Love Scamming Internetbetrüger zocken hunderte Liebessehnsüchtige in Sachsen ab

Es beginnt mit einem Flirt im Internet. Dann werden die Gespräche mit der unbekannten Person privater, intensiver. Über Wochen oder gar Monate hinweg entsteht eine Online-Liebesbeziehung. Doch alles ist nur Fake. Zum Schluss steht das Opfer allein da - um Geld betrogen und mit gebrochenem Herzen.

Finger auf einem Telefon
Das LKA Sachsen beziffert den durch Love-Scamming entstandenen Gesamtschaden für 2021 mit rund 4,2 Millionen Euro. Bildrechte: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Das Landeskriminalamt Sachsen (LKA) warnt vor dem sogenannten Love- oder Romance-Scamming. Bei dieser Form des modernen Heiratsschwindels benutzen Betrüger falsche Profile im Internet, um dem Opfer ihre Liebe vorzugaukeln und sie dann finanziell auszunehmen.

412 Fälle von Love-Scamming in einem Jahr angezeigt

Viele Opfer schämten sich den Betrug anzuzeigen, heißt es von der Polizei. Dabei sind Love-Scamming keine bedauerlichen Einzelfälle, sondern eine gewerbsmäßige Betrugsmasche. Allein bei den sächsischen Polizeirevieren wurden im vergangenen Jahr 412 Fälle dieses digital vorbereiteten Heiratsschwindels angezeigt, ergab eine Abfrage des LKA im polizeilichen Auskunftssystem.

Es gehe den Tätern nur ums Geld, eine persönliche echte Verbindung sei nie vorgesehen, informiert die Polizei. Nachdem die Vertrauensbasis aufgebaut ist, werde eine Notlage erfunden, die Mitleid bei den Betroffenen auslöse. "Die Opfer überweisen dann vertrauensvoll Geld zum Beispiel via Western Union nach Ghana, Nigeria, den USA, Großbritannien, der Türkei oder auch Russland. Bei Internetbekanntschaften mit Russland handelt es sich um angeblich heiratswillige Frauen, die dann die Männer abzocken", so das LKA.

Es geht den Tätern nur ums Geld, eine persönliche echte Verbindung war und ist nie vorgesehen.

Landeskriminalamt Sachsen

Zwei verschlungene Herzen auf einer roten Taste einer Computer-Tastatur
Die Liebesbetrüger nehmen Frauen wie Männer in allen Altersgruppen ins Visier. Bildrechte: Colourbox.de

Opfer werden um hohe Geldsummen gebracht

Die Erfolgsquote bei den der Polizei Sachsen gemeldeten Betrugsfälle wertet das LKA als hoch. Zwei Drittel der Opfer des vergangenen Jahres (275) wurden um beträchtliche Summen gebracht. Das LKA beziffert den entstandenen Gesamtschaden für 2021 mit rund 4,2 Millionen Euro.

Dabei werden die Betrüger offensichtlich dreister. Denn auch wenn es im Vergleich zum Jahr 2020 (304 betrogene Opfer) weniger erfolgreiche Betrugsfälle gab, so ist die Schadenssumme laut LKA kontinuierlich gestiegen.

- Im Jahr 2017 lag die Schadenssumme durch Love-Scamming bei 1,6 Millionen Euro,
- 2018 waren es 2,7 Millionen,
- 2019 insgesamt 3,6 Millionen,
- 2020 lag der Schaden bei vier Millionen Euro,
- 2021 wurden 4,2 Millionen Euro Geldschaden angezeigt.

Frauen und Männer aller Altersgruppen betroffen

Die Täter nehmen Frauen wie Männer in allen Altersgruppen ins Visier. Mit einem Anteil von 57,4 Prozent seien Frauen etwas häufiger betroffen, so das LKA. Fast 68 Prozent der Geschädigten seien in der Altersgruppe 40 bis 69 Jahren zu verzeichnen. Laut LKA-Bilanz wurden im vergangenen Jahr 100 Tatverdächtige ermittelt, 55 Männer und 45 Frauen. Von diesen besitzen die meisten Personen die deutsche Staatsangehörigkeit, gefolgt von Tatverdächtigen aus Nigeria und Ghana.

Woran man Love-Scamming erkennen kann • Eine Mail in englischer Sprache mit einer Einladung zum Chat dient als Lockmittel.
• Die Betrüger kommunizieren meistens in gutem Englisch. Allerdings gibt es auch viele, die perfekt Deutsch sprechen.
• Nach kurzer Zeit überhäufen die Scammer ihre Opfer mit Liebesschwüren. Sie wollen alles über ihr Opfer wissen: Hobbys, ehemalige Partner, Kinder, Freunde, auch der Glaube an Gott spielt eine Rolle.
• Die Täter sprechen dann oft von Geschäftsreisen oder familiären Schwierigkeiten und einer Verbindung nach Westafrika wie Nigeria, Ghana oder dem Senegal, aber auch nach Russland und Südostasien. Frauen geben häufig vor, in osteuropäischen, südost-asiatischen oder südamerikanischen Ländern zu leben.
• Die Betrüger bitten ihr Opfer um Geld. Weigert es sich zu zahlen, suchen die Betrüger andere Wege der Bereicherung. Dabei scheuen die Scammer nicht, erpresserische Methoden anzuwenden, sogar mit Selbstmord wird gedroht. Beispielsweise sollen Schecks (die allerdings gefälscht sind) in Deutschland eingezahlt werden oder Briefe bzw. Päckchen sind an dritte Personen zu versenden, die Betrüger bitten um Kopien von Ausweisen und verwenden diese Daten für weitere Betrugshandlungen.

MDR (ma)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 10. Mai 2022 | 12:30 Uhr

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