Homeschooling Lernsax: Weiter Angriffe, doch System bleibt stabil

Der Betreiber von "Lernsax" hat der sächsischen Lernplattform Anfang Januar eine "überdurchschnittlich hohe Zahl an Angriffen" attestiert. Wie das Kultusministerium auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilt, ist das System in den vergangenen Wochen weiter mit DDos-Attacken angegriffen worden.

Ein Mädchen sitzt vor ihren Hausaufgaben.
Nicht alles lief gut im Homeschooling und mit "Lernsax". Doch trotz weiterer Angriffe scheint das System vorerst stabil. Bildrechte: Hessischer Rundfunk

Sachsens digitale Lernplattform ist weiter Cyber-Attacken ausgesetzt. "In den vergangenen Wochen ist es mehrfach zu DDoS-Angriffen gekommen", erklärte Dirk Reelfs, Sprecher des Kultusministeriums auf Anfrage von MDR SACHSEN. "Diese DDoS-Angriffe haben allerdings nicht mehr dazu geführt, dass die Leistungsbereitschaft der Lernsax-Plattform gestört wurde." Die Lernplattforn Lernsax war Ende des vergangenen Jahres durch verschiedene DDoS-Angriffe empfindlich beeinträchtigt und sogar lahmgelegt worden. Daraufhin erhob das Hosting-Unternehmen Anzeige beim Landeskriminalamt in Stuttgart. In dessen Bereich liegt die Zuständigkeit für das Lernsax-Rechenzentrum.

Angriffe auch auf Plattform für Videokonferenz-Dienst "BigBlueButton"

DDoS-Angriffe wurden laut Kultusministerium auch auf den Videokonferenz-Dienst "BigBlueButton" gemeldet. Dieser laufe über einen Server in Dresden. "In diesem Fall ermittelt jetzt das Landeskriminalamt Sachsen", erklärte Reelfs. "Die kriminaltechnischen Auswertungen dazu laufen noch. Bislang haben wir keine Rückmeldung."

DDos-Angriffe DDoS (Distributed Denial of Service)-Attacken sind Cyberattacken, die auf die Überlastung von Webservern, Online-Services oder ganzer Netzwerke abzielen. Meist mit einem Netz gekaperter Rechner (Botnet) schwemmen die Angreifer ihr jeweiliges Ziel mit Datenpaketen, um es zum Zusammenbruch zu bringen. DDoS-Angriffe werden seit mehr als 20 Jahren dazu genutzt, um Unternehmen und Institutionen gezielt Schaden zuzufügen.

Bis zu 200.000 Lernsax-Nutzer täglich

Trotz der Angriffe haben laut Kultusministerium bis zu 80.000 Nutzer und Nutzerinnen das System zeitgleich und störungsfrei nutzen können. Insgesamt gebe es täglich derzeit bis zu 200.000 Zugriffe von Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrern sowie Eltern. "Wir sind mittlerweile gut in der Lage, die Angriffe abzufedern", sagt Reelfs. Das liege auch an dem speziellen Schutzschirm, den der Betreiber, Didi Online GmBH, nach dem kurzzeitigen Ausfall der Plattform eingerichtet habe.

17 große Störungen seit Beginn der Pandemie

Nach Angaben des Kultusministeriums hat es seit Anfang des vergangenen Jahres insgesamt 17 große Störungen der Lernplattform Lernsax gegeben. Dabei habe es sich zu einem Großteil um DDoS-Attacken, aber auch technische Probleme und Einschränkungen wegen Systemüberlastungen gehandelt. Allein von Februar bis März 2020 sind den Angaben zufolge durch den ersten Lockdown die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer um fast das Doppelte von knapp 145.000 auf knapp 270.000 gestiegen. Seit Mai investiert der Freistaat jeden Monat mehr Geld in die Betreuung und die Lizenzen für die Plattform: zuletzt im Dezember 2020 knapp über 50.000 Euro.

Lernsax
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Sind Lehrerinnen und Lehrer gut in Lernsax eingewiesen worden?

Neben der Technik gab es in der Vergangenheit auch massive Beschwerden an einer mangelnden Einweisung von Lehrerinnen und Lehrern in die Lernplattform Lernsax. Diese Kritik wies das Kultusministerium zurück. "Alle Schulen und Lehrer sind angeschrieben worden, ob Fortbildungsbedarf besteht", erklärte Reelfs. Entsprechende Kollegen seien alle zu Seminaren eingeladen worden.

Etwa 70 Prozent der Lehrkräfte, die sich eine Fortbildung wünschten, haben diese auch erhalten. Dann kam der Lockdown. Die übrigen Seminare holen wir nach, sobald es die Corona-Schutzmaßnahmen zulassen.

Dirk Reelfs Pressesprecher Kultusministerium Sachsen

Zu wenig Weiterbildung in digitaler Lehre?

Doch wie kann die digitale Lehre umgesetzt werden? Neben der technologischen Umsetzung haben Lehrerinnen und Lehrer auch immer wieder mangelnde Weiterbildungsmöglichkeiten moniert. Auch diese Kritik weist das Kultusministerium von sich. "Es gab zahlreiche Fortbildungen, die alle wahrgenommen worden sind", sagte Reelfs.

Wer jetzt meint, er kann das nicht, versteckt sich unter einer Schutzbehauptung. Jeder ist in der Lage, mit seinen Fähigkeiten eine Videokonferenz durchzuführen.

Dirk Reelfs Pressesprecher Kultusministerium Sachsen

Wie kann Lernsax vor Störungen und Angriffen geschützt werden?

Um die Lernplattform in Zukunft vor Ausfällen zu schützen, haben Betreiber und Hosting-Server den Angaben zufolge die Zahl der Frontend-Server von vier im November 2020 auf 32 im Januar 2021 erweitert. Damit soll die "intensive Nutzung der Plattform nachhaltig stabilisiert" werden. Zudem würde seit Jahreswechsel der zertifizierte Sicherheitsdienstleister "Myra Security" eingesetzt. Zu den Kunden von "Myra Security" gehören auch Bundesbehörden, Banken und die Industrie in Deutschland.

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 05.01.2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Marsell vor 36 Wochen

Ich finde es sehr fraglich wie sich das mit den videokonferenzen rechtlich verhält. Mein Kind muss zu Beginn einer jeden Konferenz die datenschtzbestimmungen akzeptieren (was auch immer drin steht,liest ja eh keiner ) um den Raum betreten zu können. HALLO das sind Kinder und die dürfen sowas ganricht.

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