Energie Leipzig plant erste Wasserstoff-betriebene Straßenbahn Europas

Wasserstoff wird immer wieder als Energiespeicher der Zukunft gehandelt. Man kann ihn mithilfe von sehr viel Strom aus Wasser herstellen. Wer in Physik aufgepasst hat, kennt das Verfahren unter dem Begriff Elektrolyse. Der Wasserstoff kann dann zum Beispiel als Kraftstoff in Fahrzeugen genutzt werden. Es gibt bereits Busse mit Wasserstoffantrieb, Züge und Autos. In Leipzig soll nun die erste Wasserstoff-betriebene Straßenbahn Europas entstehen.

Das Neue Rathaus am Martin-Luther-Ring in Leipzig (Sachsen)
Leipzig könnte die erste Stadt Europas sein, in der Wasserstoff betriebene Straßenbahnen fahren. Bildrechte: imago images / imagebroker

Auf den ersten Blick sieht die Zukunft banal nach Gegenwart aus. Samuel Kermelk sitzt vor einer Skizze für die erste europäische Straßenbahn mit Wasserstoffantrieb. Der Geschäftsführer der Firma Heiterblick zeigt Karosserie und Räder. Eine normale Straßenbahn eben. Der Unterschied liegt auf dem Dach. Statt eines Stromabnehmers sieht man dort einen Wasserstoff-Tank. "Vorgesehen ist das Konzept jetzt so, dass die Straßenbahn wirklich mit einem separaten Tank und dann im Depot betankt wird. Das Ziel ist, dass die Straßenbahn dann mit dieser Tankfüllung auch den ganzen Tageszyklus fahren kann. Also, dass sie zwischendurch nicht nochmal in ein Haupt- oder Hilfsdepot muss, um nachgetankt zu werden."

Erster Prototyp soll in vier Jahren kommen

Was simpel klingt, ist nicht leicht zu bauen. Bis zu zehn Entwickler werden bei der Leipziger Heiterblick GmbH an der Straßenbahn tüfteln. Die Forschung kostet fünf Millionen Euro, knapp die Hälfte davon trägt der Staat. In vier Jahren sollen erste Prototypen durch die Städte rollen. "Zum Beispiel Leipzig ist eine weiterhin schnell wachsende Stadt. Wir haben ja großes Wachstum in der Stadt, aber auch der Speckgürtel rund um Leipzig wächst. Und Anbindungen von solchen neuen Stadtteilen oder auch die Verbindung von wachsenden Stadtteilen wird durch Neubaustrecken geschehen. Das wäre ein Einsatzfeld für diese Straßenbahn."

Doch ist eine Wasserstoff-Straßenbahn auch eine effiziente Lösung? Michael Sterner hat Zweifel. Der Professor für Energiesysteme sagt, wo man in Großstädten Gleise verlege, könne man fast immer auch eine Oberleitung ziehen. Und wenn man wie bisher den Strom aus der Leitung direkt zum Fahren benutze, habe man die größte Effizienz: "Wenn ich den Strom erst zur Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff verwende und den Wasserstoff anschließend komprimiere, speichere, mittransportiere und in einer Brennstoffzelle wieder in Strom zurückverwandele, dann habe ich hier einen Wirkungsgrad von unter 40 Prozent."

Wann sich ein Wasserstoffantrieb lohnt

Für Sterner ergeben Wasserstoffantriebe bei Straßenbahnen deshalb fast keinen Sinn. Im Zugverkehr dagegen schon. Auf langen Strecken, auf denen nur selten Züge fahren, gibt es oft keine Oberleitung. Da befürwortet auch Sterner einen Wasserstoffantrieb: "Vielleicht gibt es ja entlegene Gebiete in China, wo sie sehr lange Strecken fahren mit wenig Frequenz und hier lohnt sich vielleicht eine Wasserstoff-Straßenbahn, aber in Deutschland kann ich mir das nicht vorstellen."

Samuel Kermelk sieht das anders. Der Heiterblick-Geschäftsführer erzählt, dass es in China tatsächlich schon Straßenbahnen mit Wasserstoff-Antrieb gibt. Das habe seine Firma motiviert, sich damit zu beschäftigen. "Wir haben kein Interesse, dass wenn ein deutscher Verkehrsbetrieb das nachfragt, dann ein chinesischer Hersteller die Bahn nach Deutschland liefert. Das möchten wir schon gerne selber machen. Und wir sehen tatsächlich auch einen Bedarf an Wasserstoff-Straßenbahnen in Ostdeutschland und in Sachsen."

Dennoch sagt auch Kermelk: Ersetzen werde die Wasserstoff-Straßenbahn die bestehenden Modelle nicht. Auch Kermelk sieht die Technologie in der Nische, an Orten, wo niemand in eine Oberleitung investieren will.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. März 2021 | 08:54 Uhr

13 Kommentare

Copper vor 30 Wochen

Da haben Sie noch keine Li-Ion Batterie explodieren und brennen sehen. Eher brennt ein reines Elektroauto ab statt eines mit einer undichten Brennstoffzelle. Letzteres macht nur eine große Stichflamme bei Entzündung und das wars. Außerdem wickelt man in einer Brennstoffzelle das Gas nicht mehr in Baumwolle und Leinen ein.

Copper vor 30 Wochen

Nun, zum einen gehe ich mal von aus das dort kein Wasserstoff "verbrannt" wird und es sich um Brennstoffzellen handeln wird. Sonst macht es ja gar keinen umwelttechnischen Sinn auch wenn eigentlich nur NOx neben H2O erzeugt werden würde. Die Gewinnung von Wasserstoff macht man derzeitig eher über Dampfreformierung mit Erdgas anstatt Elektrolyse, welche den Wirkungsgrad eher verschlechtern würde. Der Ansatz diese Technologie zu verbessern ist also, die Gewinnung von Wasserstoff zu optimieren um den Wirkungsgrad zu verbessern. Auch bei einem Elektroauto hat man mit schlechten Wirkungsgraden angefangen aber die Motoren, Batterien und die Energiegewinnung hat sich dadurch mitentwickelt und verbessert. CO2 frei ist ein Elektroauto deswegen noch lange nicht und wird es auch nie werden, aber nur durch Forschung, Ehrgeiz und Know How kann man vielleicht auch diese und anderen Technologien wirkungsvoller gestalten. Nicht durch aufgeben und rumheulen auf den ersten Metern.

Eulenspiegel vor 30 Wochen

Habe ich da richtig gelesen?
Eine mit Wasserstoff betriebene Straßenbahn?
Ich denke die fuhren doch schon immer mit Strom. Außer die allerersten. Da wurden Pferde vorgespannt.
Also ich denke Wasserstoff, Biogas und Batterie sind da sinnvolle Alternativen wo man Fahrzeuge nicht per Oberleitung mit Energie versorgen kann. An sonnten reine Energieverschwendung.
Also ich kann mir nicht helfen. Mir kommt das alles ein bisschen dümmlich vor.

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Mo 25.10.2021 12:24Uhr 00:44 min

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