipziger Gruppe

Verkehrsprojekt "Straßenbahn der Zukunft"

Ab 2024 sollen neue Straßenbahnen durch die sächsischen Städte Leipzig, Görlitz und Zwickau fahren. Vorausschauend soll sie sein, die "Straßenbahn der Zukunft": Niederflurbahnen mit Möglichkeiten zur Einbindung alternativer, umweltfreundlicher Energien wie Wasserstoff und dem Versprechen eines Fahrsystems, das kontinuierlich verbessert werden kann.

Doch nicht nur die Bahn als solches soll Sachsen modernisieren, die Städte sehen in der Entwicklung und Fertigung großes wirtschaftliches Potenzial für die Region Mitteldeutschland.

Ein Gewinn für die Wirtschaftsregion Sachsen

Am 15. Dezember 2021 unterzeichneten die Verkehrsunternehmen der Städte Zwickau, Görlitz und Leipzig den Vertrag über die Beschaffung neuer Niederflurbahnen. Vertragspartner ist die LEIWAG, ein Konsortium der Leipziger Firma HeiterBlick sowie Kiepe Electric aus Düsseldorf. Die beiden hatten die europaweite Ausschreibung "Sächsische Plattform: Straßenbahn der Zukunft" für sich entschieden.

Das Vertragsvolumen beträgt 600 Millionen Euro und beinhaltet Entwicklungskosten, Ersatzteile und natürlich die Straßenbahn: Leipzig allein hat 25 neue 45-Meter-Fahrzeuge bestellt mit der Option auf 130 weitere. 40 Prozent der Wertschöpfung soll dabei in Sachsen stattfinden. Weitere zwei Drittel in der Region Mitteldeutschland.

Städte-Kooperation bringt viele Vorteile

Durch die Kooperation der Städte Zwickau, Görlitz und Leipzig wurden, so die Leipziger Verkehrsbetriebe, "technische und wirtschaftliche Synergien" freigesetzt. Diese sollen es erlauben, die Bahnen kosteneffizient und zukunftstauglich zu entwickeln.

Zusätzlich sorgt die gemeinsame Anschaffung für zukünftig bessere Konditionen bei Wartung und Instandhaltung. Laut Aussagen der Vertragspartner wurden dadurch über 27 Millionen eingespart. Die neuen Bahnen sollen ab 2023 hergestellt werden und ein Jahr später mit dem Probebetrieb beginnen.

Ulf Middelberg (GF Leipziger Verkehrsbetriebe GmbH), Uwe Rößler (GF Städtische Verkehrsbetriebe Zwickau GmbH), Sven Sellig (GF Görlitzer Verkehrsbetriebe GmbH), Samuel Kermelk (GF HeiterBlick GmbH), Alexander Ketterl (GF Kiepe Electric GmbH)
Sitzen bei dem Projekt mit im Boot: Ulf Middelberg/Leipziger Verkehrsbetriebe GmbH, Uwe Rößler/Städtische Verkehrsbetriebe Zwickau GmbH, Sven Sellig/Görlitzer Verkehrsbetriebe GmbH, Samuel Kermelk/HeiterBlick GmbH und Alexander Ketterl/Kiepe Electric GmbH. Bildrechte: Leipziger Gruppe

Neue Schienen, Steige und Schulungen

Bis die neuen Bahnen auf die Schienen rollen, bedarf es noch ein wenig Arbeit, denn diese müssen teilweise noch neu gelegt werden. In Leipzig zum Beispiel müssen auf Grund der breiteren Wägen die Spuren weiter auseinander gelegt werden. Denn mit ihren 240 Zentimetern Wagenbreite sind sie ganze zehn Zentimeter breiter als ihre Vorgänger. Das betrifft jedoch nicht das ganze Schienennetz. Lediglich einige Passagen wie enge Kurven sind betroffen. Damit die neuen Bahnen an diesen Stellen nicht kollidieren, musste der Abstand zwischen den Spuren an solchen Stellen vergrößert werden.

Auch in Görlitz wird es zu massiven Umbauten kommen. In Zwickau hingegen sind zwar keine Schienen-Umlegungen geplant, allerdings steht man hier vor einer großen Aufgabe die Bahnsteige barrierefrei zu gestalten. Des Weiteren müssen die Fahrer auf die neuen Fahrzeuge eingestellt und trainiert werden. Die “Bahn der Zukunft” muss schließlich korrekt bedient werden.

Umbaukosten nicht mit einberechnet?

Was das alles kosten wird, ist unklar, da keine umfängliche Kalkulation für ein Bauprojekt erstellt wurde. Der Umbau erfolgt in der Regel, wenn der Abschnitt seine regelmäßige Erneuerung ohnehin erhält, ca. alle zehn Jahre. So sollen Mehraufwand und notwendige Gelder gering gehalten werden. Die Kosten werden dann individuell für jeden Streckenabschnitt betrachtet.

Auch die Ausbildung der Fahrer soll laut Verkehrsbetrieben keine zusätzliche Belastung darstellen. Regelmäßige Weiterbildungen und Fahrstunden sind Tagesgeschäft, so Andreas Kolley von den Görlitzer Verkehrsbetrieben.

Ohne Einfluss auf Ticketpreise

Trotz der großen Investition soll sich die sächsische Straßenbahn Initiative nicht so schnell im Geldbeutel der Fahrgäste bemerkbar machen. Das sei, so Andreas Kolley, auch gar nicht möglich. Zwar tragen die Verkehrsunternehmen die Kosten der Neuanschaffung selbst, doch ihre Ticketpreise legt der Verkehrsverbund fest. So könne man im einzelnen keine Preise selbst bestimmen.

Dennoch nehmen die Unternehmen an, dass Preise wahrscheinlich inflations- und kostenbedingt trotzdem weiter steigen werden – allerdings nicht in einem außergewöhnlichen Maß. Dass Ausgaben gedeckt werden müssen sei klar, doch man wolle Fahrgäste nicht mit sprunghaften Preissteigerungen verschrecken.

Quelle: MDR Wirtschaftsredaktion

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | 16. Dezember 2021 | 14:00 Uhr

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