Umweltschutz "Zero Waste City": Stadt Leipzig will Müll reduzieren

Seit 2007 schließen sich europaweit immer mehr Kommunen dem "Zero-Waste"-Netzwerk an. Ziel ist, weniger Abfall zu produzieren und mehr Produkte und Materialien im Kreislauf zu halten. Seit Oktober 2021 versucht Leipzig als erste ostdeutsche Stadt, den Titel "Zero Waste City" zu bekommen.

Bioabfall-, Papiertonne und Gelbe Tonne
2020 produzierten die Leipziger mehr als 80.000 Tonnen Restmüll. Bildrechte: imago/mm images/bildagentur-n

  • Die Stadt Leipzig erarbeitet eine Strategie, um circa die Hälfte des derzeit produzierten Abfalls einzusparen.
  • Abfall zu entsorgen, kostet Geld. Fällt weniger Müll an, kann das übrige Geld anderweitig investiert werden, etwa in neue Arbeitsplätze in einer Kreislaufwirtschaft.
  • Greenpeace Deutschland fordert gesetzliche Regelungen, um das Müllproblem in den Griff zu bekommen.

Mehr als 80.000 Tonnen Restmüll entsorgte die Leipziger Stadtreinigung 2020 für die Stadtbewohner. Tobias Peter, Fraktionsvorsitzender der Grünen, hat sich im letzten Herbst dafür eingesetzt, dass Leipzig sich dem europaweiten "Zero-Waste"-Netzwerk anschließt.

Abfall sparen bedeutet mehr Arbeitsplätze

Gemeinsam mit der Stadtreinigung wird nun eine Strategie erarbeitet, wie Leipzig langfristig die Hälfte des Abfallaufkommens einsparen kann. Tobias Peter erklärt: "Man rechnet so ungefähr 100 Euro pro Tonne im Jahr, um Abfall zu entsorgen und wieder zu verwerten." Spare man Abfall, spare man auch diese Kosten: "Die kann man dann eben auch ein Stück weit in sinnvollere Dinge stecken", sagt Tobias Peter.

4 Millionen Euro würde die Stadt jährlich sparen, wenn sie es schaffte, den Abfall zu halbieren. Damit würde Tobias Peter Arbeitsplätze finanzieren, die eine Kreislaufwirtschaft unterstützen. Nach seiner Rechnung würden aus einem Arbeitsplatz in der derzeitigen Entsorgungswirtschaft zehn neue Arbeitsplätze in einer Kreislaufwirtschaft entstehen. Fachkräfte würden dann sortieren oder reparieren, das ist personalintensiv.

Greenpeace: Gesetze notwendig

Viola Wohlgemut von Greenpeace Deutschland sagt, Ressourcenschutz sei Umweltschutz. Sie glaubt nicht, dass das freiwillige Engagement im Netzwerk die Lösung unseres Müllproblems bringt: "So lange, und das ist leider im Moment der Fall, das Produzieren von Müll und das Übernutzen von Ressourcen weltweit geschäftsträchtiger ist, als die Alternativen zu nutzen und Ressourcen zu schützen, wird sich das Konzept nicht durchsetzen. Deswegen brauchen wir gesetzliche Regeln, die das unterstützen."

Wohlgemut fordert, umfangreiche Mehrwegsysteme in unseren Gesellschaften zu verankern. Zum Beispiel mit Hilfe von Bibliotheken nicht nur für Bücher, sondern auch für Werkzeuge, Textilien, Haushaltsgeräte und anderes.

Als erste Stadt bekannte sich Capannori in Norditalien zum Zero-Waste-Ziel. Innerhalb von zehn Jahren hat die Kommune ihre Pro-Kopf-Abfälle um über 40 Prozent reduzieren können. Heute zählen sich europaweit rund 450 Kommunen und Städte zum Netzwerk.

Leipzig hat Projektleitung ausgeschrieben

In Deutschland sind derzeit unter anderen Kiel, München, Düsseldorf und Köln auf dem Weg zur Zero Waste City. Wer es ins Netzwerk geschafft hat, seine erklärten Ziele aber nicht erreicht, kann auch wieder rausfliegen. Tobias Peter aus Leipzig glaubt, dass das zu mehr Erfolgen führen könnte. Es gebe einen anderen Druck in solche Prozesse, wenn klar sei, dass es eine Instanz gibt, die die Umsetzung überprüft: "Es gibt auch andere Städte, die gucken, dass es umgesetzt wird – und wenn es nicht umgesetzt wird, kann man diesen Titel im Zweifel auch verlieren." Das sei peinlich und möge man vermeiden, sagt Peter.

Tobias Peter setzt darauf, dass die Stadt Leipzig sich aktiv für das Erreichen der Klimaziele stark macht und die Verantwortlichen in allen Ämtern der neuen Strategie den Weg bereiten werden. Eine Zero Waste-Projektleiter-Stelle wurde bereits geschaffen. Sie soll schnellstmöglich besetzt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL | 29. Januar 2022 | 06:00 Uhr

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