Tarifkonflikt Lokführerstreik: Zugverkehr der DB in Sachsen auch am Montag eingeschränkt

Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen legen die in der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) organisierten Eisenbahner ihre Arbeit nieder - trotz eines kurzfristigen Verhandlungsangebots der Konzernspitze. Die Gewerkschaft kündigte den bisher längsten Streik im laufenden Tarifkonflik an. Noch bis zum Dienstag sollen Güter- und Personenverkehr bestreikt werden. Auf Pendler und Fernreisende kommen starke Einschränkungen zu.

Eine einzelne Person läut an einem Bahsteig entlang. Rechts davon steht ein Zug auf den Gleisen.
Viele DB-Züge fahren derzeit nicht am Verkehrsknoten Leipzig Hauptbahnhof. Bildrechte: MDR/Roland Kühnke

Wegen des Streiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) müssen sich Bahnreisende in Sachsen auch am heutigen Montag weiter auf zahlreiche Einschränkungen einstellen. Der Ersatzfahrplan gilt weiter.

In Sachsen kommt es vor allem in und um die Ballungszentren Leipzig und Dresden zu Beeinträchtigungen, insbesondere im Regionalverkehr. Viele Züge fahren nur eingeschränkt, bestimmte Verbindungen sind ersatzlos gestrichen. Die Bahn empfiehlt Fahrgästen, ihre Reise nach Möglichkeit zu verschieben oder sich vor Fahrtantritt über die aktuellen Einschränkungen zu informieren.

Der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer ist zunächst bis zum Dienstag angekündigt - trotz eines kurzfristigen neuen Verhandlungsangebots der Konzernspitze der Deutschen Bahn AG.

GDL_Leipzig
Die GDL und ihr streitbarer Chef Claus Wesselsky hatten am Donnerstagmorgen den Leipziger Hauptbahnhof als mediale Bühne auserkoren und dem Tarifangebot der Bahn eine klare Abfuhr erteilt. Bildrechte: MDR/Roland Kühnke.

Fernreisende und S-Bahn-Pendler haben Pech

Pendler und Geschäfts- sowie Urlaubsreisende werden die Folgen des Streiks zu spüren bekommen. Die meisten Fernverbindungen fallen aus, in den Ballungsräumen auch viele S-Bahnen. Die Bahn hat angekündigt, sie werde kulant sein: Für bereits gekaufte Zugtickets werde der Preis erstattet. Bei Sparpreisen ist die Zugbindung aufgehoben. Der Konzern bat alle Reisenden, die könnten, ihre Reise auf die Zeit vor oder nach dem Streik zu verschieben.

Grundangebot von Zügen soll fahren

Die Deutsche Bahn kündigte an, dass auch im Laufe dieses Streiks rund ein Viertel der üblicherweise geplanten Züge im Fernverkehr fahren sollen. Im Regional- und S-Bahnverkehr soll es ein Grundangebot von etwa 40 Prozent der Züge geben. Auf ihrer Homepage hat die Bahn viele Züge aus Sachsen aufgeführt, die nach einem Ersatzfahrplan fahren.

 Zweiter Streik der GDL Lokführer innerhalb weniger Tage. Infotafel im Hauptbahnhof Stuttgart. Auf Kunden der Deutschen Bahn kommen Streiktage mit Zugausfällen und Verspätungen zu.
Es ist der dritte Streik innerhalb weniger Wochen. Bildrechte: imago images/Arnulf Hettrich

So fahren voraussichtlich die Züge in Sachsen

Regionalverkehr Sachsen

  • S 2 Mitteldeutschland Leipzig-Stötteritz - Leipzig Hbf (tief) - Bitterfeld - Dessau Hbf/Lutherstadt Wittenberg - Zahna/Jüterbog: Linie soll im 3-Stunden-Takt verkehren
  • S 3 Mitteldeutschland Halle-Trotha - Halle (Saale) Hbf - Schkeuditz - Leipzig Hbf (tief) - Leipzig-Stötteritz - Wurzen: Linie soll im 30-Minuten-Takt ausschließlich zwischen Leipzig Hbf und Halle (Saale) Hbf.
  • S 4 Mitteldeutschland Leipzig-Connewitz - Leipzig Hbf (tief) - Torgau - Falkenberg - Hoyerswerda: Linie soll im 2-Stunden-Tak zwischen Leipzig Hbf und Torgau verkehren.
  • S 5/S 5X Mitteldeutschland Zwickau(Sachs) Hbf - Altenburg - Leipzig Hbf (tief) - Leipzig/Halle Flughafen - Halle(Saale) Hbf: Geplant sind ein 2-Stunden-Takt im Abschnitt Leipzig - Zwickau sowie stündliche Züge zwischen Leipzig Hbf und Altenburg.
  • S 1 Dresdner Netz Meißen Triebischtal - Coswig(b Dresden) - Dresden Hbf - Pirna - Bad Schandau/Schöna: Voraussichtlich fahren die Züge stündlich oder zweistündlich zwischen Pirna und Coswig. Ab Pirna und Coswig verkehren Ersatzbusse bis zur Endhaltestelle.
  • S 3 Dresdner Netz Dresden Hbf - Tharandt - Freiberg (Sachs): Linie fällt aus.
  • U 28 Decin hl.n. - Bad Schandau - Rumburk: keine streikbedingten Ausfälle durch tschechisches Zugpersonal, Ausfall durch Unwetterschäden zwischen Sebnitz und Bad Schandau
  • RB 113 Leipzig Hbf - Bad Lausick - Geithain: Ersatzverkehr mit Bussen alle zwei Stunden.
  • RE 1 Glauchau (Sachs) - Gera Hbf - Jena - Erfurt Hbf - Gotha - Leinefelde - Göttingen: Die Züge verkehren ausschließlich zwischen Gera Hbf und Erfurt Hbf.
  • RE 50 Leipzig Hbf - Oschatz - Riesa - Dresden Hbf: Etwa alle zwei bis drei Stunden soll ein Zug je Richtung fahren.
  • RE 15 Hoyerswerda - Dresden: Es sollen einzelne Züge fahren oder durch Busse ersetzt werden.
  • RE 18 Cottbus - Dresden: Es sollen einzelne Züge fahren oder durch Busse ersetzt werden.
  • RB 31 Dresden - Elsterwerda: Kein Zugverkehr geplant, baustellenbedingt Busverkehr zwischen Cossebaude und Coswig.
  • Im Netz der DB-Regionaltochter Erzgebirgsbahn ist auf der Strecke Zwickau - Johanngeorgenstadt jede zweite Verbindung gestrichen.

Fernverkehr

  • Die EC-Züge zwischen Budapest/Prag - Dresden fahren laut Ankündigung fahrplanmäßig nur von und ab Dresden, die weitere Fahrt in Richtung Berlin und Hamburg entfällt.
  • Der Railjet Graz - Berlin fährt nur im Abschnitt Graz - Decin.
  • Auf der ICE-Linie Hamburg - Berlin - Leipzig - Nürnberg - München sind einzele Züge geplant.
  • Für die Verbindung Leipzig - Frankfurt/Main verweist die DB auf Regionalverbindungen mit langen Fahrzeiten und mehrmaligem Umsteigen oder weite Umwege mit ICE über Nürnberg.
  • Zwischen Dresden und Frankfurt/Main, Dresden und Berlin sowie Rostock/Warnemüde fahren wahrscheinlich keine Fernzüge.
  • Züge der IC-Linien Dresden - Leipzig - Köln und Leipzig - Norddeich dürften überwiegend ausfallen.

Sollte es kurzfristige Änderungen geben, können Sie diese unter www.bahn.de nachlesen. Zusätzlich zur allgemeinen Servicenummer unter Tel. 030/297 0 (zum Ortstarif) wird laut Bahn eine weitere kostenlose Servicenummer unter 08000/99 66 33 geschaltet.

So fahren voraussichtlich Eisenbahnen, die nicht zum DB-Konzern gehören:

  • Die City-Bahn Chemnitz verkehrt überwiegend planmäßig: RB 92 (Stollberg – Glauchau), RB 37 (Glauchau - Gößnitz) sowie C11, C13, C14 und C15.
  • Die Mitteldeutsche Regiobahn ist vom Streik nicht betroffen. Sie verweist aber darauf, dass es Ausfälle geben könnte, wenn die bei der DB Netz AG angestellten Fahrdienstleister im Stellwerk ebenfalls streiken sollten: RE 3, RE 6, RB 30, RB 45 und RB 110, der RE 3 übernimmt zwischen Hof und Dresden zusätzlich den Halt in Freital-Deuben, auf dem RE 6 werden in den Abendstunden zusätzliche Halte in Leipzig-Liebertwolkwitz und Belgershain erfolgen.
  • Die Odeg weist darauf hin, dass zwar ihre Beschäftigten nicht streiken, es aber trotzdem zu Einschränkungen im Betriebsablauf sowie zu einer erhöhten Auslastung der Züge kommen kann. Die Züge der Odeg sind in Sachsen auf den Linien Hoyerswerda - Niesky - Görlitz sowie Görlitz - Zittau unterwegs.
  • Die Länderbahn, die die Strecken Dresden - Görlitz/Zittau als Trilex bedient, rechnet durch den GDL-Streik nicht mit Behinderungen. Allerdings gibt es bis voraussichtlich 12. September weiter Einschränkungen durch hohen Krankenstand und Urlaub.
  • Die Live-Fahrplanauskunft der Vogtlandbahn (Länderbahn-Gruppe) meldet derzeit keine Ausfälle wegen des Streiks. Die Länderbahn gehört zu Netinera, einem Unternehmen der Italienischen Staatsbahn.
  • Die Freiberger Eisenbahn zwischen Freiberg und Holzhau meldet keine Einschränkungen.
  • Abellio (Tochter der Niederländischen Staatsbahn) meldet keine Störungen auf der Strecke Leipzig - Naumburg - Erfurt - Eisenach.
  • Die Erfurter Bahn fährt zwischen Leipzig und Saalfeld/Blankenstein/Hof über Zeitz und Gera nach Plan.
  • Der Flixtrain Leipzig - Berlin - Hamburg fährt am Donnerstag laut Fahrplanübersicht des Anbieters.

Forderung: Lohnerhöhung und Corona-Prämie

Laut GDL-Chef Claus Weselsky ist der Streik ab Donnerstag "eine der längsten Arbeitskampfmaßnahmen, die wir durchführen, und zwar absichtlich." Man sei aufgrund der "Blockadehaltung" des Managements der Deutschen Bahn nicht gewillt, einen kürzeren Streik durchzuführen. Die Bahn habe immernoch kein neues Tarifangebot vorgelegt, kritisierte der Gewerkschaftsführer.

Außerdem schwelt in der Belegschaft ein Streit zwischen GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG darum, wer letztlich die Tarifverträge mit dem Unternehmen maßgeblich aushandelt. Hintergrund ist das Tarifeinheitsgesetz, das bei der Bahn seit diesem Jahr greift. Das besagt: Konkurrieren zwei Gewerkschaften in einem Betrieb miteinander, ist im Streitfall nur der Tarifvertrag der mitgliederstärkeren Gewerkschaft gültig.

Streik laut Bahn "überzogen"

Die Bahn nannte den erneuten Ausstand "durch nichts gerechtfertigt." "Der GDL-Spitze geht es ausschließlich darum, ihre Macht auszuweiten – und das zulasten der Reisenden und der Wirtschaft", sagte Personalchef Martin Seiler. Er nannte die Streiks überzogen und betonte, dass ein Tarifvertrag in Verhandlungen erzielt werde und sich nicht diktieren lasse.

Quelle: MDR/sth/lam/bj

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 31. August 2021 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

Janes vor 20 Wochen

Die GdL hat nur 58 Mitarbeiter, der Weselsky ist der Chef. Er ist letztlich für alles verantwortlich. Hier wird weniger für die Mitarbeiter gekämpft-aus meiner Sicht-hier gehts um Werbung....die GdL will beweisen, dass sie ne ganz tolle, harte Gewerkschaft ist, die scheibar für die Mitglieder kämpft. Und dabei gehts ums Geld! Man zahlt meistens 1% seines Bruttolohnes als Mitgliedsbeitrag pro Monat-bei Lokführern sind das kanpp 500 Euro im Jahr. Bei 37000 Mitgliedern kommt da ganz schön was zusammen. Und dafür erwarten diese Mitglieder natürlich auch ne Gegenleistung (3,2 % mehr Lohn und ne Coronaprämie ;) ) ....warum sonst sooo viel investieren. Also MUSS die GdL ein riesen Rabatz machen. Genau das ist der Grund, warum ich der Meinung bin, dass Gewerkschaften in unserer Zeit unnütze sind und reine Geldverschwendung.

Matthi vor 20 Wochen

Ich hab mal eine Frage, warum geben viele GDL-Chef Claus Weselsky die Schuld für diesen Streik er kämpft eben für seine Leute und einen vergleichbaren Abschluss wie der Öffentliche Dienst bekommen hat. Warum wird kaum darüber gesprochen wie sich der Bahnvorstand bei den Verhandlungen verhält, der Vorstand ist genauso schuldig an dieser Situation für Bahnkunden, Vorstandsboni sollte gestrichen.

Manfred vor 20 Wochen

Sicher sind Streiks legitim, aber wenn dadurch andere Wirtschaftszweige und vor allem Privatreisende oder Pendler benachteiligt werden ist das meiner Meinung nach sehr fraglich. Gerade in Zeiten von Corona, Hochwasser usw. kann es nicht sein das auf dem Rücken anderer auszutragen, die dadurch mehr finanziellen Aufwand haben. Ein Herr Weselsky hat wahrscheinlich vergessen wer letztendlich die Bahn, die Lokführer und Ihn bezahlt, die KUNDEN, egal ob Privat oder Wirtschaft. Gefragt ist hier sicherlich auch die Politik, die sich auffallend zurückhält, denn der Spruch "wenn mein starker Arm es will....."kann und sollte ja nicht die Lösung sein....

Mehr aus Sachsen

Illustration - Lehrer 3G 3 min
Bildrechte: MDR/Imago Images/Panthermedia