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Eigentlich ist der Zoo ein Ort der Freude. Seit einiger Zeit gibt es aber auch Kritik wegen bestimmter Veranstaltungen. Bildrechte: MDR/Axel Berger

KolonialismusvorwürfeStadtrat stoppt Afrika-, Asien- und Südamerika-Shows des Zoos in Leipzig

von MDR SACHSEN

Stand: 19. Mai 2022, 20:43 Uhr

Schon wiederholt hat es Rassismusvorwürfe gegen den Zoo in Leipzig gegeben. Vor allem der Migrantenbeitrat der Stadt ist mit bestimmten Veranstaltungen unzufrieden. Jetzt hat der Stadtrat Fakten geschaffen: Die Abendveranstaltungen werden gestoppt und müssen überarbeitet werden. Der Zoo weist die erneuten Vorwürfe von sich.

Der Leipziger Zoo soll Abendveranstaltungen wie "Hakuna Matata" oder "El Dorado" bis zum Jahresende durch Formate ersetzen, die keine Stereotypen und Klischees über Afrika und Südamerika verbreiten. Das hat der Stadtrat beschlossen. Der entsprechende Antrag kam vom Migrantenbeirat. Das Gremium hatte moniert, dass die Shows in der jetzigen Form den sogenannten strukturellen Rassismus stärkten und indirekt Rassismus-Betroffenen schadeten, da die Abende auf kolonial-rassistischen Erzählweisen aufgebaut seien. Durch Rhetorik, Bildsprache und Darstellung würden Klischees über Afrika, Asien sowie Süd- und Mittelamerika wiederholt, hieß es.

Migrantenbeirat freut sich über Erfolg nach zwei Jahren Kampf

"Afrika live erleben. Afrika als riesiger Kontinent. Oder Südamerika oder Asien. Und das verkürzt auf einen Abend und exotisches Essen. Als ob alle Afrikaner und Afrikanerinnen dieses Essen essen oder sich so bewegen oder sich so bekleiden", sagte der Co-Vorsitzende des Migrantenbeirats, Mohammed Okasha, im Gespräch mit MDR AKTUELL. Der Beschluss des Stadtrates sei das Ergebnis eines zweijährigen Kampfes, so Okasha, der bei einigen Städträten eine Veränderung ihrer usprünglichen Position festgestellt hat:

Man hat schon gemerkt, dass es auch Fraktionen und Stadträtinnen gab, die vor einem Jahr eine Position hatten und nach einem Jahr eine komplett andere Positionen vertreten. Das begrüßen wir sehr.

Mohammed Okasha | Co-Vorsitzender des Migrantenbereits in Leipzig

CDU und AfD können Kritik am Zoo nicht nachvollziehen

Im Leipziger Stadtrat gingen die Meinungen zu dem Thema auseinander. Für die CDU kritisierte Andrea Niermann, dass der doch sehr erfolgreiche Zoo an die Kette gelegt werden solle, obwohl er sich seit mehr als 20 Jahren auch mit der kolonialen Vergangenheit auseinandersetze. Die AfD nannte den Antrag hysterisch, weil eine mehr als hundert Jahre zurückliegende Völkerschau zum Vergleich herangezogen werde.

Obwohl nach Angaben einer MDR-Reporterin an dem Abend kein Redner konkrete Beispiele aus den Veranstaltungen nennen konnte, die eventuell rassistische Klischees oder Stereotype verbreiten, gab es eine deutliche Mehrheit von Linken, Grünen, SPD und FDP für den Antrag. Der Migrantenbeirat sieht darin keinen Widerspruch. Das Wort "rassistisch" werde im Antrag auch nirgendwo verwendet, stellte Mohammed Okasha klar. Andrea Niermann befürchtet dennoch Konsequenzen. Am Ende sei es das, was hängen bleibe, sagte sie.

Zoo verwahrt sich gegen Vorwürfe

Der Zoo Leipzig distanzierte sich in einer Mitteilung am Donnerstag von jeder Form von Rassismus und Ausgrenzung. Zudem verwahrte er sich "entschieden gegen Vorwürfe, die ihm rassistisches Verhalten und die Fortsetzung kolonialistischen Handelns sowie die Reproduktion von rassistischen Stereotypen vorwerfen."

Dialog mit Migrantenbeirat wird fortgesetzt

Einen Vergleich der Veranstaltungen mit Völkerschauen herzustellen, stelle die Mündigkeit der Künstler sowie ihre Berufsfreiheit in Abrede. Gleiches gelte für das verantwortungsbewusste soziale und wirtschaftliche Handeln des Leipziger Zoos. Der begonnene Dialog mit dem Migrantenbeirat der Stadt Leipzig unter Einbeziehung der beteiligten Künstlerinnen und Künstler und im Sinne der kulturellen Vielfalt sowie Berufsfreiheit werde fortgesetzt.

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MDR (sth/sys)/dpa

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 19. Mai 2022 | 05:30 Uhr